Er soll Teil der sadistischen Online-Szene gewesen sein, in der sich auch »White Tiger« bewegt haben soll: Ein junger Mann aus dem Landkreis Tuttlingen wurde am Montag verhaftet. Ihm wird zweifacher versuchter Mord vorgeworfen.
02.11.2026, 13.05 Uhr
Polizeieinsatz (Symbolbild)
Foto: Marijan Murat / dpaErmittler in Baden-Württemberg haben einen 19-Jährigen verhaftet, der im Internet eine aktive Sadisten-Gruppe aus dem sogenannten COM-Netzwerk gegründet haben und bis zuletzt in ihr aktiv gewesen sein soll. Das teilten das Cybercrime-Zentrum Baden-Württemberg (CCZ) und das Polizeipräsidium Konstanz mit. Spezialkräfte der Polizei nahmen den Mann aus dem Landkreis Tuttlingen demnach am Morgen aufgrund eines Haftbefehls fest. Er sitzt in Untersuchungshaft.
Gemeinsam mit weiteren Beteiligten soll er über Streamingdienste versucht haben, ein Kind sowie in einem weiteren Fall eine Jugendliche in den Suizid zu treiben. Es sei zu lebensbedrohlichen Handlungen der Opfer gekommen, weshalb ihm unter anderem versuchter Mord in zwei Fällen vorgeworfen wird. Die geschädigte Jugendliche hält sich nach Angaben der Behörden im Ausland auf. Das Kind sei bislang nicht identifiziert worden.
Der 19-Jährige soll zudem in drei weiteren Fällen Mädchen im Alter von 12 bis 15 Jahren zu selbstverletzenden Handlungen getrieben und ein 13-jähriges Mädchen aus Deutschland zur Übersendung von Nacktaufnahmen veranlasst haben. Zeitgleich mit der Festnahme durchsuchten Ermittler fünf Objekte und stellten elektronische Beweismittel sicher.
Gruppe sucht online gezielt nach Kindern
Das weltweite sogenannte 764- oder COM-Netzwerk war in den vergangenen Monaten wiederholt durch Fälle von Onlinesadismus aufgefallen. Dazu gehört ein junger Mann mit dem Szenenamen »White Tiger«, der seit Januar in Hamburg unter anderem wegen Mordes und versuchten Mordes vor Gericht steht. Auch er soll Jugendliche zu Gewalt gegen sich bis hin zum Suizid gedrängt haben.
Mitglieder des Sadistennetzwerks suchen nach Behördenangaben unter anderem auf Computerspielplattformen und in sozialen Netzwerken nach psychisch labilen Kindern und Jugendlichen. Die Opfer würden systematisch manipuliert und immer weiter unter Druck gesetzt, sich vor laufender Kamera selbst zu verletzen oder sexuelle Handlungen an sich vorzunehmen.
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Im Oktober hatten Ermittler in Hamburg nach dem Suizid einer 14-Jährigen in den USA einen mutmaßlichen jugendlichen Onlinesadisten festgenommen. Laut Staatsanwaltschaft soll der zur Tatzeit 17-Jährige über ein soziales Netzwerk in Kontakt mit der psychisch labilen 14-Jährigen gestanden und sie zu selbstverletzendem Verhalten gedrängt haben. Dabei ließ er sich Videoaufnahmen schicken. Wenige Tage später nahm sich die Jugendliche das Leben.
luc/AFP/dpa
Source: Der Spiegel · DER SPIEGEL
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