Wegen eines Fehlers des Bundesfinanzministeriums ist eine Erhöhung der Tabaksteuer mehrere Monate früher in Kraft getreten als beabsichtigt. Im Bundesgesetzblatt erschien das Tabaksteuergesetz am Dienstag mit dem Hinweis, dass es am Folgetag in Kraft tritt – also am Mittwoch.
Auf Nachfrage der Deutschen Presse-Agentur räumte das Bundesfinanzministerium allerdings ein, dass die höheren Steuersätze eigentlich erst zum 1. Januar 2027 in Kraft treten sollten: »Es ist ein technischer Fehler in Bezug auf das Datum des Inkrafttretens in den Unterlagen passiert.« Man habe eine Berichtigung angestoßen.
Für Raucher dürfte sich durch den Patzer und die folgende Korrektur laut Branchenbeobachtern nichts ändern. Laut dem nun in Kraft getretenen Gesetz müssen Tabakhersteller in Deutschland zwar weit mehr Steuern zahlen als zuvor. Das können sie aber nicht, solange die dafür nötigen Steuerzeichen nicht vorhanden sind. Das Bundesfinanzministerium bekräftigte zudem, dass die höheren Steuern erst ab Januar erhoben werden sollen. Darüber sei auch die zuständige Generalzolldirektion informiert worden.
Vertreter der Tabakbranche äußerten dennoch scharfe Kritik. »Die Bundesregierung muss jetzt sehr schnell Rechtssicherheit für die Fortführung der Produktion herstellen«, sagt Jan Mücke vom Bundesverband der Tabakwirtschaft und neuartiger Erzeugnisse (BVTE). Die schon jetzt in Geschäften vorhandenen Zigaretten könnten zwar noch abverkauft werden. Diese Bestände wären aber in wenigen Wochen aufgebraucht.
Mücke kritisierte, für die Korrektur sei eine Gesetzesänderung nötig, die der Bundesrat frühestens in einem Monat abschließen könne. »Wir begeben uns als Tabakbranche wochenlang in eine Grauzone, die von den Behörden toleriert werden soll.«
Als Abonnentin oder Abonnent von SPIEGEL+ haben Sie die Möglichkeit, manager+ zum Vorteilspreis dazuzubuchen. Darin enthalten sind alle Inhalte von manager magazin+ und Harvard Business manager+. Damit ist es das ideale Abo für alle, die tiefe Einblicke in die deutsche Wirtschaft, die Chefetagen großer Unternehmen und in die spannendsten Start-ups suchen. Jetzt flexibel upgraden: Sichern Sie sich manager+ für nur 2 Euro pro Woche!
Der frühere FDP-Bundespolitiker Mücke warf dem Finanzministerium zudem vor, es habe der Branche viel zu wenig Zeit gelassen, um zu dem Gesetzentwurf Stellung zu nehmen. Später hätten Finanz- und Gesundheitsministerium den Gesetzentwurf »in einer Art Hinterzimmerpolitik noch verschärft«, so der Lobbyist. »Dieses Gesetzgebungsverfahren ist rechtlich angreifbar und einer parlamentarischen Demokratie wirklich unwürdig.« Auch Maximilian van Ackeren vom Verband der deutschen Rauchtabakindustrie (VdR) warf dem Finanzministerium »Dilettantismus« vor.
Source: Der Spiegel · DER SPIEGEL
At a glance
- Topic
- World
- Country
- 🇩🇪 DE
- Publisher language
- DE
- Added to Allnira