Katastrophe von Crans-Montana: Der Bundesrat gibt im Streit mit Italien über Spitalkosten nach

Die Landesregierung zahlt 1,5 Millionen Franken für die Behandlung italienischer Opfer in der Schweiz. Eigentlich müsste nach einem europäischen Abkommen Italien dafür aufkommen.

04.11.2026, 17.00 Uhr

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Menschen umarmen sich vor der Bar «Le Constellation» in Crans-Montana, zwei Tage nach der Brandkatastrophe in der Silvesternacht.

Menschen umarmen sich vor der Bar «Le Constellation» in Crans-Montana, zwei Tage nach der Brandkatastrophe in der Silvesternacht.

Dominic Nahr / NZZ

Es war eine von mehreren Episoden infolge der Brandkatastrophe von Crans-Montana, die in Italien auf viel Unverständnis stiess: Italienische Brandopfer erhielten im April Rechnungskopien vom Spital Sitten. Und die italienische Sozialversicherung sollte für Behandlungen dort und in weiteren Schweizer Spitälern aufkommen. So sehen es Schweizer und europäische Regeln vor.

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Italiens Regierung lehnte das entschieden ab. Die Ministerpräsident Giorgia Meloni schimpfte auf Social Media über die «unmenschliche Bürokratie» der Schweiz und ihre «schändliche Forderung». Italiens damaliger Botschafter in Bern, Gian Lorenzo Cornado, sagte der NZZ, die Schweiz behandle die Brandkatastrophe von Crans-Montana wie einen «Auto- oder Skiunfall».

Guy Parmelin beruhigte den Streit im Mai

Dieser Streit schien eigentlich schon im Mai nach mehreren Gesprächen von Bundespräsident Guy Parmelin mit italienischen Spitzenpolitikern praktisch beigelegt. Tatsächlich jedoch ist er es erst jetzt, nun offenbar endgültig: Der Bund übernimmt die 1,5 Millionen Franken an Spitalkosten, die für die Behandlung von 12 italienischen Opfern in der Schweiz angefallen sind. Das hat der Bundesrat am Mittwoch mitgeteilt.

Die Schweiz hat im Streit mit Italien also nach sechs Monaten nachgegeben. Dass hinter den Kulissen offenbar hart verhandelt wurde, legt die Mitteilungs des Bundesrats nahe. Darin ist von «mehreren Diskussionen zwischen Italien und der Schweiz» die Rede. Der Bundesrat verzichte «ausnahmsweise» auf die Rückerstattung der Behandlungskosten, wie sie eigentlich im Freizügigkeitsabkommen mit der EU vorgesehen sei.

Diesen Entscheid kann der Bundesrat nach eigenen Angaben ohne Zustimmung des Parlaments treffen. Er habe gemäss der Verfassung «die Möglichkeit, im Bereich der Aussenpolitik einmalige Finanzhilfen ohne spezifische gesetzliche Grundlagen zu beschliessen», heisst es in der Mitteilung. «Die Schweizer Regierung ist sich des unermesslichen Leids bewusst, das auf den Familien der Opfer und auf allen Betroffenen lastet, die ihr ganzes Leben lang unter den Folgen der erlittenen schweren Verletzungen leiden werden.

Die Schweiz investiert auch in ihren Ruf

Mit anderen Worten: Für den Bundesrat sind die 1,5 Millionen Franken eine Investition in die Schweizer Reputation. Laut einem Artikel des «Sonntagsblick» von Ende September drängte insbesondere Aussenminister Ignazio Cassis darauf, dass die Schweiz die Kosten übernehme. Auch Guy Parmelin soll sich für diese Lösung eingesetzt haben.

Die Kritiker argumentierten laut der Zeitung damit, dass es nach der ausserordentlichen Hilfe des Bundes für die Opfer von Crans-Montana nicht schon wieder eine Sonderlösung geben solle. Die Kostenübernahme sei im Freizügigkeitsabkommen klar geregelt, ebenso der Mechanismus im Fall eines Streits zwischen zwei Staaten.

Der Bundesrat weist nun in seiner Mitteilung auch daraufhin, dass die Schweiz unmittelbar nach dem Brand in Crans-Montana im Rahmen des Katastrophenschutzverfahrens der Europäischen Union «schnelle, unbürokratische und kostenlose Hilfe von Italien und mehreren Nachbarländern bei der Versorgung oder beim Transport von Verletzten ins Ausland» erhalten habe. Die Schweizer Zahlung für italienische Opfer entspreche damit «dem Grundsatz der Gegenseitigkeit» und setze «ein Zeichen der Anerkennung der Schweiz für die ihr entgegengebrachte Solidarität».

Die italienische Ministerpräsidentin Meloni begrüsste den Schweizer Entscheid am Mittwoch «mit grosser Zufriedenheit». Dieser bestätige die Robustheit der Beziehungen zwischen beiden Ländern. Italien übernimmt umgekehrt die Kosten für ein Schweizer Brandopfer von Crans-Montana, das im spezialisierten Mailänder Spital Niguarda behandelt wurde.

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Source: Neue Zürcher Zeitung · Matthias Sander

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