Einsatzkräfte an der Unglücksstelle: »Wir werden hier die ganze Nacht lang bleiben«
Foto:Alejandro Martínez Vélez / EUROPA PRESS / dpa
Nach der Bahnkatastrophe in Spanien ist die Suche nach möglichen weiteren Opfern in der Nacht weitergegangen. »Hier wird mithilfe von Flutlicht auf Hochtouren gearbeitet«, sagte ein Reporter des staatlichen TV-Senders RTVE am Unglücksort in der Provinz Toledo, rund 130 Kilometer südlich von Madrid. Mit drei Kränen wollten die Einsatzkräfte zwei besonders schwer beschädigte Waggons anheben. Die Einsatzkräfte schlossen laut RTVE nicht aus, dass sich in den Wracks weitere Opfer befinden.
Mindestens 68 Menschen starben und zahlreiche weitere wurden verletzt, nachdem am Mittwochmorgen zwei Hochgeschwindigkeitszüge nahe der Gemeinde Urda kollidiert waren. Viele Menschen suchten in der Nacht noch nach vermissten Familienangehörigen, wie Mercedes Martín, die Sprecherin der Polizeibehörde Guardia Civil in Madrid, dem Sender sagte. DNA-Proben würden in Madrid sowie in Toledo, Córdoba und Sevilla entnommen. »Wir werden hier die ganze Nacht lang bleiben«, sagte Martín.
Zugunglück in Spanien: »Plötzlich rammte uns der Zug von hinten«
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Um kurz vor neun Uhr morgens war ein Zug der staatlichen Gesellschaft Renfe auf einen stehenden Zug des privaten Bahnunternehmens Iryo aufgefahren. Mehrere Waggons stürzten einen Bahndamm hinunter. In beiden Zügen waren insgesamt mehr als 540 Passagiere von Madrid nach Andalusien unterwegs (Eindrücke von der Unglücksstelle hier ).
Sánchez ruft dreitägige Staatstrauer aus
Ministerpräsident Pedro Sánchez rief eine dreitägige Staatstrauer bis Samstag aus – und versprach eine umfassende Aufklärung. »Wir werden der Sache bis zum Ende nachgehen. Sollte es Fahrlässigkeit gegeben haben, wird das ans Licht kommen«, sagte er vor Journalistinnen und Journalisten.
Sánchez wird einen Monat vor der vorgezogenen Parlamentswahl von der konservativen und rechtspopulistischen Opposition für das Unglück verantwortlich gemacht. »Korruption tötet«, die linke Regierung sei kriminell, sagte etwa der Chef der aufstrebenden rechtspopulistischen Partei Vox, Santiago Abascal.
In Madrid kam es vor dem Verkehrsministerium zu Ausschreitungen. Rechtsextreme Gruppen hatten nach dem Zugunglück zu einer Kundgebung aufgerufen. Dabei gerieten Teile der rund 1500 Demonstranten mit der Polizei aneinander, wie der Fernsehsender TVE berichtete. Die Beamten setzten schließlich Tränengas ein, um die Demonstration aufzulösen.
Der Protest richtete sich gegen die Regierung des sozialdemokratischen Sánchez und gegen dessen Verkehrsminister Óscar Puente: Die Demonstranten machen beide für das Zugunglück verantwortlich.
Polizisten vor dem Verkehrsministerium in Madrid
Foto:Juan Barbosa / REUTERS
Puente hatte menschliches Fehlverhalten als mögliche Erklärung angedeutet. Das Unglück sei auf eine »unerklärliche« und »falsche« Entscheidung der Bahnleitstelle zurückzuführen. Ob allerdings tatsächlich menschliches Fehlverhalten vorlag, müsse eine Untersuchung klären, sagte Puente (mehr hier).
Am Mittwochabend stand die Trauer im Mittelpunkt. Um 20 Uhr gedachten Menschen in ganz Spanien der Opfer mit einer Schweigeminute vor den Rathäusern. Die landesweiten Gedenkveranstaltungen fanden unter anderem auch in Madrid, Barcelona, Valencia und Saragossa statt.
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Am Donnerstag will die Lokführergewerkschaft Semaf streiken. Sie fordert Verbesserungen bei der Sicherheit. Der Streik war bereits am 16. Oktober und damit vor dem Unglück angekündigt worden.
aar/dpa
Source: Der Spiegel · DER SPIEGEL
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