Der Kanzler ist heute zu Gast beim CSU-Parteitag. Da gehört es dazu, die gute Beziehung zwischen CDU und CSU zu betonen. Doch wenn sich Friedrich Merz die Rede von Markus Söder gestern angehört hat, werden ihm die vielen Spitzen nicht entgangen sein, die der CSU-Chef Richtung Berlin abfeuerte.

Söder wies darauf hin, dass die Umfragewerte der CSU in Bayern deutlich höher sind als die der Union im Bund. »Vielleicht sind wir tatsächlich der stärkste Teil der Union«, rief er. Steuererhöhungen, Schulden, Streit – all das passt ihm bei der Bundesregierung nicht. »Zusammenreißen, Arbeit machen und Erfolge haben« – darauf komme es jetzt an.

CSU-Chef Söder auf Parteitag: »Vielleicht sind wir tatsächlich der stärkste Teil der Union«

CSU-Chef Söder auf Parteitag: »Vielleicht sind wir tatsächlich der stärkste Teil der Union«

Foto: Wolfgang Maria Weber / IMAGO

Am interessantesten aber war Söders Botschaft zum Schluss. Er stellte sich demonstrativ hinter seine Parteifreundin Ilse Aigner als Bundespräsidentin. Kurz zuvor hieß es aus CDU-Kreisen, die CDU müsse den Anspruch haben, eine eigene Kandidatin, einen eigenen Kandidaten zu präsentieren. Der Applaus der Christsozialen für Söder war laut. »Macht das morgen noch mal bei Friedrich Merz«, empfahl er.

Meine Kollegin Maria Fiedler aus dem SPIEGEL-Hauptstadtbüro schätzt die Lage für den Kanzler so ein: »Wenn Merz klug ist, verzichtet er darauf, in seiner Rede länger auf Aigner einzugehen oder eine Konfrontation auf offener Bühne zu suchen.«

Proteste werden in Frankreich heute sowieso wieder erwartet. Und die Regierung von Präsident Emmanuel Macron hat schon angekündigt, dass sie hart einschreiten werde gegen jeden Exzess. Doch in Frankreich ballen sich in diesem Herbst die Konflikte.

»Ein halbes Jahr vor der Präsidentschaftswahl ist Frankreich gesellschaftlich und politisch zerrissen wie wohl noch nie seit der 68er-Revolution«, sagt mein Kollege Leo Klimm, Frankreich-Korrespondent des SPIEGEL.

Rechts-außen-Politikerin Le Pen: Ausgerechnet Orléans

Rechts-außen-Politikerin Le Pen: Ausgerechnet Orléans

Foto: Stephane De Sakutin / AFP

Denn zu den landesweiten Protesten kommt ein weiterer Konflikt hinzu: In der Provinzstadt Orléans treffen sich am Wochenende 10.000 Anhänger von Marine Le Pen, um die Rechtsaußen-Politikerin auf einem Parteitag zu feiern. Und es werden auch Zehntausende Gegendemonstranten erwartet.

Orléans ist die Stadt von Jeanne d'Arc, der französischen Nationalheldin, die 1429 mit ihren Truppen die Engländer aus der Gegend um Orléans vertrieben hat. Damals war es ein Kampf von innen nach außen, Franzosen gegen Engländer. Heute bekämpft Frankreich vor allem sich selbst.

Mal sehen, wie die Welt Anfang November aussehen wird. In der Zwischenzeit stehen wichtige Abstimmungen an: Die Stichwahlen für die Präsidentschaft sowie für wichtige Gouverneursämter in Brasilien an diesem Sonntag. Ebenfalls Sonntag finden Parlamentswahlen in Serbien statt. Bulgarien stimmt am selben Tag über die Präsidentschaft ab. Israel hat für den 27. Oktober die Wahl zur Knesset angesetzt. Und am 3. November 2026 kommen dann die US-Midterms.

Bleiben wir heute erst mal in Serbien, denn für Deutschland wird es geradezu täglich wichtiger, wie es um Europa steht. Die USA als Verbündete werden immer unzuverlässiger und Russland wird immer bedrohlicher.

Serbiens langjähriger Machthaber Vučić: Möchte Ämter tauschen

Serbiens langjähriger Machthaber Vučić: Möchte Ämter tauschen

Foto: Oliver Bunic/ AFP

Serbien steckt jetzt schon lang im Beitrittsverfahren zur EU fest. Das Land hat sich schlechter entwickelt, als Brüssel zu Beginn des Verfahrens erwartet hatte. Auf dem Korruptionsindex von Transparency International ist Serbien 2025 auf den 116. Platz von 182 Ländern abgerutscht – in Europa war die Lage nur in Russland, Belarus und in der Türkei schlechter.

Verantwortlich dafür ist der langjährige Machthaber Aleksandar Vučić. Er war bis vor Kurzem Staatspräsident. Weil er als solcher nach zwei Amtszeiten nicht mehr kandidieren darf, zielt er jetzt auf einen Ämtertausch: Er würde bei einem Sieg seiner rechtspopulistischen Serbischen Fortschrittspartei (SNS) neuer Ministerpräsident werden.

Im Land formiert sich nun schon seit knapp zwei Jahren deutlicher Widerstand gegen Vučić und seine Partei. Mein Kollege Jörg Schindler war gerade in Serbien und hat einen Stimmungsbericht mitgebracht: Dem Regime, so schreibt er, sei diesmal ein Gegner erwachsen, der aus den Fehlern früherer Protestbewegungen gelernt habe.

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Gewinner des Tages…

…ist der US-Musiker Stevie Wonder.

Deutschlandbesucher Wonder: Triumph des Menschlichen

Deutschlandbesucher Wonder: Triumph des Menschlichen

Foto: epa Renee Hannans / dpa

Er gibt heute in Hannover sein erstes von zwei Deutschlandkonzerten zum 50-jährigen Jubiläum seines Albums »Songs For The Key of Life«. Wonder wird dabei alle darauf versammelten Lieder singen.

Ich habe gestern ins Album reingehört und alte Bekannte wiedergetroffen: den Song »Love’s in Need of Love Today« und »Isn’t She Lovely«. Dann habe ich an die künstliche Intelligenz gedacht und daran, dass sie eine Stimme wie die von Wonder von sich aus nie erfinden würde. Denn im eigentlichen Sinne schön klingt diese Stimme nicht. Dafür aber so freundlich, so eigen, so weit weg von virtuellen Imitationen, dass sie sich heute anhört wie ein Triumph des Menschlichen.

Die jüngsten Meldungen aus der Nacht

  • Israel startet »Anti-Terror-Operation« im Westjordanland: Seit dem Abend geht Israels Armee eigenen Angaben zufolge gegen Terroristen im Westjordanland vor. Damit reagiere man auf den Angriff vom Morgen, heißt es. Am Dienstag wird in Israel gewählt.

  • Bremens Bürgermeister warnt vor Extremismusklausel im Länderfinanzausgleich: Weniger Geld, weil AfD oder Linke ein Bundesland regieren? Andreas Bovenschulte kann den CSU-Vorschlag nicht nachvollziehen: »Das wäre reine Willkür.«

  • Brand in einstigem Nazi-Berghaus am Obersalzberg: Errichtet wurde das Gebäude im damaligen »Führersperrgebiet« in Berchtesgaden. In der Nacht stand das Kehlsteinhaus auf 1834 Metern Höhe in Flammen. Nach ersten Erkenntnissen war niemand in dem heutigen Gasthof.

Heute bei SPIEGEL Extra: Mit diesen 23 Tipps wird Ihr Urlaub mit Freunden schön und nicht schrecklich

[M] Undine Meinke / DER SPIEGEL; Foto: Lubitz + Dorner / plainpicture

Sie wollen mit Freunden verreisen? Das kann grandios werden, aber auch ruckelig. Hier sind Fallstricke und Freuden von A bis Z – und eine Hilfe, wenn der Gruppenhonk nervt.

Ich wünsche Ihnen einen guten Start in den Tag.

Ihre Susanne Beyer, Autorin der Chefredaktion

Source: Der Spiegel · Susanne Beyer

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