Knapp zwei Wochen lang haben fast 200 Mitgliedstaaten bei der 17. Uno-Biodiversitätskonferenz COP17 in der armenischen Hauptstadt Eriwan verhandelt. Dabei stand die Frage im Mittelpunkt: Wie können die Staaten die selbstgesteckten Ziele beim Artenschutz trotz Rückschlägen einhalten?

Zum Ende der Konferenz sind Umweltschützer von vielen Kompromissen und Abschwächungen ernüchtert – aber sehen auch Positives. Die Naturschutzorganisation WWF etwa begrüßt als »wichtigstes Ergebnis«, »dass sich die Staaten auf einen Aktionsplan geeinigt haben, um die Umsetzung der selbstgesetzten Ziele bis 2030 zu beschleunigen.«

Verhandlungen waren zäh

Vor vier Jahren hatten sich die Staaten im Weltnaturvertrag auf 23 Ziele bis 2030 geeignet, mit denen sie die Artenvielfalt schützen und wiederherstellen wollen. Unter anderem sollen mindestens 30 Prozent der weltweiten Land- und Meeresflächen unter Schutz gestellt werden. Zudem sollen die Staaten umweltschädliche Subventionen, etwa für fossile Energieträger wie Erdöl, weltweit um mindestens 500 Milliarden Dollar verringern. In Eriwan wollte die Staatengemeinschaft nun eine erste Bilanz ziehen.

Aus einem kurz vor der Konferenz veröffentlichten Zwischenbericht ging hervor, dass die Ziele ohne mehr Tempo bei der Umsetzung nicht erreicht werden können. Die Bestandsaufnahme und Wege zu einer schnelleren Umsetzung standen im Fokus der knapp zweiwöchigen Verhandlungen.

Die Verhandlungen von Vertretern der Mitgliedstaaten erwiesen sich allerdings als zäh und dauerten länger als geplant. Nach der Einigung am Freitagabend brach Applaus im Plenarsaal aus, doch weitere Beratungen zogen sich noch bis in den Samstagmorgen. Die endgültigen Fassungen der angenommenen Texte lagen zunächst nicht vor.

Uno-Biodiversitätschefin Astrid Schomaker während einer Rede auf der Konferenz, 27. Oktober

Uno-Biodiversitätschefin Astrid Schomaker während einer Rede auf der Konferenz, 27. Oktober

Foto: AFP

»Rückenwind für kommende Klimaverhandlungen«

Von Umweltschützern und Politikern kam verhaltenes Lob, aber auch Kritik an den Beschlüssen. Die Einigung sei »nicht besonders aufregend oder detailliert«, sagte Catherine Weller von der Organisation Fauna & Flora der Nachrichtenagentur AFP. Dass die Staaten überhaupt eine Verständigung erzielt hätten, sei aber eine gute Nachricht.

Von Greenpeace hieß es, die Konferenz habe zwar einen Kurs festgelegt, wie der Weltnaturvertrag umgesetzt werden könne. Doch es fehle eine Antwort, die der im Zwischenbericht dargelegten Dringlichkeit gerecht werde.

Als Ergebnisse nannte die Organisation, dass schädliche Subventionen umgewidmet und mehr Geld für Naturschutz mobilisiert werden solle. Zudem sollen Klima- und Naturschutz besser verzahnt werden. Laut dem WWF gab es einen Kompromiss bei der Biodiversitätsfinanzierung, der kleine Schritte in Richtung künftiger Lösungen liefere.

»Die Beschlüsse der Weltnaturschutzkonferenz geben jetzt Rückenwind für die kommenden Klimaverhandlungen in Antalya und den Schutz der Hohen See«, sagte Jannes Stoppel von Greenpeace Deutschland. Er sieht in ihnen auch eine Aufforderung an Deutschland, die Ziele des Weltnaturabkommens mit mehr Einsatz umzusetzen. Für internationalen Naturschutz müsse mehr Geld zur Verfügung gestellt werden, »besonders auf direktem Wege für Indigene Gemeinschaften zum Beispiel im global wichtigen Amazonasgebiet«.

Ecuador soll nächstes Gastgeberland werden

Bundesumweltminister Carsten Schneider sagte: »Wir Europäer haben geschlossen und stark für die Natur verhandelt, aber es gab auch Bremser, die weniger Verantwortung übernehmen wollten, auch in finanziellen Fragen.« Der SPD-Politiker kündigte an: »Wir werden unser Engagement für den Ausbau von Schutzgebieten an Land und auf See fortsetzen.« Auch in Deutschland solle »planvoll die Wiederherstellung unserer Ökosysteme« angegangen werden.

Die Uno-Biodiversitätschefin Astrid Schomaker sagte, der Gipfel habe einige »ganz bemerkenswerte Dinge« erreicht, »in einem Moment, in dem der Multilateralismus angeblich nicht funktioniert«. Einigungen in allen Punkten habe sie nicht erwartet. »Das war nicht der Plan«, fügte sie hinzu.

Bei der Wahl des Gastgebers für die COP18 setzte sich Ecuador am frühen Samstagmorgen in geheimer Abstimmung mit 55 zu 53 Stimmen knapp gegen Panama durch. Das nächste Treffen soll 2028 in Quito stattfinden.

Zwar sind die Bestände vieler Tiere und Pflanzen dramatisch geschrumpft. Doch manche Arten haben sich dank gezieltem Naturschutz erholt. Lesen Sie hier  mehr dazu.

Source: Der Spiegel · DER SPIEGEL

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