Fünfzehn Jahre alt, Model und mit Trump auf der Jacht: «Als junges Mädchen aus dem Aargau fand ich das grossartig»
Ein neuer Bericht erhebt Vorwürfe gegen den US-Präsidenten, auch im Umfeld der Modelbranche. Nun erzählt die Schweizer TV-Moderatorin Tamara Sedmak, wie sie an einem Modelwettbewerb mit Donald Trump das Ambiente genoss – aber auch von einem Geschäftsmann belästigt wurde.
31.10.2026, 21.45 Uhr
5 Leseminuten
«Verstand und auch Glück gehabt»: Tamara Sedmak (zweite von links) als fünfzehnjähriges Model neben Donald Trump in New York 1991.
PD
Ein diese Woche publizierter Bericht der Demokraten im Justizausschuss des amerikanischen Repräsentantenhauses greift Präsident Donald Trump kurz vor den amerikanischen Zwischenwahlen frontal an, unter anderem richtet er den Blick auch auf die Modelbranche der neunziger Jahre. Die Autoren werfen Trump Übergriffe vor. Zudem sehen sie zahlreiche Anhaltspunkte dafür, dass Donald Trump an Jeffrey Epsteins Ausbeutung junger Frauen beteiligt gewesen sein könnte. Modelagenten, Wettbewerbe und Partys hätten den Männern Zugang zu jungen Frauen verschafft. Trump bestreitet eine Beteiligung an den Verbrechen des verstorbenen Sexualstraftäters Epstein.
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In dieser Modelwelt bewegte sich damals auch die Schweizerin Tamara Sedmak, die später als Fernsehmoderatorin unter anderem bei Sat.1 im ganzen deutschsprachigen Raum Bekanntheit erlangte. Und auch sie erlebte Grenzüberschreitungen und Belästigungen in jener Zeit, wie sie nun der «NZZ am Sonntag» erzählt.
PD
Sedmak gewann 1991 die Schweizer Ausscheidung des Modelwettbewerbs Look of the Year (heute: Elite Model Look) und durfte die Schweiz im Sommer desselben Jahres – als damals Fünfzehnjährige – am internationalen Finale in New York repräsentieren. Veranstalter war Elite Model Management, die von John Casablancas geführte Agentur, die bereits Karrieren von Supermodels wie Cindy Crawford lanciert hatte. Donald Trump war als Geschäftspartner von Casablancas in den Wettbewerb eingebunden. Trump war Sponsor, brachte die Teilnehmerinnen in seinem Plaza Hotel unter und sass in der Wettbewerbsjury.
Im Zusammenhang mit diesen Wettbewerben berichtete der «Guardian» Jahrzehnte später von einem Umfeld sexueller Ausbeutung: Minderjährige Models seien zu privaten Treffen gedrängt und an Partys bedrängt worden. Gegen Casablancas erhob eine frühere Teilnehmerin zudem den Vorwurf, er habe sie seit dem Wettbewerb 1988 als Minderjährige sexuell missbraucht. Sein Anwalt bezeichnete die Anschuldigungen als unbegründet. Auch der neue Demokraten-Bericht greift diese Wettbewerbe und die später erhobenen Missbrauchsvorwürfe auf.
Die Hand auf dem Oberschenkel
Der Wettbewerb versprach den jungen Teilnehmerinnen den Einstieg in eine internationale Modelkarriere. «Ich erlebte es als aufregend», erinnert sich Sedmak, die von der Chefin ihrer Modelagentur nach New York begleitet wurde. «Mir fiel auf, dass viele prominente Männer dort waren.» Das Luxushotel, die prominenten Gäste und Einladungen beeindruckten die Fünfzehnjährige: «Als junges Mädchen aus dem Aargau fand ich das grossartig, inmitten von New York all diese Stars kennenzulernen.» Sie erinnert sich an Prominente wie Naomi Campbell, Linda Evangelista oder David Copperfield.
Zum Rahmenprogramm gehörte eine Fahrt auf dem Hudson River. Für den Anlass war das Ausflugsschiff «Spirit of New York» gechartert worden. Trump war ebenfalls dabei – damals entstand auch ein Bild, das die Fünfzehnjährige neben anderen Mädchen und Trump zeigt. Auf dem Schiff tummelten sich ganz unterschiedliche Gäste. Sedmak erinnert sich, wie sie von einem russischen Geschäftsmann angesprochen wurde. «Er erzählte, er habe ein Import-Export-Geschäft und geschäftlich in Zug zu tun. Dann legte er mir die Hand auf den Oberschenkel. Er fragte: Wie alt bist du? Fünfzehn? Und noch Jungfrau? Er wollte jedes Detail wissen.»
Damals empfand Sedmak das Verhalten nicht als sexuelle Belästigung. «Ich bin selber ein Mensch, der andere häufig berührt», sagt sie. Die Zudringlichkeit und die intimen Fragen des Mannes sind ihr dennoch in Erinnerung geblieben. Die «NZZ am Sonntag» konnte nicht rekonstruieren, um wen es sich bei dem Geschäftsmann gehandelt hat und ob er allenfalls in einer Beziehung zu Trump stand.
Die später erhobenen Vorwürfe reichen über die Wettbewerbe hinaus. Laut einer vom «Guardian» aufgegriffenen Klage soll Casablancas 1990 eine Fünfzehnjährige zu einem vermeintlichen Casting bei Epstein geschickt haben. Dort soll Epstein sie sexuell missbraucht haben. Sedmak befand sich damit im Umfeld eines Modelagenten, dem auch vorgeworfen wurde, Epstein ein minderjähriges Mädchen vermittelt zu haben.
Sedmak lernte Epstein nie kennen. Trump habe sie nur ganz kurz persönlich kennengelernt, aufdringlich sei er ihr gegenüber nicht geworden.
Bei Epstein-Freund Brunel in Paris
Sie habe wohl einfach «Verstand und auch Glück gehabt», sagt Sedmak heute. Denn in der damaligen Modelbranche lauerten überall Fallen für junge Frauen. Nach dem Wettbewerb erhielt sie über die Agentur Click einen Vertrag und ging jeweils in den Gymnasiumsschulferien nach Amerika. «New York war ein extrem hartes Pflaster. Ich hatte zehn Castings am Tag und musste die Verlagsbüros der Magazine und die Werbeagenturen mit einer physischen New-York-Karte selber finden. Die Konkurrenz war enorm. Ich wurde oft abgelehnt.»
Sie war 16, als sie mit einem 34-jährigen Fotografen zusammenarbeitete. «Er rief mich danach privat an und wollte mit mir zu Abend essen. Ich fragte meine Eltern. Meine Mutter sagte: Das kommt nicht infrage.» Rückblickend sei diese Unterstützung enorm wichtig gewesen, sagt Sedmak. «Ich war sehr dankbar für diesen elterlichen Schutz. Wer den nicht hat, denkt vielleicht, er müsse das machen.»
Mitte der neunziger Jahre arbeitete Sedmak in Paris auch für Karin Models, die Agentur von Jean-Luc Brunel, der später als enger Weggefährte Epsteins bekannt wurde. «Brunel wollte, dass ich in den Modelapartments der Agentur wohne. Meine Mutter schloss das kategorisch aus. Ich wohnte dann bei der Familie ihres Cousins in Paris.» Andere Models warfen Brunel vor, sie in seiner Pariser Privatwohnung vergewaltigt zu haben. Brunel, der 2022 im Gefängnis Suizid beging, bestritt die Vorwürfe.
Auch abseits von Trump oder Brunel – das Thema Manipulation und Missbrauch sei damals in der Modelbranche öfter präsent gewesen. In der Szene habe sie von Frauen gehört, die unter Drogen gesetzt worden seien und irgendwo aufgewacht seien, ohne zu wissen, was geschehen sei, sagt Sedmak. Auch bei einem Auftrag in Mailand erlebte Sedmak die Schattenseiten der Modelwelt. Bei einem Klubbesuch warnte sie ein anderes Model davor, ihr Getränk zu trinken: «Jemand hatte kurz vorher Drogen reingekippt.»
Nach den Jahren als Model liess Sedmak die Branche hinter sich, erlangte einen Masterabschluss in Publizistikwissenschaft, Betriebswirtschaftslehre und Neuropsychologie an der Universität Zürich und machte in den nuller Jahren als Moderatorin Karriere.
Forderung der SP
Im Bericht der Demokraten sind im Hinblick auf die Modelszene die Erzählungen einer weiteren Schweizerin enthalten, die Anfang der neunziger Jahre als Model nach New York ging: Beatrice Keul wirft Trump in dem Bericht erstmals öffentlich vor, sie 1993 vergewaltigt zu haben. Schon zuvor hat sie von Übergriffen durch Trump erzählt. Dieser bestreitet die Vorwürfe. Letztes Jahr erzählte Keul in der «NZZ am Sonntag», wie sie bei einem Wettbewerb auch von Jeffrey Epstein bedrängt wurde. Dieser habe sie unter anderem mit dem britischen Ex-Prinzen Andrew verkuppeln wollen.
Die Veröffentlichungen der Epstein-Akten brachten auch weitere Verbindungen in die Schweiz ans Licht. Diese Woche, als Reaktion auf den Demokraten-Bericht, verlangten nun die SP-Frauen Aufklärung in der Schweiz. Staatsanwaltschaften und Bund sollten möglichen Schweizer Verbindungen in den Epstein-Akten nachgehen und Beweise bei den USA einfordern, heisst es in einer Medienmitteilung. «Die Schweiz muss ihren Teil aufklären», so wird die Co-Präsidentin Tamara Funiciello zitiert. Zudem fordern die SP-Frauen Schutz für Beatrice Keul, die von anonymen Drohungen berichtet.
Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»
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Source: Neue Zürcher Zeitung · Mirko Plüss
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