Obwohl sich die Ozonschicht der Erde weiter erholt, gehörte das diesjährige Ozonloch bei seiner maximalen Ausdehnung am 18. September zu den größten seit Beginn der Messungen vor 48 Jahren. Das hat die US-Raumfahrtbehörde NASA gemeinsam mit der Wetter- und Ozeanbehörde NOAA jetzt mitgeteilt und erklärt, dass das Ozonloch an diesem Tag 27,1 Millionen Quadratkilometer groß gewesen sei. Im Mittel der Hauptsaison habe es 25 Millionen Quadratkilometer erreicht, das bedeute Rang 7 in der Liste der größten Ozonlöcher. Verantwortlich waren demnach Großwetterlagen, die die Bildung begünstigten. Gleichzeitig hätten Messungen aber auch ergeben, dass das diesjährige Ozonloch nicht so tief in die Atmosphäre herab reichte wie der bisherige Rekordhalter.
Besonders günstige Bedingungen fürs diesjährige Ozonloch
Als Ozonloch wird eine starke Ausdünnung der Ozonschicht in der Erdatmosphäre bezeichnet, die seit Jahrzehnten im Frühling über der Antarktis beobachtet wird. Entdeckt wurde das Phänomen 1985, als Ursache gerieten schnell Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) in Verdacht. Bald galt die Entwicklung als eines der drängendsten globalen Umweltprobleme. In einem Musterbeispiel für internationale Zusammenarbeit verpflichteten sich 1987 insgesamt 24 Staaten und die Europäische Gemeinschaft dazu, FCKW zu verbannen. Dieser Ausstieg gilt als weitestgehend abgeschlossen und als Erfolg. Seit Jahren wird das jährliche Ozonloch immer kleiner und bis in die 2070er-Jahre dürfte sich das Ozonloch über der Antarktis vollständig schließen.
Dass das Ozonloch über der Antarktis in diesem Jahr unerwartet groß ausgefallen ist, hat laut der NOAA daran gelegen, dass der antarktische Polarwirbel ungewöhnlich groß war. Der schaffe jene kalten Bedingungen, „unter denen Chlor und Brom aus vom Menschen hergestellten Verbindungen das stratosphärische Ozon abbauen können“. Planetarische Wettersysteme, die normalerweise helfen, diesen Wirbel aufzulösen, seien besonders schwach gewesen. Dadurch seien die stärksten Winde des Polarwirbels um mehrere Breitengrade weiter vom Südpol entfernt geblieben. Ideale Bedingungen für den Ozonabbau habe es so in einem besonders großen Gebiet gegeben. Das ändere aber nichts daran, dass sich die Ozonschicht erhole. Ohne die Maßnahmen wäre es in diesem Jahr um rund 3,5 Millionen Quadratkilometer größer ausgefallen.
Das erfolgreiche FCKW-Verbot hat nicht nur die Ozonschicht geschützt, sondern auch die Klimaerwärmung abgemildert, haben Forscherinnen und Forscher vor wenigen Jahren herausgefunden. Ohne die 1987 im Montrealer Protokoll beschlossenen Maßnahmen hätte sich demnach bis zum Ende des 21. Jahrhunderts Kohlenstoffdioxid (CO₂) in einer Menge von 165 bis 215 ppm (parts per million, also Millionstel) zusätzlich in der Erdatmosphäre gesammelt. Allein dadurch wäre die weltweite Durchschnittstemperatur um katastrophale 2,5 Grad Celsius zusätzlich angestiegen, hat das Team damals ermittelt. Bis zu den 2040er-Jahren wäre die Ozonschicht sogar ganz zusammengebrochen.
(mho)
Source: Heise · Martin Holland
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