Óscar Puente

Stand: 03.11.2026 • 21:58 Uhr

Zwei schwere Zugunglücke haben Spanien in diesem Jahr erschüttert. Nun zieht Verkehrsminister Puente die politischen Konsequenzen. Außerdem beschloss die Regierung neue Maßnahmen, um die Sicherheit zu verbessern.

Sechs Tage nach dem schweren Zugunglück mit 69 Toten hat Spaniens Verkehrsminister Óscar Puente seinen Rücktritt angekündigt. Nach zwei Unfällen innerhalb eines Jahres könne ein Verkehrsminister in Spanien nicht im Amt bleiben, sagte er in einer Anhörung im Kongress. Er habe Ministerpräsident Pedro Sánchez erst wenige Minuten vorher über seine Entscheidung informiert und werde auch nicht mehr bei der kommenden Wahl antreten.

Puente erinnerte daran, dass seine Regierung ein 780 Millionen Euro schweres Modernisierungsprogramm für die Bahn aufgelegt habe. Zudem bekräftigte er seine Zweifel an der Entscheidung der Leitstelle vor dem jüngsten Zugunglück, wie die Zeitung El País berichtet.

Für die überraschende Rücktrittsankündigung wurde Puente im Anschluss sowohl von Vertretern seiner sozialistischen Partei als auch von Abgeordneten anderer Parteien gelobt. Puente war Ende 2023 von als Verkehrsminister vereidigt worden.

Regierung beschließt neue Sicherheitsmaßnahmen

Zwei Hochgeschwindigkeitszüge waren am Mittwoch vergangener Woche nahe der Gemeinde Urda südlich von Madrid zusammengestoßen. Ein Zug der staatlichen Bahngesellschaft Renfe fuhr von hinten auf einen stehenden Zug des privaten Betreibers Iryo auf. Es war das zweite schwere Zugunglück innerhalb von nur neun Monaten in Spanien - im Januar waren bei einem Zusammenstoß zweier Hochgeschwindigkeitszüge in Adamuz in Andalusien 46 Menschen ums Leben gekommen.

Die spanische Regierung beschloss am Dienstag Maßnahmen zur Verbesserung der Sicherheit im Bahnverkehr und billigte ein Hilfspaket in Höhe von 30 Millionen Euro für Opfer und Angehörige des jüngsten Zugunglücks.

Zugsicherungssystem und Kontrollzentrum im Fokus

Während im Fall von Adamuz u. a. ein Gleisbruch als Ursache gilt, konzentrieren sich die Ermittlungen zum Unglück in Urda vor allem auf den Ausfall des Zugsicherungssystems LZB und mögliche Fehler im Kontrollzentrum des Netzbetreibers Adif. Bisherigen Erkenntnissen zufolge soll ein Mitarbeiter nach einem Ausfall des Leitsystems falsche Anweisungen gegeben haben.

Die Zahl der Züge zwischen Madrid und Sevilla soll der Regierung zufolge so lange reduziert werden, bis dort das neue europäische Zugsicherungssystem ERTMS in Betrieb geht. Fällt das bisherige LZB-System aus, muss zudem künftig ein zweiter Mitarbeiter im Kontrollzentrum die Anweisungen an die Lokführer überprüfen und bestätigen. Damit soll verhindert werden, dass Züge trotz unklarer Streckenverhältnisse weiterfahren.

Darüber hinaus sollen die Personalstärke in den Kontrollzentren erhöht und die Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter verbessert werden. Die Regierung beschloss auch Preisobergrenzen für alternative Verkehrsmittel während der Sperrung der Unfallstrecke, um überhöhte Kosten für Reisende zu verhindern.

Alle Todesopfer identifiziert

Das Hilfspaket umfasst direkte staatliche Hilfen, Vorschüsse auf spätere Entschädigungszahlungen und eine Verdoppelung der Leistungen aus der gesetzlichen Fahrgastversicherung. Opfer und ihre Angehörigen sollen über eigens eingerichtete Anlaufstellen betreut werden. Für Verletzte ist zudem eine besondere Regelung zur vorübergehenden Arbeitsunfähigkeit vorgesehen.

Alle 69 Todesopfer des Unglücks - 40 Männer und 29 Frauen - wurden inzwischen identifiziert, wie die Behörden mitteilten. 37 der insgesamt rund 200 Verletzte werden noch in Krankenhäusern behandelt.

Source: Tagesschau · tagesschau.de

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