Heizkosten und Spritpreise

Die Preise für Haushaltsenergie und Treibstoffe sind in den letzten Monaten stark gestiegen, allen voran die für Heizöl, Erdgas und Diesel. Das schlägt sich auch in der allgemeinen Teuerungsrate nieder, wie die jüngsten Zahlen vom Mittwoch zeigen. Eine ganze Reihe von Faktoren als Folge des Krieges im Nahen Osten bestimmt aktuell die Preise. Prognosen für den Winter sind schwierig.

Online seit heute, 6.03 Uhr

Die Großhandelspreise für Erdgas und Strom stiegen auch im Oktober weiter, der von der Österreichischen Energieagentur (AEA) berechnete Gaspreisindex (ÖGPI) liegt für November um 115,1 Prozent, der Strompreisindex (ÖSPI) um 18,2 Prozent über dem Vorjahreswert. Der monatlich berechnete Energiepreisindex (EPI) erreichte im September einen neuen Höchststand.

Auch die Preise für Endverbraucherinnen und Endverbraucher stiegen in den letzten zwölf Monaten stärker als die Teuerungsrate und beeinflussen diese gleichzeitig maßgeblich. Die Inflation betrug im Oktober laut Schnellschätzung der Statistik Austria vom Mittwoch 3,6 Prozent. Trotz Spritpreisbremse lag das Niveau bei den Energiepreisen um 16,5 Prozent (nach 15,1 Prozent im September) über dem Vorjahreswert. Der Anteil der Energiekosten machte 1,38 Prozent der Gesamtinflation aus.

Preissteigerungen erreichen Haushalte nicht sofort

Prognosen für die Entwicklung der Energiepreise seien angesichts der geopolitischen Rahmenbedingungen mit der notwenigen Vorsicht zu genießen, sagte Lukas Zwieb, Experte für Energiewirtschaft bei der AEA, im Gespräch mit ORF.at. Beim Erdölpreis sehe man, dass tendenziell ein Zenit erreicht wurde. Der Preis sollte in den nächsten Monaten zumindest annähernd auf dem aktuellen Niveau bleiben, auch bei Heizöl.

Generell kämen Preisschwankungen bei Erdölprodukten relativ rasch beim Endkunden an. Anders sei das bei Strom, Erdgas und Fernwärme mit längerfristigen Lieferverträgen. Hier sei damit zu rechnen, dass das erst in den nächsten Monaten passiere. Verbraucher sollten ihre Verträge auf Anpassungsklauseln prüfen, rät Zwieb.

Fixpreisverträge machen Kosten am ehesten kalkulierbar

Johannes Mayer, Leiter der Abteilung Volkswirtschaft bei der Regulierungsbehörde E-Control, erwartet für den Winter nicht „die böse Überraschung“, zumindest nicht für Haushalte mit bestehenden Lieferverträgen mit Fixpreisen. Trotz eines Großhandelspreises, der „durch die Decke geht“, seien die großen Stromanbieter bisher „extrem zurückhaltend“ mit der Weitergabe von Preissteigerungen gewesen.

Hinweis zu Zahlen

Die Zahlen in unterschiedlichen Modellrechnungen zu den Energiepreise variieren je nach Berechnungszeitraum und Referenzwerten.

Bei Erdgas lägen die aktuellen Preise inzwischen deutlich über den Prognosen von vor einem Jahr. Für größere Verbraucher könnte die Rechnung um einige hundert Euro höher ausfallen, vor allem, wenn erst jetzt Neuverträge abgeschlossen würden, so Mayer. Bestehende Verträge mit Fixpreisen seien deutlich besser kalkulierbar als solche mit variablen Floater-Tarifen, die direkt den Großhandelspreisen – auf und ab – folgen.

Starke Preissteigerungen bei Heizöl und Erdgas

Die Preise haben sich unterschiedlich entwickelt. Heizöl war laut AEA mit Stand September im Jahresabstand um mehr als 60 Prozent teurer als 2025, Holzpellets um über 30 Prozent. Der Preis für Erdgas stieg um knapp zwölf, der für Fernwärme um rund fünf Prozent. Brennholz war um vier Prozent teurer als im Vorjahr. Nur Strom war im Jahresvergleich um etwa neun Prozent billiger. Bei den Treibstoffen verteuerte sich Dieselkraftstoff mit 42,3 Prozent am stärksten, der Preis für Superbenzin stieg im Jahresabstand um 25,5 Prozent.

Regionale Unterschiede im Vertragsangebot

Bei Strom und Erdgas zeigt der Energiepreismonitor der E-Control auch recht deutliche regionale Preisunterschiede im Angebot: Die Kosten für Strom lagen für einen Musterhaushalt (3.500 kWh Verbrauch pro Jahr) bei Strom zwischen 845,79 Euro jährlich in Vorarlberg und 1061,94 Euro in Kärnten. Bei Erdgas (15.000 kWh pro Jahr) reichten die Angebote von 1.617,02 Euro in Tirol bis 2.205,44 Euro in Wien. Heizöl war vor einem Jahr um fast 40 Cent pro Liter billiger.

Auch Pellets deutlich teurer

Der Preis für Holzpellets stieg laut Angaben des Branchenverbandes proPellets Austria um 33,5 Prozent im Jahresabstand. Eine Tonne kostete im Oktober 445,33 Euro. Der Verband verweist allerdings auf eine jährliche Kostenersparnis von 49 bzw. 44 Prozent gegenüber Heizöl und Erdgas.

Als Gründe für den Preisanstieg nannte die Geschäftsführerin von proPellets Austria, Doris Stiksl, im Gespräch mit ORF.at eine 40-prozentige Preissteigerung bei Sägespänen bzw. Spänen als Rohstoff, gestiegene Energie-, Logistik-, aber auch Lohnkosten. Dazu komme eine hohe Nachfrage auf dem europäischen Markt.

Holz in Relation am günstigsten

Am kostengünstigsten heizt man laut Rechnung des Österreichischen Biomasse-Verbandes mit Scheitholz und Waldhackgut (Hackschnitzel). Sie liefern eine Kilowattstunde (kWh) Heizenergie um 7,34 bzw. 4,06 Cent. Zum Vergleich: Bei Heizöl und Erdgas sind es 18,08 bzw. 15,36 Cent, bei Pellets 9,28 Cent. Der Preisvorteil von Holz liegt laut dem Verband bei 73 Prozent gegenüber Erdgas und 77 Prozent gegenüber Heizöl.

Holz verbrennt im Ofen
Holz ist das günstigste Heizmaterial, sein Einsatzspektrum ist aber etwa in den Großstädten begrenzt

Die Preise für Scheitholz sind je nach Holzart und Region unterschiedlich, im Oktober lag die Preisspanne bei gewerblichen Anbietern zwischen 110 und knapp 190 Euro für einen Raummeter (RM) Buchenholz, Weichholz ist entsprechend günstiger.

Dieselpreis erreichte Höchststand

Der Preis für Diesel erreichte Mitte September mit 2,27 Euro pro Liter einen historischen Höchststand. Zuletzt bewegte er sich um die 2,13 Euro, Eurosuper kostete im Median 1,77 Euro. Der Preis von Super Plus näherte sich mit 2,02 Euro seinem Höchststand von 2022 bei knapp 2,10 Euro im Juni 2022.

Besonders beim Dieselpreis spielten viele Faktoren zusammen: ein hoher Rohölpreis, unterbrochene Lieferketten, ausgefallene Raffineriekapazitäten, Exportstopps, ein hoher Dollar-Kurs, so Zwieb. Alle diese Faktoren griffen ineinander und verstärkten sich gegenseitig, so Mayer. Eine Prognose sei „tatsächlich schwierig“.

Österreich ist laut AEA bei Erdgas zu 90 und bei Erdöl zu 95 Prozent von Importen abhängig. Der Füllstand der Erdgasspeicher lag zuletzt bei 66,00 Prozent (oder äquivalent 66,18 Terrawattstunden, TWh) und damit deutlich unter 83,9 Prozent vor einem Jahr. Auch wenn der größte Teil etwa der Erdölimporte nicht aus dem Nahen Osten kommt, trifft der Krieg dort auch Österreich indirekt, weil er über die internationalen Handelsplätze die Preise bestimmt.

Source: ORF · ORF.at

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