Die Initiative »Gen Z regelt« will am Samstag bundesweit Zehntausende junge Menschen zu Demonstrationen bewegen. Die Bundesschülerkonferenz will eigene Wege gehen – auch aus Sorge vor Krawallen.

29.10.2026, 10.18 Uhr

Schülerproteste (Symbolbild) Schülerproteste (Symbolbild)

Schülerproteste (Symbolbild)

Foto: Marc John / Bonn.digital / picture alliance

Nach ihrer Distanzierung von den geplanten Protesten an diesem Samstag plant die Bundesschülerkonferenz am 20. November eine eigene Demonstration. »Wir werden am 20.11. als Bundesschüler*innenkonferenz einen eigenen Protest in Berlin veranstalten und hier auch mit einem zivilgesellschaftlichen Bündnis auftreten«, sagte Amy Kirchhoff, Generalsekretärin der Bundesschülerkonferenz, in der Sendung »Frühstart« von RTL und n-tv.

Teilnehmen sollen daran demnach auch Lehrer und andere Jugendbewegungen. Zugesagt hätten bereits die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), der Bundeselternrat und Fridays for Future. Weitere Organisationen seien angefragt. Womöglich kämen zu der Demonstration in Berlin noch andere Orte hinzu.

Ihre Generation sei aus vielen Gründen wütend »auf die Menschen, die uns nicht zuhören« und die »Politik über uns, aber nicht mit uns« machten, sagte Kirchhoff. »Da geht es um das Thema Rente und Altersvorsorge, um das Thema Arbeitsmarkt, aber auch der Alltag in Schulen, der einfach nicht ideal läuft, wo Schulen marode und kaputt sind.« Viele Jüngere rechneten nicht mehr damit, dass es ihnen einmal besser gehen werde als ihren Eltern. »Das ist ein Glaube, der sich gerade in Luft auflöst.«

»Gewalt ist keine Lösung«

Die Bundesschülerkonferenz hatte sich bereits am Wochenende von den geplanten Protesten der Initiative »Gen Z regelt« am 31. Oktober distanziert. Geplant sind Demonstrationen in rund 30 Städten, bei denen junge Menschen für mehr Klimaschutz, Maßnahmen gegen steigende Lebenshaltungskosten und gegen die Wehrpflicht auf die Straße gehen wollen. Dabei lehnt »Gen Z regelt« Gewalt ausdrücklich ab. Bei Protesten in Frankreich und anderen europäischen Ländern war es zu Krawallen gekommen.

Kirchhoff verwies erneut auf »unklare« Organisationsstrukturen hinter »Gen Z regelt«: »Man weiß nicht so genau, wer dahintersteht«. Zudem teilt sie die Sorge vor Krawallen. »Gewalt ist keine Lösung an der Stelle, sondern wir müssen hier ins Gespräch gehen.«

Die ältere Generation müsse Verantwortung übernehmen, zuhören und umsetzen, was junge Menschen sich wünschten, sagte Kirchhoff. Friedliche Proteste und das grundlegende Anliegen könne man aber unterstützen. »Die Wut, die Frustration und der Wunsch nach mehr Investitionen, vor allem in den Bereich Bildung, das wollen wir auf alle Fälle mittragen.«

Verbände fordern sichtbare Polizeipräsenz in Innenstädten

Wirtschaftsverbände haben in einem Brief an Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) vor negativen Auswirkungen der für Samstag angekündigten Protestaktionen auf Innenstädte und den Einzelhandel gewarnt. Eine aktuelle Lageeinschätzung zu den Protesten in Frankreich komme zu dem Ergebnis, dass auch hierzulande mit Betriebsstörungen durch Blockaden und Versammlungen gerechnet werden müsse, heißt es in dem nicht öffentlichen Schreiben, das der Nachrichtenagentur dpa vorliegt.

Verfasser des in der vergangenen Woche versandten Briefs sind der Handelsverband Deutschland (HDE), der Immobilienwirtschaftsverband ZIA sowie der Handelsimmobilien-Wirtschaftsverband GCSP. Gewaltbereite Akteure könnten versuchen, friedliche Proteste für eigene Zwecke zu instrumentalisieren, heißt es darin. »Besonders besorgniserregend ist die Einschätzung, dass Angriffe auf Gewerbebetriebe, insbesondere auf Einzelhandelsgeschäfte und Shoppingcenter, durch Sachbeschädigungen, Vandalismus oder Plünderungen nicht ausgeschlossen werden können.«

Der Innenminister solle sich unter anderem dafür einsetzen, dass insbesondere in stark frequentierten Innenstadtlagen sowie an Schwerpunkten des Einzelhandels eine »sichtbare und ausreichend dimensionierte Polizeipräsenz« gewährleistet werde. Auch sollten Blockaden, die die wirtschaftliche Betätigung unverhältnismäßig einschränkten, konsequent unterbunden werden. Am Mittwoch hatte das Innenministerium erklärt, dass es vorerst keine konkreten Aufrufe zu Gewalt bei den Jugendprotesten sieht.

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Der Grünenvorsitzende Felix Banaszak warnte davor, die Teilnehmer der angekündigten Jugendproteste am Samstag unter Generalverdacht zu stellen. »Die Rhetorik der Union, diese Proteste präventiv schon mal zu kriminalisieren und in die Ecke von marodierenden Banden zu treiben, treibt die Leute im Zweifel sogar in eine Radikalisierung«, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

Stattdessen solle man sich »mit ihren berechtigten Anliegen mal politisch vernünftig auseinandersetzen«. Das Aufstiegsversprechen gelte für junge Menschen nicht mehr, das Leben sei für viele kaum mehr bezahlbar. »Sie haben den Eindruck, für alles ist im Zweifel Geld da, nur nicht für das, was für sie eine Rolle spielt.«

Es sei ein Fehler, auf die Forderungen der Protestbewegung »jetzt nur mit Warnungen vor Gewalt zu reagieren. Es ist klar, dass Gewalt keine Rolle spielen darf. Aber die Unzufriedenheit und die Frustration junger Menschen sind aus meiner Sicht absolut nachvollziehbar«, sagte Banaszak.

Wird es am Samstag massive Plünderungen geben wie in Frankreich? Das Bundeskriminalamt hat eine klare Antwort. Welche, lesen Sie hier .

wit/dpa/AFP

Source: Der Spiegel · DER SPIEGEL

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