Das openSUSE-Projekt hat Version 16.1 seiner Community-Distribution Leap veröffentlicht. Wichtigste Neuerung ist ein optionaler Immutable-Modus, durch den die bisher eigenständige Server-Variante Leap Micro direkt in der Hauptdistribution aufgeht. Obendrein umfasst das Update aktualisierte Desktop-Umgebungen wie KDE Plasma 6.6 und neuere Versionen zahlreicher Entwickler- und Virtualisierungswerkzeuge.
Wie das Projekt in der offiziellen Ankündigung zu openSUSE Leap 16.1 erklärt, deckt die Distribution durch die Zusammenführung nun klassische Desktops und Server ebenso ab wie Container-Hosts, Virtualisierungsumgebungen und Edge-Geräte. Bisher pflegte das Projekt mit Leap Micro ein separates Immutable-Betriebssystem. Das stellen die Entwickler mit dem neuen Release ein, ein Leap Micro 6.3 oder 7.0 wird es also nicht mehr geben. Überraschend kommt der Schritt nicht: Er zeichnete sich bereits beim Release Candidate von Leap 16.1 ab.
Anwender wählen den neuen Betriebsmodus direkt im regulären Image über den Installer Agama aus, der in Version 24 vorliegt. Im Immutable-Modus ist das Root-Dateisystem schreibgeschützt. Systemaktualisierungen laufen über das Werkzeug transactional-update atomar ab: Jedes Update erzeugt einen neuen Btrfs-Snapshot, der erst beim nächsten Neustart aktiv wird. Schlägt eine Aktualisierung fehl, lässt sich das System mit einem einzigen Befehl auf den vorherigen Zustand zurücksetzen. Zusätzliche Anwendungen können Nutzer über Container mit Podman oder Distrobox bereitstellen, auf dem Desktop auch über Flatpak.
Für Administratoren, die bisher auf die vorkonfigurierten System- und VM-Abbilder – Appliances genannt – von Leap Micro gesetzt haben, ändert sich im Arbeitsalltag wenig. Im Bereich für alternative Downloads auf get.opensuse.org stehen weiterhin spezialisierte Images bereit. Hier gibt es Images für KVM/Xen, Microsoft Hyper-V, VMware, Cloud-Umgebungen, die hyperkonvergente Infrastruktur-Software Harvester sowie ein voll verschlüsseltes Raw-Disk-Image und ein selbst installierendes USB-Image. Bestehende Installationen von Leap Micro 6.2 lassen sich über das openSUSE Migration tool auf Leap 16.1 im Immutable-Modus umstellen. Da die Entwickler diesen Migrationspfad noch als experimentell einstufen, raten sie vorab explizit zu einem Backup. Immutable-Installationen folgen künftig demselben Lebenszyklus und erhalten dieselben Wartungsupdates wie die übrigen Leap-Systeme.
Neue Pakete für Desktop, Server und Entwicklung
Beim Desktop gibt es vor allem für die KDE-Umgebung einen deutlichen Versionssprung: Leap 16.1 bietet Plasma 6.6 – statt Version 6.4 – auf Basis von Qt 6.11 und den KDE Frameworks 6.25. Auch das schlanke LXQt rückt von Version 2.2 auf 2.4 vor, während Xfce weiterhin in Version 4.20 mit experimenteller Wayland-Unterstützung an Bord ist. GNOME-Anwender verbleiben hingegen vorerst bei Version 48, die lediglich Bugfixes erhält. Wie schon in der Leap-15-Ära hebt sich das Projekt den großen Sprung bei GNOME für ein späteres Punkt-Release auf. Abgerundet wird das Paket durch LibreOffice 26.2 und GIMP 3.2.
Unter der Haube bleibt das Fundament aus Stabilitätsgründen unangetastet: Der Linux-Kernel 6.12, systemd 257 und die Standard-C-Bibliothek glibc 2.40 entsprechen dem Stand von Leap 16.0. Deutlich modernisiert wurden hingegen die Werkzeuge für Server- und Entwicklungs-Workloads. Für Virtualisierung und Container stehen nun QEMU 11.0, libvirt 12.4 und Podman 5.8 bereit. Softwareentwickler können neben dem Standard-Interpreter Python 3.13 nun auch Python 3.14 nutzen. Hinzu kommen die Compiler-Infrastruktur LLVM 21, PHP 8.5.12 sowie die Datenbanksysteme MariaDB 12.3 und PostgreSQL 18.
Wer im Detail prüfen möchte, welche Quellpakete sich gegenüber dem Vorgänger oder dem Rolling-Release-Zweig Tumbleweed geändert haben, findet dafür ein neues Werkzeug: Das Projekt hat ein webbasiertes Version Diff Tool veröffentlicht. Die Übersichtsseite vergleicht die Paketstände von Leap 16.0, 16.1 und Tumbleweed sowie die neuesten von Repology in Distributionen erfassten Versionen. Sie erlaubt den Datenexport als CSV oder JSON.
Enterprise-Unterbau
openSUSE Leap 16.1 ist entgegen der ursprünglichen Planung nicht zeitgleich mit seinem kommerziellen Unterbau SUSE Linux Enterprise Server (SLES) 16.1 erschienen. Der ursprünglich geplante gemeinsame Veröffentlichungstag sollte einen nahtlosen Fluss von Wartungsupdates ab dem ersten Tag gewährleisten. In einer nachträglichen Korrektur der Release-Mitteilung stellte das Projekt jedoch klar, dass der synchrone Start nicht gehalten werden konnte. Stattdessen wird SUSE sein SLES 16.1 voraussichtlich erst im weiteren Verlauf des Novembers veröffentlichen. An der vollständigen Quell- und Binärkompatibilität zu SLES ändert dies nichts: Workloads lassen sich weiterhin auf Leap entwickeln und später auf SLES produktiv setzen, auch eine direkte Migration von Leap zu SLES bleibt möglich.
(fo)
Source: Heise · Moritz Förster
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