Die Schweizer Börse ist auf Rekordhoch – sie profitiert von der Krise im Nahen Osten

Auch die Unsicherheit rund um KI verhilft dem SMI zum Aufschwung. Viele Investoren richten ihre Portfolios derzeit neu aus.

05.11.2026, 14.36 Uhr

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Die Börsen sind abhängig vom unpopulären und teuren Ausbau von KI-Rechenzentren. Anleger wollen dieses Risiko reduzieren.

Die Börsen sind abhängig vom unpopulären und teuren Ausbau von KI-Rechenzentren. Anleger wollen dieses Risiko reduzieren.

Imago

Die Erleichterung an den Börsen ist nach den amerikanischen Zwischenwahlen gross. Nicht, weil die Demokraten eine deutliche Mehrheit im US-Kongress erlangt haben, sondern weil die Ungewissheit ob des Wahlausgangs weg ist. Die Aktienmärkte weltweit machten nach anfänglicher Verunsicherung deutlich Boden gut. Der Schweizer Index erreichte am Mittwoch einen neuen Höchststand, der deutsche DAX am Donnerstag.

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In Asien zogen die Aktienmärkte bereits über Nacht an. Der breit gefasste japanische Index Topix notierte deutlich höher, während der Leitindex Nikkei nachgab. Grund für die Schwäche waren Kurseinbrüche bei Aktien wie Advantest oder Tokyo Electron, welche die Chip-Industrie beliefern und vom KI-Ausbau abhängig sind. Der DAX erreichte ebenfalls einen neuen Rekordstand, obwohl der Rüstungskonzern Rheinmetall seine Prognose nach unten korrigierte und die Aktie zweistellig verlor.

Mit über 15 000 Punkten notiert der Schweizer Leitindex SMI derzeit so hoch wie noch nie. Am Donnerstagmorgen ging es für die meisten Aktien weiter nach oben. Dass es dem Schweizer Blue-Chips-Index so gut läuft, hat aber nicht nur mit dem Vorliegen des amerikanischen Wahlergebnisses zu tun. Schon vorher gehörte der SMI mit einem Plus von 23 Prozent seit Anfang Jahr zu den stärksten Börsen Europas.

Anleger schichten in SMI um

Gemäss Björn Eberhardt, Anlagechef bei der Luzerner Kantonalbank, profitiert der SMI seit einiger Zeit von den Sorgen bezüglich Unternehmen, die stark vom KI-Ausbau abhängig sind. Angesichts der enormen Summen, die Hyperscaler wie Amazon, Alphabet oder Meta in KI-Rechenzentren stecken, ist die Angst gross, dass diese Investitionen nie die erhofften Gewinne generieren werden. Die Investitionen würden Rentabilität und Verschuldung der Tech-Giganten derzeit übermässig strapazieren, so die Befürchtung.

Um einer Korrektur zuvorzukommen, sind Investoren deshalb daran, ihre Portfolios neu auszurichten. «Anleger haben ihre Positionen in riskanten Tech-Aktien abgebaut und schichten in defensivere Sektoren wie Pharma oder Nahrungsmittel um», stellt Eberhardt fest. Davon profitiert der SMI besonders. Denn die Aktien von Novartis, Roche und Nestlé machen fast die Hälfte der ganzen Indexgewichtung aus.

Hinzu kommt, dass es bei diesen Unternehmen in den letzten Wochen gute Nachrichten gab. Sowohl Novartis wie auch Roche legten für das dritte Quartal starke Finanzzahlen vor und vermeldeten Erfolge bei der Entwicklung und Zulassung von Medikamenten im Bereich multiple Sklerose (Novartis) und Adipositas (Roche). Diese Erfolgsmeldungen gaben dem gesamten Index zusätzlichen Schwung.

Trügerische Sicherheit

Der SMI gilt gemeinhin als defensiver Markt, in den Anleger flüchten, wenn an den Börsen Unsicherheit um sich greift. Doch diese vermeintliche Sicherheit kann trügen. Schwächelt eines der drei dominanten Unternehmen, wird der gesamte Index bestraft. So haben etwa die Aktien von Nestlé in den letzten fünf Jahren 30 Prozent ihres Werts verloren und den SMI empfindlich zurückgehalten. Diese Konzentration ist also auch ein Risiko.

Der Anlageexperte Eberhardt hat Zweifel, dass sich der SMI in der kommenden Zeit gleichermassen gut entwickeln werde wie im laufenden Jahr. Der Grund ist die Situation im Nahen Osten. In einem Interview mit der «Financial Times» sagte US-Präsident Trump, die USA hätten keine unmittelbaren Pläne für weitere Angriffe. Sollte sich die Lage in Iran wie von Trump angedeutet beruhigen, wären das nicht unbedingt positive Nachrichten für die Schweizer Börse.

Sinkt der Ölpreis weiter, würden andere Börsen in der Euro-Zone oder in Asien eher profitieren. Tiefere Treibstoffpreise sind grundsätzlich gut für die Weltwirtschaft und für Aktien, die in grossem Masse abhängig von der Konjunktur sind. Diese sind in Indizes wie dem DAX oder dem Nikkei viel stärker gewichtet. «Hellt sich die globale Konjunktur auf, hat der SMI relativ zu andern Aktienmärkten tendenziell Mühe», sagt Eberhardt.

Zweiklassengesellschaft

Während die SMI-Schwergewichte derzeit zu den Gewinneraktien gehören, gibt es auch in der Schweiz Unternehmen, die wegen der KI-Unsicherheit unter die Räder kommen. Nach den demokratischen Erfolgen in für den KI-Ausbau wichtigen Gliedstaaten wie Texas soll die Hälfte der geplanten Bauprojekte auf der Kippe stehen. Diese Unsicherheit spüren auch Schweizer Zulieferer wie der Klimatechnikspezialist Belimo, der Vakuumventilhersteller VAT oder der Verbindungstechniker Huber + Suhner. Ihre Aktien haben diese Woche deutliche Verluste verzeichnet.

Diese Zweiklassengesellschaft ist derzeit auch bei amerikanischen Tech-Aktien zu beobachten. Einerseits haben die Titel von Hyperscalern wie Amazon oder Microsoft nach den Wahlen gewonnen, weil die Anleger hoffen, dass diese weniger in den KI-Ausbau investieren und somit die Unternehmensgewinne steigen werden. Andererseits verlieren Titel von Unternehmen, die direkt am Bau von Rechenzentren beteiligt sind.

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Source: Neue Zürcher Zeitung · Eflamm Mordrelle

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