Trump und Döllner bei dem gemeinsamen Auftritt

Kritik an Audi-Chef reißt nicht ab Von "erheblichem Störgefühl" bis Rücktrittsforderung

Stand: 26.10.2026 • 20:56 Uhr

Der Auftritt von Audi-Chef Döllner an der Seite von US-Präsident Trump sorgt weiter für Kritik. SPD-Generalsekretär Klüssendorf fordert Konsequenzen vom Mutterkonzern VW. Audi selbst verteidigt den Auftritt.

Die Kritik am Auftritt von Audi-Chef Gernot Döllner an der Seite von US-Präsident Donald Trump reißt nicht ab. Nach scharfer Kritik von Gewerkschaften und von Arbeitnehmernseite haben sich auch auch mehrere Politiker zu Wort gemeldet.

SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf sprach von einem "Skandal". Im Onlinedienst Instagram erklärte er, Audi-Chef Döllner belohne "die Zollpolitik von Donald Trump noch mit Wahlkampfhilfe und Werksneubau" - während der VW-Konzern zugleich in Deutschland Stellen abbauen wolle. "Statt für einen starken deutschen Automobilstandort zu kämpfen, läuft er lieber dem US-Präsidenten hinterher. Das muss innerhalb des VW-Konzerns Konsequenzen haben."

Zuvor hatte Linken-Chef Luigi Pantisano sogar den Rücktritt von Döllner gefordert. Döllner müsse "seinen Hut nehmen", sagte Pantisano dem Nachrichtenportal t-online. "Gerade bei VW, wo das Land Niedersachsen mit in Verantwortung ist, muss das Konsequenzen haben."

Lies: Wahlkampfveranstaltung "nicht der richtige Ort"

Auch Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies äußerte sich kritisch über den Auftritt Döllners. Die Entscheidung für ein Audi-Werk in den USA könne "strategisch richtig" sein, eine Wahlkampfveranstaltung sei aber "nicht der richtige Ort", eine solche Investition zu verkünden, so der SPD-Politiker.

Döllner sei "Teil einer politischen Inszenierung" geworden, was Befremden ausgelöst habe. Das Bundesland Niedersachsen hält als Großaktionär 20 Prozent der Stimmrechte am Audi-Mutterkonzern Volkswagen.

Radtke appelliert an Vorstand und Aufsichtsrat

Der Chef des CDU-Arbeitnehmerflügels, Dennis Radtke, erklärte, Trump schade mit seiner Politik "massiv der deutschen Industrie, auch der Automobilindustrie". "Wenn die Ethik- und Compliance-Regeln für Vorstand und Aufsichtsrat von Volkswagen mehr darstellen sollten als eine Mischung aus Management-Kalenderblattsprüchen und Wandtattoos, dann müssen sie sich jetzt klar dazu positionieren", sagte der CDU-Politiker dem Handelsblatt.

Der baden-württembergische Ministerpräsident Cem Özdemir sagte, dass sich der Audi-Chef für den Wahlkampf des US-Präsidenten einspannen lasse, hinterlasse bei ihm ein "erhebliches Störgefühl". In Baden-Württemberg liegt das Audi-Werk Neckarsulm, das als gefährdet gilt. "Wer viel Geld in Georgia investiert, muss auch sagen, wie es in Neckarsulm weitergehen kann", so der Grünen-Politiker Özdemir.

Döllner war am Samstag bei einer Wahlkampfveranstaltung der US-Republikaner an der Seite von Präsident Donald Trump aufgetreten. Die VW-Tochter will in Georgia ihr erstes Werk in den USA bauen, die Investition soll 4,2 Milliarden Dollar (3,6 Milliarden Euro) betragen. Laut Unternehmen werden etwa 4.500 Arbeitsplätze geschaffen.

Audi verteidigt Auftritt Döllners

Eine Audi-Sprecherin erklärte, eine Delegation von Audi sei in Georgia gewesen, um die Gespräche und Verhandlungen über das geplante Werk weiter voranzubringen. Im Rahmen dieser Gespräche sei das Unternehmen gebeten worden, die Pläne gemeinsam mit dem US-Präsidenten vorzustellen.

Die Entscheidung, dieser Einladung zu folgen, sei im Interesse des Unternehmens getroffen worden. "Gleichzeitig sehen wir, dass der Rahmen der Ankündigung als politisches Signal wahrgenommen wurde. Das nehmen wir sehr ernst."

"Parteipolitische Neutralität" sei "für Audi ein wichtiger Grundsatz", so die Sprecherin. Die konzerneigenen Verhaltensrichtlinien aus dem "Booklet of Policies" stelle das Unternehmen damit nicht infrage.

Kein Verstoß gegen Konzernrichtlinie?

Genau das, einen Verstoß gegen die Audi-Regeln, hatte die Konzernbetriebsratsvorsitzende von Volkswagen, Daniela Cavallo, Döllner zuvor vorgeworfen. Die "Booklet of Policies" sehen laut Cavallo für Mitarbeiter "Neutralität im Umgang mit Parteien" vor und verbieten etwa "öffentlich wirksame Termine mit zur Wahl stehenden Parteien und Politikern".

Der Vorstand habe sich, so Cavallo, "von einer höchst zweifelhaften politischen Figur, die gegen so ziemlich jeden unserer Unternehmenswerte verstößt, zur Marionette in dessen Propaganda-Show machen lassen".

Auch IG-Metall-Chefin Christiane Benner bezeichnete den Auftritt als "politisch inakzeptabel". Döllner habe "eklatant" die eigenen Unternehmensregeln verletzt.

Source: Tagesschau · tagesschau.de

At a glance

Topic
World
Country
🇩🇪 DE
Publisher language
DE
Added to Allnira