G20-Aussenministertreffen Es reichte nicht mal für das traditionelle «Familienfoto»
31.10.2026, 18:15
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Es gehörte bisher einfach dazu: das Gruppenfoto. Auf jedem Gipfel von Staats- und Regierungschefs, auf jedem Ministertreffen standen sie beisammen, blickten lächelnd in die Kameras und sandten so zumindest für einen Blitzlichtmoment die Botschaft aus: Wir arbeiten zusammen, um gemeinsam Probleme zu lösen. Spitzzüngige Beobachter merkten bisweilen an, dieses sogenannte «Familienfoto» sei oft gar das wichtigste Ergebnis bei solchen Begegnungen gewesen.
Dieses Mal in Atlanta gab es keines. Die Aussenminister aus Europa, aber auch die Aussenministerin aus Australien mochten sich nicht Schulter an Schulter mit ihrem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow ablichten lassen.
Lawrow gilt als toxisch. Zwischen Russland und den westlichen Ländern herrscht keine Normalität. Mag sich die Regierung von US-Präsident Donald Trump noch so verbiegen, um Russland zurückzuholen aus der Kälte. Solange der Kreml nicht mal ein Mindestmass an Kompromissbereitschaft gegenüber der Ukraine und der Welt signalisiert, dürfte das nicht gelingen.
Zu breite Gräben, keine Schlusserklärung
Das fehlende Familienfoto wäre indes eher zu verschmerzen, würden die G20-Staaten dafür in der Substanz etwas liefern. Mit den Kriegen in der Ukraine, im Iran, im Nahen Osten, im Sudan, mit der Lebensmittelkrise, mit der Bedrohung der freien Schifffahrt, mit den bedrohten Lieferketten und den rekordhohen Energiepreisen gäbe es reichlich Herausforderungen, bei denen ein gemeinsames Vorgehen westlicher Mächte und grosser Schwellenländer ratsam wäre.
Doch die Gräben sind zu breit, die Bereitschaft zu Kompromissen ist zu gering. Gemeinsame Bestrebungen sind damit ausser Reichweite. Weshalb nun am Ende des Treffens in Atlanta nicht mal ein Schlusskommuniqué verabschiedet wurde. Solche Erklärungen beschönigen zwar fast immer das Ausmass an Einigkeit. Doch dieses Mal fehlte sie offenbar dermassen, dass selbst hohe diplomatische Formulierungskunst nicht ausreichte für etwas Präsentables.
Klub der Mächtigen scheint blockiert
Und was auch nicht hilft: Während zwischen Russland und den Europäern das Verhältnis völlig zerrüttet ist, herrscht auch zwischen den Europäern und den USA alles andere als Normalität. Und zwischen den USA und China vermögen Donald Trump und Staatschef Xi Jinping abgrundtiefe Differenzen bestenfalls oberflächlich zuzukleistern.
Dass es harzt in der Gruppe der G20-Staaten ist nicht neu. Doch mittlerweile scheint dieser Klub der Mächtigen gar vollends blockiert. Für das nach der Finanzkrise von 2008 auf einmal und danach für einige Jahre wichtige und nützliche Format bedeutet das: Ohne echten Willen, sich wenigstens punktuell zusammenzuraufen, ist es eigentlich überflüssig.
Fredy Gsteiger
Diplomatischer Korrespondent
Fredy Gsteiger ist diplomatischer Korrespondent und stellvertretender Chefredaktor bei Radio SRF. Vor seiner Radiotätigkeit war er Auslandredaktor beim «St. Galler Tagblatt», Nahost-Redaktor und Paris-Korrespondent der «Zeit» sowie Chefredaktor der «Weltwoche».
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Info 3, 31.10.2026, 17 Uhr
Source: SRF · Eine Analyse von Fredy Gsteiger
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