Papst Leo XIV.

Papst Leo XIV. in Südamerika Zu Gast nicht nur bei Freunden

Stand: 07.11.2026 • 02:50 Uhr

Drei Länder in elf Tagen: In Uruguay beginnt Papst Leo XIV. heute seine Südamerika-Reise. Auf ihn warten auch die Heimat seines Vorgängers und ein Wiedersehen mit der eigenen Vergangenheit.

Anne Herrberg

Hoch zu Ross, mit der typischen Gaucho-Mütze auf dem Kopf und ihren Kindern mit im Sattel - so ziehen sie über die sanften Hügel und sattgrünen Weiden der Pampa: Wie jedes Jahr Anfang November begeben sich Gläubige aus Uruguays Hinterland auf einen Pilgerritt zu Ehren der Heiligen Jungfrau der Dreiunddreißig, Uruguays Schutzpatronin.

"Es geht auch darum, unsere Kultur zu pflegen - beim Miteinander, beim Lagerfeuer, beim gemeinsamen Weg den Glauben neu zu entdecken", sagt Padre Leonardo Risso, der die Wallfahrt zu Pferde organisiert. "Wir sind ein kleines Land, in dem nur eine Minderheit gläubig und praktizierend ist. Die katholische Kirche ist hier eine Minderheit."

Ein Grund: Kirche und Staat wurden in Uruguay bereits im frühen 20. Jahrhundert klar getrennt. Weihnachten heißt hier "Familientag", Ostern "Reisewoche". Umso mehr freut sich Gaucho-Padre Risso, dass er zum Abschluss der Wallfahrt bei der Messe in der Basilika von Florida einen besonderen Gast begrüßen darf: Papst Leo XIV., der in Uruguay seine elftägige Südamerika-Reise startet. "Ich finde es gut, dass er seine Reise hier beginnt - in einem Land, das einen Impuls braucht", sagt Risso. "Es ist wie eine Botschaft der Freude, die hier alle brauchen."

Ein diplomatisch heikler Besuch in Argentinien

Der Auftakt im laizistischsten Staat Lateinamerikas dürfte der einfachste Besuch für das Kirchenoberhaupt werden. Im Anschluss reist er nach Argentinien, das Heimatland seines Vorgängers Franziskus. Der hatte Argentinien aber trotz zahlreicher Einladungen nie als Papst besucht - wohl auch, weil er vermeiden wollte, dass seine Anwesenheit in einem polarisierten Land politisch vereinnahmt werde.

Bei seinen Landsleuten sorgte das für Frust, umso größer nun die Erwartungen. Denn Papst Leo besucht Argentinien in einem Moment, in dem die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinandergeht. Der radikale Sparkurs des libertären Präsidenten Javier Milei hat viele Menschen gesellschaftlich an den Rand gedrängt. Der Besuch von Leo, der wie Franziskus für eine Kirche an der Seite der Armen steht, ist für Milei diplomatisch heikel, glaubt der Kirchenexperte und Anthropologe Pablo Sernan:

Für die Regierung ist dieser Besuch nicht gerade angenehm. Es handelt sich um einen Papst, der soziale Gerechtigkeit predigt - während der Präsident soziale Gerechtigkeit für eine Abartigkeit hält. Ein Aufeinanderprallen gegensätzlicher Grundannahmen ist unvermeidlich.

Eine Art Heimkehr nach Peru

In Peru, der letzten Station seiner Reise, trifft der Papst auf eine stark polarisierte Gesellschaft, wie der nur hauchdünne Wahlsieg von Präsidentin Keiko Fujimori gezeigt hat. Gleichzeitig ist es für ihn ein Heimkehren: Fast 21 Jahren war Robert Francis Prevost, wie der Papst mit bürgerlichem Namen heißt, in Peru als Missionar und Bischof von Chiclayo tätig

Für die Peruaner ist er schlichtweg "ihr" Papst. Das Land sei wie auf Dopamin, umso mehr noch die Menschen in Chiclayo, seiner einstigen Wirkungsstätte, sagt die Journalistin Pau Ugaz. Trotzdem sei es auch in Peru kein einfacher Besuch:

Man will keine Unruhe, alles soll friedlich bleiben. Das ist es, was der konservative Flügel vermitteln möchte: ein politisch stabiles Peru, in dem es keinerlei Probleme gibt. Alles soll sozusagen im 'Papst-Modus' ablaufen, in einer Art 'Dopamin-Modus'. Doch das spiegelt die Persönlichkeit von León XIV. keineswegs wider, oder?

Gespräche mit Missbrauchsopfern angekündigt

Der Papst hat sich in seiner Zeit als Bischof für soziale Verantwortung in einem Staat eingesetzt, der für viele Menschen kaum präsent ist: Er arbeitete mit Migranten, unterstützte bei Naturkatastrophen und stellte sich hinter Journalisten wie Ugaz, die zu kirchliche Machtstrukturen und Missbrauch recherchierten. Auch für diese Reise sind Gespräche mit Missbrauchsopfern angekündigt - und Treffen mit Indigenen aus abgelegenen Amazonas-Gebieten.

Von der Pampa über die Anden bis an den Pazifik: So unterschiedlich die Stationen in Südamerika sein mögen, sie verbindet die Hoffnung, der Pontifex möge als Brückenbauer einen Beitrag leisten, um Gräben und gesellschaftliche Spaltungen zu überwinden.

Source: Tagesschau · Anne Herrberg

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