Donald Trumps US-Republikaner gehen bei den Midterms unter – wird jetzt alles wieder leichter für Europa im Umgang mit Washington? Hierzulande reagieren Politiker zwar hoffnungsvoll auf die Wahl. Doch die Zweifel bleiben.
04.11.2026, 11.52 Uhr
Boris Pistorius am Mittwoch in Berlin
Foto: Sebastian Gollnow / dpaDie Ergebnisse der Zwischenwahlen in den USA haben in Deutschland für vorsichtige Erleichterung gesorgt – auch wenn die Freude gebremst bleibt. Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gratulierte den Demokraten zu ihrem Sieg. »Es ist ein historischer Sieg für die Demokraten im Repräsentantenhaus und im Senat«, sagte der Minister. Er kündigte an: »Wir werden genauso, wie in der Vergangenheit auch, eng Kontakt suchen zu den Demokraten. Das versteht sich von selbst.«
Pistorius betonte zugleich, dass Deutschland mit der US-Regierung, »an der sich nichts ändert, die noch zwei Jahre im Amt sein wird, weiter vertrauensvoll zusammenarbeiten« werde. Was von dieser nun zu erwarten sei, werde sich zeigen. »Das hängt so ein bisschen davon ab, was der amerikanische Präsident vorhat nach diesen Wahlen. Das wissen wir nicht.«
»Aber auch damit gehen wir seit Jahren um und stellen uns darauf ein«, sagte der SPD-Politiker. Deutschland werde »in der bewährten Art und Weise« reagieren, »dass wir uns nicht beirren lassen, dass wir unsere Verantwortung wahrnehmen«. Pistorius fügte hinzu: »Das werden wir ungeachtet aller Ergebnisse auch in Zukunft tun.«
Bundesbildungsministerin Karin Prien, CDU, schrieb beim Kurznachrichtendienst X von einem »Morgen der Zuversicht«.
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Ihr Parteifreund, der Außenpolitiker Norbert Röttgen, sieht nach der Niederlage der Republikaner eine Möglichkeit für mehr Offenheit bei Präsident Donald Trump. Es sei »etwas richtig ins Rutschen geraten, was er nach meiner Einschätzung nicht vollständig ignorieren kann und wird«, sagte der Unionsfraktionsvize im Bundestag dem Deutschlandfunk. Die Koalition, die ihn ins Amt gebracht habe, habe Trump verloren, »nicht nur mit Hispanics und den schwarzen Wählern, sondern vor allen Dingen mit weißen Wählern ohne akademischen Abschluss«.
Hoffnung für Europa
Ein Ende des Trumpismus ist das laut Röttgen aber nicht. Er sei weiterhin als Stimmung und Haltung »stark vertreten«« und habe in der US-Gesellschaft »tiefe Wurzeln«. In Bezug auf die Außenpolitik der USA und den Angriffskrieg Russlands in der Ukraine eröffne sich für Europa jedoch eine »Einwirkungsmöglichkeit«. Man müsse nun die Beziehungen zum US-Kongress intensivieren. »Unser Kerninteresse ist, dass der Krieg scheitert und dass der Aggressor als Aggressor benannt wird«. Diese Position habe jetzt wieder größere Resonanz.
Grünenvorsitzende Franziska Brantner wertete den Sieg der Demokraten als »Stoppschild gegen Trump und seine Milliardäre«. Daraus könne man Hoffnung ziehen für das demokratische System in den USA, sagte sie dem rbb24 Inforadio.
In der EU könne man aber nicht aufatmen. »Im Gegenteil, wir müssen wirklich auf Europa und unsere eigene Stärke setzen.« Trump habe klar gesagt, dass er die Europäische Union nicht respektiere und sie spalten wolle. Aus der Ukraine wolle er sich mehr und mehr herausziehen. »Das heißt, wir haben da eine eigene Verantwortung für uns, egal wie das jetzt final ausgeht«, sagte Brantner.
jpe/AFP/dpa
Source: Der Spiegel · DER SPIEGEL
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