Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) hatte kurz vor Beginn gesagt: »Es wird in jedem Fall kein Familienfoto geben, auf dem unsere europäischen Partner gemeinsam mit Herrn Lawrow sind.« Zuvor war Wadephul bei einer Station in Panama nach dem möglichen Familienfoto gefragt worden. Dort erklärte er, er werde sich einem Foto nicht komplett verschließen und erinnerte an sein Treffen mit Lawrow am Rande der Uno-Vollversammlung. »Das Entscheidende ist nicht das Foto, das Entscheidende ist, was wir miteinander besprechen«, sagte der deutsche Außenminister. »Wenn man nicht miteinander spricht, kann man auch nicht die jeweils eigene Position vermitteln. Das ist der Kern von Diplomatie, diesem Geschäft widmen wir uns, auch wenn es schwere Differenzen zwischen Russland und Europa und insbesondere Deutschland gibt.«
Am Freitagmorgen in Atlanta klang Wadephul dann deutlich ablehnender. Offenbar hat er sich mit seinen europäischen Kollegen beraten. »Ich gehe jetzt zum jetzigen Zeitpunkt davon aus, dass es überhaupt kein Familienfoto geben wird. Es wird in jedem Fall kein Familienfoto geben, auf dem unsere europäischen Partner gemeinsam mit Herrn Lawrow sind. Es gibt keine Normalität mit Russland. Wir müssen die Kontroversen hier am Tisch austauschen. Deswegen ist das Gespräch wichtig. Aber wir dürfen keine falschen optischen Signale aussenden.«
Umgang mit Lawrow einer der zentralen Punkte in Atlanta
Lawrow sitzt bei den Beratungen mit am Tisch. Der Umgang mit ihm und der seit mehr als viereinhalb Jahren andauernde Angriffskrieg Moskaus auf die Ukraine gehören zu den wesentlichen Themen des Treffens und der politischen Gespräche am Rande. Russland spielt als Unterstützer Irans auch eine wichtige Rolle im Zusammenhang mit den weltweiten wirtschaftlichen Folgen des Irankriegs, den die USA gemeinsam mit Israel im Februar begonnen hatten.
Beide Konflikte belasten die Weltwirtschaft erheblich: Der eingeschränkte Schiffsverkehr in der Straße von Hormus sorgt für drastisch steigende Preise etwa für Öl und Gas. Der Krieg in der Ukraine führt hingegen zu schweren Beeinträchtigungen für den Handel mit Dünger und Getreide über das Schwarze Meer.
US-Außenminister Marco Rubio warb zu Beginn des Treffens für eine engere Zusammenarbeit. Wirtschaftliche und geopolitische Krisen bedrohten den globalen Handel, die Versorgung mit Energie und Lebensmitteln sowie die freie Schifffahrt. »Die G20 müssen gemeinsam daran arbeiten, diesen Bedrohungen entgegenzutreten.« Die US-Regierung hat im Irankrieg ihren Partnern wiederholt mangelnde Unterstützung vorgeworfen.
Moskau hatte erst am Mittwoch bestätigt, dass Lawrow nach Atlanta kommen werde. In Atlanta saß Lawrow zwischen den Vertretern Saudi-Arabiens und Mexikos. Rubio hatte direkt neben sich Polens Außenminister Radosław Sikorski platziert, den er als einzigen Gast zu den G20-Beratungen geladen hatte. Sikorski gilt als scharfer Kritiker Russlands wegen dessen Krieg gegen die Ukraine. Polen befürchtet, eines der nächsten Ziele Russlands zu werden.
Source: Der Spiegel · DER SPIEGEL
At a glance
- Topic
- World
- Country
- 🇩🇪 DE
- Publisher language
- DE
- Added to Allnira