Drei Tage nach dem schweren Zugunglück in Spanien hat die Gerichtsmedizin erst etwas mehr als der Hälfte der Todesopfer eindeutig identifiziert. Alle 69 geborgenen Leichen seien vom Gerichtsmedizinischen Institut in der Provinzhauptstadt Toledo südlich von Madrid obduziert worden, teilten die Behörden der Region Kastilien-La Mancha mit. In 36 Fällen sei die Identität inzwischen zweifelsfrei geklärt. Die Familien von 27 Todesopfern seien benachrichtigt worden, hieß es.

Die Behörden baten Angehörige der Vermissten, DNA-Proben zur Verfügung zu stellen, um die Identifizierung zu beschleunigen. Rund 50 Verwandte und Freunde von mutmaßlichen Opfern warteten unterdessen weiterhin in einem Betreuungszentrum in Toledo auf Nachrichten. Dort kümmern sich knapp 30 Psychologen um sie, wie die Zeitung »El País« und weitere Medien berichteten.

Bei dem Unglück waren am Mittwoch zwei Hochgeschwindigkeitszüge nahe der Gemeinde Urda in der Provinz Toledo rund 130 Kilometer südlich von Madrid zusammengestoßen. Ein Zug der staatlichen Bahngesellschaft Renfe war von hinten auf einen stehenden Zug des privaten Betreibers Iryo aufgefahren. Die Strecke zwischen Madrid und Andalusien bleibt in beide Richtungen gesperrt.

Der Ausfall des Zugsicherungssystems LZB und mögliche Fehlentscheidungen in der Bahnleitstelle Madrid stehen im Zentrum der Ermittlungen. Von Medien veröffentlichte Funkmitschnitte legen nahe, dass der Lokführer des Renfe-Zuges von einem Mitarbeiter der Leitstelle in Madrid angewiesen wurde, den normalen Betrieb wieder aufzunehmen, obwohl das LZB-System noch außer Betrieb war und der andere Zug auf der Strecke stand.

Source: Der Spiegel · DER SPIEGEL

At a glance

Topic
World
Country
🇩🇪 DE
Publisher language
DE
Added to Allnira