Die Bundeswehr hat zwischen 2023 und 2025 insgesamt 724 Fälle, bei denen Soldatinnen oder Soldaten wegen eines möglichen Verstoßes gegen die sexuelle Selbstbestimmung beschuldigt waren, an die jeweils zuständigen Staatsanwaltschaften abgegeben.

Sexuelles Fehlverhalten könne bereits unterhalb der Strafbarkeitsschwelle einen Verstoß gegen die soldatischen Pflichten darstellen und zu einem gerichtlichen Disziplinarverfahren führen, teilte eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) mit.

Die Sprecherin erklärte weiter, dass zwischen 2024 und 2026 insgesamt 452 Verfahren wegen sexuellen Fehlverhaltens durch die Bundeswehrdisziplinaranwaltschaft eingeleitet worden seien. Davon seien bis zum 4. November dieses Jahres 163 Verfahren rechtskräftig abgeschlossen worden – in 84 Fällen durch Einstellung.

Dabei würden bei der Bildung einer gerichtlichen Disziplinarmaßnahme sämtliche zum Zeitpunkt der Entscheidung nachgewiesenen Pflichtverletzungen herangezogen, fügte sie hinzu. Eine davon könne sexuelles Fehlverhalten sein.

Erschreckende Zahlen aus interner Befragung

Die Bundeswehr hat seit Jahren mit einer wachsenden Zahl von Meldungen über sexuelles Fehlverhalten zu tun. Zuletzt wurden davon nur die Skandale an den Standorten Zweibrücken (Rheinland-Pfalz) und Weißenfels (Sachsen-Anhalt) einer größeren Öffentlichkeit bekannt.

Das Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr hat infolge dieser Entwicklung eine Dunkelfeldstudie in Auftrag gegeben, um einen Gesamtüberblick über das Problem zu bekommen. Dabei wurden Soldatinnen zu ihren persönlichen Erfahrungen befragt, aber auch Soldaten.

Die Ergebnisse sind offenbar erschreckend. Nach SPIEGEL-Informationen sollen rund 70 Prozent der Frauen, die sich anonym an der Umfrage beteiligten, von sexualisiertem Fehlverhalten in ihrer Dienstzeit berichtet haben. An vielen Vorfällen sollen Vorgesetzte beteiligt gewesen sein.

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Auch viele Männer, in Bundeswehrkreisen ist von rund 30 Prozent die Rede, sollen in der Umfrage berichtet haben, dass sie Opfer wurden oder Fälle von sexualisiertem Fehlverhalten mitbekommen hätten.

Wegen der dramatischen Zahlen aus der internen Umfrage sollen sich Bundeswehrangehörige bei Fällen von sexualisiertem Fehlverhalten künftig an eine unabhängige Stelle wenden können.

Source: Der Spiegel · DER SPIEGEL

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