• Alleinerziehende sind in Schweizer Städten überdurchschnittlich häufig auf Sozialhilfe angewiesen.
  • Das zeigt der am Dienstag veröffentlichte Kennzahlenbericht der Städteinitiative Sozialpolitik.
  • In vielen Städten bezieht rund ein Viertel der Einelternhaushalte mit minderjährigen Kindern Sozialhilfe.

Mehrheitlich sind es Frauen und ihre Kinder. Deren Anteil an allen minderjährigen Unterstützten stieg seit 2010 von 52 auf 59 Prozent.

Das Armutsrisiko ist für Einelternhaushalte fast fünfmal so hoch wie dasjenige aller Haushalte. Viele Alleinerziehende beziehen Sozialhilfe zusätzlich zu ihrem Lohn, weil dieser für den Familienunterhalt nicht reicht.

Lohn reicht oft nicht aus

Alleinerziehende Mütter und Väter sind zwar deutlich häufiger erwerbstätig als unterstützte Personen ohne Kinder. Doch das verdiente Geld reicht oft nicht aus, weshalb die Sozialhilfe den Lohn aufstocken muss.

«Wer alleine einen Haushalt führt, ist oft mit mehreren Herausforderungen konfrontiert», führte Studienautorin Michelle Beyeler von der Universität Zürich vor den Medien aus. Dazu gehörten etwa finanzielle oder gesundheitliche Belastungen sowie Schwierigkeiten bei der Vereinbarkeit von Familie und Erwerbsarbeit. Diese Herausforderungen könnten sich gegenseitig verstärken.

Dass Betroffene oft jahrelang auf Unterstützung angewiesen bleiben, liegt vor allem an fehlenden Berufsabschlüssen, wie der Bericht weiter zeigt. Zudem fehlt es an passenden Ausbildungsangeboten, wie die städtischen Sozialdienste kritisieren.

«70 Prozent der Alleinerziehenden in der Sozialhilfe haben keine anerkannte Ausbildung. Eine solche nachzuholen ist für sie oft sehr schwierig», führte Beyeler weiter aus. «Bildung ist der Faktor zur Vermeidung von Sozialhilfebezug.»

Angebote passen nicht zu Arbeitszeiten

Erschwerend kommt die Betreuungssituation hinzu: Gut die Hälfte der Sozialdienste meldet einen Mangel an freien Plätzen. Zudem schliessen viele Kindertagesstätten am frühen Abend. Alleinerziehende arbeiten jedoch häufig im Verkauf, im Service oder in der Pflege – also zu Randzeiten oder an Wochenenden.

Die Kinderbetreuung sei eine wichtige Grundlage, damit eine Erwerbstätigkeit oder eine Ausbildung überhaupt möglich sei, sagte Beyeler weiter. «Dort, wo Alleinerziehende – das sind meistens Frauen – Betreuung benötigen würden, gibt es sie nicht.»

Legende: Vor allem alleinerziehende Frauen sind immer häufiger auf Sozialhilfe angewiesen, wie der Bericht der Städteinitiative Sozialpolitik zeigt. Keystone / KARL-JOSEF HILDENBRAND

Gute Erfahrungen machen Städte mit Familien­ergänzungs­leistungen. «Sie tragen stark dazu bei, dass die Verweildauer in der Sozialhilfe kürzer ist», sagte Nicolas Galladé, Präsident der Städteinitiative Sozialpolitik.

Die Städteinitiative betont jedoch, dass die Unterstützung von Einelternfamilien über die Sozialhilfe hinausgeht. Es brauche auch Anpassungen in der Familien-, Bildungs- und Wohnungspolitik.

Sozialhilfequote stabil

Die Sozialhilfequote über die Gesamtheit der 14 beteiligten Städte bewegte sich im Jahr 2025 bei stabilen 3.9 Prozent. Gegenüber dem Vorjahr ging sie leicht zurück.

Die Städteinitiative vergleicht jedes Jahr die Kennzahlen der Sozialhilfe in 14 Städten. Der Bericht wird seit 1999 herausgegeben und basiert auf der Schweizerischen Sozialhilfestatistik. Diese befindet sich zurzeit in einer Modernisierungsphase, weshalb Veränderungen teilweise beschränkt aussagekräftig sind.

Source: SRF · 27.10.2026, 15:22

At a glance

Topic
World
Country
🇨🇭 CH
Publisher language
DE
Added to Allnira