1. Umweltminister Schneider: Audi wettet „auf ein totes Pferd“

Die zum Teil harsche Kritik am Auftritt von Audi-Chef Gernot Döllner auf einer Wahlkampfveranstaltung von Donald Trump in den USA reißt nicht ab. Dabei wurde fein unterschieden, denn die grundsätzliche Entscheidung, vor Ort zu investieren, hat durchaus Befürworter – zumal die direkte Konkurrenz schon seit vielen Jahren in den USA Autos herstellt. Die Idee, in den USA große SUVs mit Verbrennungsmotor bauen zu wollen, wird nun von Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) scharf kritisiert.

„Zukunftsfähigkeit dieser Entscheidung“

Schneider argumentiert dabei aus der Sicht des Ministeriums, das er leitet. „Während sich weite Teile der Welt aufmachen hin zur technisch überlegenen Elektromobilität, wettet Audi auf fossile Energien und damit auf ein totes Pferd“, sagte Schneider dem Kölner Stadt-Anzeiger. „Mal ganz abgesehen von den mehr als unappetitlichen Umständen dieser Verkündung, muss man auch Zweifel an der Zukunftsfähigkeit dieser Entscheidung haben.“

Audi-Chef Gernot Döllner war zusammen mit Donald Trump auf einer Wahlkampfbühne aufgetreten und hatte dort den Bau eines eigenen US-Werks im Bundesstaat Georgia mit rund 4500 Arbeitsplätzen angekündigt. Dabei ist noch nicht einmal gesichert, ob die Pläne umgesetzt werden. Das muss der Volkswagen-Aufsichtsrat entscheiden, in dem auch Arbeitnehmervertreter sitzen. Von dort kam, bei aller Kritik am Auftritt Döllners auf der Wahlkampfbühne, kein vehementes Veto gegen das geplante Werk.

In den USA will Audi SUVs bauen, unter anderem den Q9. Das aktuelle Modell wurde in diesem Jahr vorgestellt. Da die Produktion in den USA erst in den 2030er-Jahren anlaufen soll, könnte es dabei eventuell um den Nachfolger gehen. Gesicherte Informationen dazu gibt es nicht.

Kritik nach Auftritt mit Trump

Döllner steht von verschiedenen Seiten in der Kritik, sogar sein Rücktritt wurde bereits gefordert. Audi hat eigentlich interne Richtlinien, die öffentlichkeitswirksame Auftritte mit Politikern in den drei Monaten vor einer Wahl verbieten. In den USA stehen am 3. November die Zwischenwahlen an.

Mehrheit kritisch

Die Menschen in Deutschland sehen den Auftritt von Döllner mehrheitlich kritisch. In einer Umfrage von YouGov sagten 39 Prozent der Befragten, dass sie es „überhaupt nicht angemessen“ finden, dass Döllner dort den Bau eines Werks in den USA angekündigt hat. Weitere 18 Prozent finden es „eher nicht angemessen“. Das sind deutlich mehr als die Befürworter: 7 Prozent finden den Auftritt kurz vor den Zwischenwahlen in den USA „voll und ganz angemessen“, weitere 11 Prozent „eher angemessen“.

Audi ist derzeit stark unter Druck. Die Absätze und Erträge sind seit Jahren im Sinkflug, das Unternehmen hat bereits Stellen abgebaut und weiterer Jobabbau steht im Raum. Anders als die Konkurrenten BMW und Mercedes haben die Ingolstädter kein eigenes Werk in den USA. Trumps Zölle treffen sie also besonders hart. Das schlägt sich auch in den Absatzzahlen nieder: Im dritten Quartal sackten sie bei Audi nicht nur, wie bei allen deutschen Herstellern, in China ab, sondern auch in den USA. Wie sich das auf Gewinn und Umsatz ausgewirkt hat, ist noch nicht bekannt. Audi veröffentlicht diese Zahlen erst am 29. Oktober.

(mfz)

Source: Heise · Martin Franz, mit Material der dpa

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