Es geht um die Sicherung der Transsahara-Pipeline, über die Erdgas in die EU exportiert werden soll: Ein algerisches Expeditionskorps kommt nach Niger. Der Uno-Friedenseinsatz in der Westsahara steht derweil vor dem Aus.
31.10.2026, 16.06 Uhr
Algerische Soldaten in der Hauptstadt Algier
Foto: Anis Belghoul / AP / dpaAlgerien wird nach Angaben des Präsidialamtes zum Schutz seiner wirtschaftlichen Interessen Truppen in den Niger entsenden. Das Parlament habe am Sonntag eine entsprechende Resolution gebilligt. Demnach sollen die Einheiten in Madama im Norden des Landes nahe der libyschen Grenze stationiert werden. Angaben zum Zeitpunkt der Verlegung oder zur Truppenstärke machte das Präsidialamt nicht. Es ist der erste Auslandseinsatz der algerischen Armee seit der Unterstützung Ägyptens im Krieg von 1973.
Im Zentrum der Interessen steht der Energiesektor. Der staatliche Konzern Sonatrach arbeitet gemeinsam mit dem Niger und Nigeria an der Transsahara-Pipeline, über die afrikanisches Erdgas nach Europa exportiert werden soll. Der Einsatz erfolgt in einem schwierigen Umfeld:
Der Niger wird seit einem Putsch im Juli 2023 vom Militär regiert.
Die Beziehungen zwischen Algier und der neuen Führung hatten sich zuletzt verschlechtert.
Zudem kämpft der Niger gegen Aufständische, die mit al-Qaida und der Terrormiliz »Islamischer Staat« (IS) verbündet sind.
Der Uno-Friedenseinsatz für die von Marokko beanspruchte Region Westsahara steht derweil nach mehr als 30 Jahren vor dem Aus. Russland blockierte am Freitagabend im Uno-Sicherheitsrat mit seinem Vetorecht eine von den USA eingebrachte Resolution zur Verlängerung des Minurso-Mandats, das noch an diesem Samstag ausläuft. Der US-Entwurf sah vor, den Einsatz um ein Jahr zu verlängern, zugleich jedoch Marokkos Plan, Westsahara als autonome Region in sein Staatsgebiet einzugliedern, als einzige Verhandlungsgrundlage festzuschreiben. Zudem sollte die militärische Komponente des Einsatzes reduziert werden und der Verweis auf Pläne für ein Referendum aus seinem Namen gestrichen werden. Minurso war 1991 ursprünglich eingerichtet worden, um eine Volksabstimmung über die Unabhängigkeit der Region an der Atlantikküste Nordwestafrikas zu organisieren, die jedoch nie zustande kam. Auch ein Gegenentwurf Russlands scheiterte im Sicherheitsrat. Der Westsahara-Konflikt schwelt seit 50 Jahren.
Der russische Uno-Botschafter Wassili Nebensja erklärte, der US-Entwurf habe die marokkanische Position einseitig begünstigt. Der Sicherheitsrat dürfe Fragen der Souveränität nicht vorwegnehmen. Der US-Botschafter bei den Vereinten Nationen, Michael Waltz, sagte hingegen, dass aufgrund langjähriger Meinungsverschiedenheiten über die Wahlberechtigung nie ein Referendum stattgefunden habe. »Uno-Vertreter weisen seit 30 Jahren auf diesen Umstand hin«, sagte er. Einige Ratsmitglieder hätten aber ihr Veto eingelegt, um das Wort »Referendum« im Namen des Einsatzes zu erhalten, obwohl die Uno eine solche Abstimmung seit Jahrzehnten nicht mehr vorbereiteten. Frankreich, Großbritannien und neun nicht ständige Mitglieder des Sicherheitsrats unterstützten den US-Entwurf.
Marokko begrüßt das Scheitern der Mandatsverlängerung
Marokko begrüßte das Scheitern der Mandatsverlängerung. Personal und die Ausrüstung des Uno-Einsatzes sollten das Gebiet in den kommenden Tagen verlassen, hieß es in einer Erklärung des Königshauses. Marokko betonte jedoch, den Waffenstillstand weiterhin einhalten zu wollen. Die Westsahara ist seit Jahrzehnten umstritten. Marokko kontrolliert den Großteil des Territoriums, während die von Algerien unterstützte Separatistenbewegung Polisario-Front einen unabhängigen Staat anstrebt. Die Westsahara war bis 1975 spanische Kolonie und wurde danach von Marokko annektiert.
Die Hilfsorganisation Oxfam warnte vor den Folgen eines Abzugs des Uno-Friedenseinsatzes. Der Wegfall der Überwachungs- und Deeskalationsaufgaben gefährde die Sicherheit und Stabilität, was schwerwiegende Folgen für die Zivilbevölkerung und die Aussichten auf eine friedliche Lösung haben könnte. Während die meisten Menschen der maurischen Bevölkerungsgruppe der Sahrauis in der von Marokko kontrollierten Westsahara leben, halten sich Zehntausende in von der Polisario geführten Flüchtlingslagern in Algerien auf. Der blockierte US-Entwurf hatte eine Registrierung dieser Flüchtlinge gefordert.
dop/Reuters
Source: Der Spiegel · DER SPIEGEL
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