Neuaufstellung in Nürnberg: Fabian Hinrichs wird jetzt von Rosalie Thomass unterstützt. Im ersten Fall geht es um Prostitution, Missbrauch und die Frage, weshalb eigentlich nicht eine Kollegin befördert wurde.

25.10.2026, 16.08 Uhr

Szene mit Rosalie Thomass (M.) und Fabian Hinrichs: Harter Fall, zarter Neuanfang Szene mit Rosalie Thomass (M.) und Fabian Hinrichs: Harter Fall, zarter Neuanfang

Szene mit Rosalie Thomass (M.) und Fabian Hinrichs: Harter Fall, zarter Neuanfang

Foto: Hendrik Heiden / BR

Das Szenario:

Vom Gottesgarten über das Stundenhotel auf den Obduktionstisch. In einer Absteige, in die sich Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter anonym über WhatsApp einmieten, wird die Leiche eines jungen Mannes mit Kehlenschnitt gefunden. Vor dem Tod sang er als Travestiekünstler eigene Lieder; zu seinen Freiern gehörten alte einsame Männer ebenso wie besoffene zynische Studenten. Felix Voss (Fabian Hinrichs), der Sensibilist mit Dienstausweis, erhält bei den Ermittlungen erstmals Unterstützung von der oberbayerischen Kollegin Emilia Rathgeber (Rosalie Thomass). In einer stillen Minute verrät Voss mit roten Bäckchen der Neuen, dass sein Lehrer auch mal als Travestiekünstler auftrat, und er das irgendwie schon erotisch fand. Im Elternhaus des Toten in der idyllischen Region Gottesgarten indes verschwieg man die Sexualität des Sohnes ebenso wie den Missbrauch, den er offenbar als Jugendlicher auf einer Party erfuhr.

Der Clou:

Harter Fall, zarter Neuanfang. Knapp zehn Jahre lang ermittelte Voss an der Seite der von Dagmar Manzel verkörperten Kommissarin Ringelhahn, mit der ihn eine Art platonische Liebe verband. Die Szenen der Annäherung an die neue Kollegin gehören zu den schönsten Momenten im Krimi, weil Vieles angedeutet bleibt und sich doch langsam eine Vertrautheit einspielt. Regisseur Dustin Loose hat zuvor unter anderem die bewegende, makellose Folge um eine trans Zeugin gedreht. Auch im neuen Franken-»Tatort« (Drehbuch: Constantin Lieb) gibt es intensive leise Momente. Die Provinz- und Partyszenen wirken indes überwiegend platt.

Eli Wasserscheid als Kommissarin Wanda Goldwasser: Elf Jahre und keine Beförderung

Eli Wasserscheid als Kommissarin Wanda Goldwasser: Elf Jahre und keine Beförderung

Foto: Clemens Baumeister / BR

Der Auftritt:

Eli Wasserscheid als Kommissarin Wanda Goldwasser. Wasserscheid absolvierte seit Start des Franken-»Tatort« 2015 cool ihren Dienst als Faktenzuträgerin im Hintergrund. Nachdem Manzel 2024 ausgeschieden war, durfte sich Wasserscheid Hoffnung machen, den freigewordenen Posten zu übernehmen. Doch den hat nun eben Rosalie Thomass bekommen. In einer Szene kommt der Revierleiter auf die übergangene Goldwasser zu und gibt zu, dass sie eigentlich mit der Beförderung an der Reihe gewesen wäre – nach »zehn Jahren«. »Elf!«, korrigiert Goldwasser. Und wendet sich dann wieder tapfer dem leidigen Computerkram zu. Märtyrerinnentum aus der zweiten Reihe.

Das Bild:

Druckkammer des Spießbürgertums. An der Wohnzimmerwand der hängen Hörner geschossener Tiere und Kreuze mit dem blutenden Jesus. Davor in Trachtenweste der Vater des queeren Mordopfers, der über sein eigenes Kind sagt: »Er tut so wie a Frau. Und wird ermordet. Selber Schuld, oder nid?«

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Der Song:

»Sentiment« von Better Person . Nachts an einer Tankstelle läuft dieser melancholisch in den Morgengrauen taumelnde Synthiesong.

Die Bewertung:

6 von 10 Punkten. Leise Annäherung ans Thema Prostitution und Missbrauch – mit einer leider viel zu theatralisch überdrehten Zuspitzung am Ende.

Die Folge davor:

Foto: HR

Source: Der Spiegel · Christian Buß

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