Der französische Schriftsteller Philippe Jaenada hat sich am Tag nach seiner Auszeichnung mit dem renommierten Goncourt-Literaturpreis zu einer begrenzten Nutzung von KI bekannt: »Ich habe einen Satz von ChatGPT im Buch versteckt, um mit den Lesern zu spielen«, sagte Jaenada am Mittwoch dem Sender France Inter. Den Satz habe er den neun Juroren des Goncourt-Preises nach seiner Auszeichnung verraten. »Wenn es rauskommt, weiß ich, wer es ausgeplaudert hat«, sagte er scherzend.

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Ein weiteres Mal habe er ChatGPT genutzt, um sich über die teils absurden Antworten des interaktiven KI-Systems lustig zu machen. Und schließlich habe er es auch für seine Recherchen genutzt, sagte Jaenada. »Wir können nicht so tun, als ob es KI nicht gäbe«, betonte er. »Man muss sie nutzen, man muss sich vertraut machen«, sagte er. Sie solle Schriftsteller nicht ersetzen, aber »nützlich sein«. »Ich hoffe, dass sie in meinem Buch auf die eine oder andere Weise nützlich ist, sei es zum Spaß oder auf ernstere Art«, fügte er hinzu.

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Seine Kommentare stehen im Kontext einer heftigen Debatte über die Nutzung von KI durch Schriftsteller, nachdem ein Favorit für den Literaturpreis nach Vorwürfen des intensiven KI-Gebrauchs aus der Vorauswahl gestrichen wurde. Der haitianisch-kanadische Autor Thélyson Orélien hatte zunächst Vorwürfe  zurückgewiesen, sein Roman über die Geschichte eines Migranten sei zu großen Teilen von KI gefertigt. Er räumte – ähnlich wie nun Jaenada – ein, dass er KI zum Übersetzen und zum Recherchieren genutzt habe. »Kein Satz des Buchs wurde von einer Maschine erschaffen«, versicherte Orélien.

Sein kanadischer Verlag trennte sich im Oktober von Orélien mit dem Argument, dass neue Analysen ergeben hätten, dass der Autor KI auch beim Schreibprozess genutzt habe. Das Ausmaß der KI-Nutzung lasse sich jedoch nicht feststellen, erklärte der Verlag. Oréliens Buch »C'était ça ou mourir« (auf Deutsch in etwa: »Es war entweder das – oder sterben«) hatte zuvor bei Kritikern Begeisterung ausgelöst und war zu einem Bestseller geworden.

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Auch über den französischen Sprachraum hinaus hat das Thema KI und Literatur bereits Wellen geschlagen: Im Mai sprach die Literaturnobelpreisträgerin Olga Tokarczuk freimütig davon , dass sie künstliche Intelligenz nutze. Als es daraufhin in der Buchbranche rumorte, schränkte sie ein, KI als Recherchewerkzeug zu nutzen, keiner ihrer Texte mithilfe künstlicher Intelligenz geschrieben worden. (»Darf die Dichterseele eine Maschinenleistung sein?« Lesen Sie hier  grundsätzliche Überlegungen zu KI und Literatur)

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Goncourt-Preisträger Jaenada erzählt in seinem Roman »L'Inconnue du Quai Javel« (Die Unbekannte vom Quai Javel) die Geschichte eines jungen Models, das 1949 in Paris ermordet worden war. Der 62-Jährige ist für seine hartnäckigen Archivrecherchen zu historischen Kriminalfällen bekannt.

Source: Der Spiegel · DER SPIEGEL

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