In der Ukraine ist eine Notfall-App, die zum Beispiel Warnungen vor Luftangriffen auf Smartphones versendet, nach offiziellen Angaben gehackt worden. Gewarnt wurde am späten Sonntagabend unter anderem vor radioaktiver Strahlung in der Hauptstadt Kyjiw, obwohl es keinen solchen Notfall gab.

Die Bürgerinnen und Bürger wurden von den Behörden aufgefordert, nicht auf Links in der Warn-App zu klicken. Die ​fehlerhaften Anzeigen ‌verschwanden kurze Zeit später wieder. Die App sei vorübergehend außer Betrieb, hieß es von offizieller Seite. Andere Warnsysteme für die Bevölkerung sowie die ‌Luftschutzsirenen funktionierten jedoch weiterhin.

Kurz nach den Berichten aus der Ukraine meldete dann Russland einen massiven Cyberangriff auf seine Warn-App, wie die staatliche Nachrichtenagentur Tass unter Berufung auf das Zivilschutzministerium berichtete. Es sei den Angreifern gelungen, Falschinformationen an die Bevölkerung zu versenden, hieß es weiter. Die russische Behörde machte demnach keine Angaben dazu, wen sie hinter dem Angriff vermutete. Die Website des Ministeriums für Warnungen war in der Nacht zunächst zeitweise nicht erreichbar.

Ob die Hackerangriffe auf die ukrainische und die russische App in ​Zusammenhang stehen, ⁠ist bisher unklar. Die zeitliche Abfolge der Ereignisse ließ zumindest die Vermutung zu, dass es sich nach der Attacke auf das ukrainische System um einen Gegenangriff Kyjiws gehandelt haben könnte.

Lokaler Waffenstillstand endet

Russland führt seit mehr als viereinhalb Jahren einen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Luftangriffe – und die nötigen regionalen Warnungen davor – sind für die Menschen im Land längst Alltag. Bei größeren Angriffen auf Kyjiw suchen Menschen häufig in den Stationen der U-Bahn Schutz.

Am Sonntag war eine sechstägige Feuerpause in der russisch besetzten Stadt Oleschky und Umgebung geendet. Das ukrainische Militär evakuierte kurz zuvor 167 Menschen aus bedrohten Gebieten der südlichen Region Cherson (mehr hier).

Die lokale Waffenruhe, die am Dienstag begann und von ⁠beiden Kriegsparteien eingehalten ⁠wurde, war nach Vermittlungsbemühungen von US-First Lady Melania Trump und unter Beteiligung von Papst Leo zustande gekommen. Es handelte sich um die längste lokale Unterbrechung der Kämpfe seit Beginn ‌der russischen Großinvasion im Februar 2022.

Source: Der Spiegel · DER SPIEGEL

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