Am Wochenende demonstrieren junge Menschen für bessere Bildung und ein bezahlbares Leben. Dafür gibt es parteiübergreifende Unterstützung. Die Sicherheitsbehörden bereiten sich aber auch auf mögliche Gewalttouristen vor.

30.10.2026, 14.57 Uhr

Luxusläden in deutschen Großstädten bereiten sich auf mögliche Ausschreitungen vor Luxusläden in deutschen Großstädten bereiten sich auf mögliche Ausschreitungen vor

Luxusläden in deutschen Großstädten bereiten sich auf mögliche Ausschreitungen vor

Foto: Stefan Zeitz / IMAGO

Am Wochenende sind bundesweit Jugendproteste unter dem Motto »Gen Z regelt« geplant. Um ähnliche Szenen wie in Frankreich oder Italien zu verhindern, soll die Bundespolizei gewaltbereite Demonstranten bereits an der Grenze zurückweisen. Die deutschen Behörden seien im engen Austausch mit Behörden in den Ländern, sagte eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums.

Die deutschen Behörden unterscheiden nach Angaben der Sprecherin »ganz klar zwischen einerseits friedlichen Schülerprotesten, die angekündigt sind, und eben einer gewaltbereiten, extremistischen Szene, die möglicherweise die Proteste nutzen möchte, um Gewalt zu verbreiten «. Den Sicherheitsbehörden des Bundes lägen »derzeit keine weitergehenden Erkenntnisse zu gewalttätigen Ausschreitungen im Zusammenhang mit diesen Versammlungen« vor, sagte die Sprecherin.

Die öffentlich bekannt gewordenen Mobilisierungsaufrufe betonten vielmehr »den friedlichen Charakter dieser Proteste, und sie distanzieren sich tatsächlich ausdrücklich von den gewaltsamen Auseinandersetzungen im Ausland«, fügte sie hinzu. »Allerdings ist festzustellen, dass neben überwiegend nicht extremistischen Akteuren auch Teile der linksextremistischen Szene sowie vereinzelt Gruppierungen aus dem auslandbezogenen Extremismus diese Aufrufe aufgreifen, um sich an der Mobilisierung zu beteiligen«.

Bisher sind bundesweit bereits 160.000 Teilnehmende angekündigt. Junge Menschen wollen unter anderem für bessere Bildung und ein bezahlbares Leben auf die Straße gehen, aber auch für mehr Klimaschutz, gegen Kürzungen im Sozialbereich sowie gegen Aufrüstung und mehr Überwachung.

Parteiübergreifendes Verständnis für Anliegen der »Gen Z«

Parteiübergreifend gibt es Verständnis für die Anliegen der »Gen Z«. Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) ermunterte die Teilnehmer der Proteste und appellierte zugleich an sie, möglichen Provokationen zu trotzen. »Seid laut. Engagiert Euch in Parteien. Aber seid nicht gewalttätig«, sagte Prien dem »Stern«. Die Ministerin lud die Jugend zum Dialog ein, denn diese habe selbstverständlich »legitime Anliegen«. Auch andere Politikerinnen und Politiker äußerten Unterstützung:

Die jugendpolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Jasmina Hostert, erklärte, es gehe um die »zentralen Zukunftsfragen« in Deutschland. »Wir sehen den Auftrag, werden zuhören und uns für die Belange der jungen Generation starkmachen.« Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) sagte dem »Kölner Stadt-Anzeiger«, es sei »wichtig, dass die Stimme der Jugend gehört und dann auch ernst genommen« werde. Genauso wichtig sei es auch, dass diese Demonstrationen friedlich blieben.

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Die frühere Grünenvorsitzende Ricarda Lang kritisierte, dass vor den Protesten »fast eine Woche lang vor allem über mögliche Gewalt gesprochen« worden sei, statt über die berechtigten Forderungen und Ängste junger Menschen. Diese wüchsen »in einer Welt der totalen Unsicherheit« auf, sagte Lang dem Sender n-tv. Die Linke solidarisierte sich ausdrücklich mit den Protesten. Für die Demonstrationen sei es »genau die richtige Zeit«, erklärte Parteichef Luigi Pantisano. Linkenfraktionschefin Heidi Reichinnek warnte davor, den Protest »von vornherein« zu kriminalisieren.

AfD-Chefin Alice Weidel beschwor die Gefahr, »dass die Demonstrationen wie in Frankreich von gewaltbereiten Menschen aus dem linksextremen und islamistischen Milieu gekapert« würden. Die angekündigten Demonstrationen zeigten, welche Folgen »linke Ideologie« für Deutschland habe, behauptete sie.

Nach den Protesten in Frankreich wollen auch hier junge Menschen auf die Straße gehen. Wie viel Frankreich in »Gen Z regelt« steckt, lesen Sie hier .

hba/AFP

Source: Der Spiegel · DER SPIEGEL

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