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Ursula von der Leyen wollte ihren Verhandlungspartnern in Montreal eine assoziierte EU-Mitgliedschaft anbieten, aber, halten Sie sich fest, es war leider Kanada. Bitte verzeihen Sie den kleinen Flachwitz, er hat immerhin einen realen Hintergrund: Denn ähnlich flach fällt heute die Abschlusserklärung des EU-Kanada-Gipfels aus, auf dem von der Leyen eigentlich ihre vollmundige Ankündigung vom September vorantreiben wollte, Kanada zum assoziierten EU-Mitglied zu machen (mehr dazu hier).

Wobei niemand so genau sagen konnte, was das eigentlich konkret bedeuten sollte. In der Abschlusserklärung soll jetzt nur noch von einer »Allianz für die Zukunft« die Rede sein.

EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen in Montreal (29. Oktober 2026)

EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen in Montreal (29. Oktober 2026)

Foto: Graham Hughes / EPA

Über den Grund dafür berichten meine Kollegen Timo Lehmann und Benedikt Müller-Arnold: Von der Leyens Vorschlag stieß auf den Widerstand von Friedrich Merz. Der hatte nämlich zuvor eigene Assoziationspläne für die Ukraine geäußert (mehr dazu hier), das allein wäre schon kompliziert genug. Und dann auch noch ein Sonderstatus für ein zweites Land, unter vollkommen anderen Voraussetzungen? Der Vorstoß der umtriebigen EU-Kommissionschefin passte nicht zu Merz’ Agenda.

Kritiker werfen von der Leyen nun vor, dass sie sich nicht ausreichend mit den EU-Mitgliedstaaten abgestimmt habe. Und sie bemängeln, dass in Europa über Begriffe gestritten wird, statt die Partnerschaft mit Kanada auf den Weg zu bringen. So wird eine hoffnungsvolle Idee zum traurigen Witz.

In den USA stehen die Midterms bevor, die wichtigen Zwischenwahlen. Während wir darauf warten, dass die Amerikaner Donald Trump zur lahmen Ente ohne Mehrheit in Repräsentantenhaus und Senat wählen, vertreiben wir uns die Zeit mit einem unterhaltsamen Blick auf die US-Politik. Und wohl kaum jemand spricht farbenfroher als Anthony Scaramucci.

»The Mooch«, der Schnorrer, wie er auch genannt wird, war in der ersten Amtszeit Trumps einmal für elf Tage der Kommunikationschef des Weißen Hauses. Er hat es sich in dieser Zeit aber so rapide mit den anderen Getreuen des Präsidenten verdorben, dass Trump ihn schnell fallen ließ (mehr dazu hier). Seither ist Scaramucci immer gut für ein saftiges Zitat gegen seinen Ex-Chef.

Ex-Trump-Sprecher Anthony Scaramucci

Ex-Trump-Sprecher Anthony Scaramucci

Foto:

Jose Sarmento Matos / Bloomberg / Getty Images

Hier ein paar Kostproben des Gesprächs, das meine Kollegin Britta Kollenbroich und mein Kollege Maximilian Popp mit Scaramucci geführt haben: Wie erklärt er sich Trumps Nähe zu Putin? »Wenn du das Fenster öffnest und das Klappern von Hufen hörst, dann ist es ein Pferd und kein Zebra. Was Trump tut, kann man nicht ohne Grund tun. Putin hat ihn wahrscheinlich unter Druck gesetzt.«

Könnte JD Vance Trump beerben? »Er hat kein Charisma. Diese Sonnenbrille in meiner Tasche hat mehr Charisma.« Kann Trump die Stimmung vor den Wahlen noch drehen? »Wir wissen, dass Trump bei Wahlen besser abschneidet als in Umfragen.« Ob die Einschätzungen Scaramuccis mehr Gewicht haben als seine Sonnenbrille? Nächste Woche wissen wir mehr.

Als die Schneiderin Sümer Hanım am Gleis 11 auf dem Münchner Hauptbahnhof aus dem Zug stieg, hatte sie eine 50 Stunden lange Fahrt von Istanbul nach München hinter sich. Ihre beiden kleinen Töchter musste die geschiedene 30-Jährige zunächst in der Türkei zurücklassen, sie wollte sie möglichst bald nachholen. Jetzt aber machte sie sich erst einmal auf die Suche nach einem neuen Leben in einem fremden Land. Gefragt, ob sie Deutsch spreche, antwortete sie mit den einzigen Wörtern, die sie damals kannte: »Kartoffel. Ich liebe Dich!«

Autorin Gün Tank

Autorin Gün Tank

Foto: Marlena Waldthausen / DER SPIEGEL

Diese Geschichte steht auf einer Tafel am Münchner Hauptbahnhof. Angebracht wurde sie zum Gedenken an das deutsch-türkische Anwerbeabkommen aus dem Jahr 1961. Die Bundesrepublik brauchte Arbeitskräfte, und es kamen Menschen.

Heute, am 65. Jahrestag der Unterzeichnung des Abkommens, leben rund 2,6 Millionen Menschen mit türkischer Einwanderungsgeschichte in Deutschland – also solche, die entweder selbst eingewandert sind oder deren beide Eltern aus der Türkei kamen. Längst sind das keine sogenannten Gastarbeiter mehr, sondern Kolleginnen und Kollegen, Nachbarn und Freunde, die ganz selbstverständlich dazugehören.

Im Interview mit meiner Kollegin Fiona Ehlers erinnert die Autorin Gün Tank vor allem an die mutigen Frauen, die sich damals auf den Weg nach Deutschland gemacht haben: »Angeworben wurden sie als billige und fingerfertige Arbeitskräfte, man hielt sie für leicht lenkbar. Doch bald begannen sie, für ihre Rechte zu kämpfen, organisierten sich und streikten für gleichen Lohn. Diese Haltung beeindruckt mich noch heute.«

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Verlierer des Tages …

Sir Patrick Stewart (1940 – 2026)

Sir Patrick Stewart (1940 – 2026)

Foto: Paul Buck / EPA

… sind heute die Star Trek-Fans dieser Welt, denn sie haben ihren weisen Captain Jean-Luc Picard verloren: Gestern Abend wurde bekannt, dass der britische Schauspieler Sir Patrick Stewart am Mittwoch im Alter von 86 Jahren gestorben ist.

Die jüngsten Meldungen aus der Nacht

  • US-Justizministerium erhöht vor Midterms Druck auf Kalifornien: Donald Trump behauptet seit Langem, dass Nicht-Staatsbürger in großem Stil an US-Wahlen teilnehmen. Die Regierung hat Medienbericht zufolge nun Vorladungen an Wahlbeamte in Kalifornien verschickt – wenige Tage vor den Zwischenwahlen.

  • Eisenkot wirft Netanyahu vor, er wolle Israels Wahlergebnis »delegitimieren«: Benjamin Netanyahu hat keine Mehrheit mehr in der Knesset. Seine Likud-Partei bezeichnete die Wahl prompt als »gestohlen«. Oppositionsführer Gadi Eisenkot reagierte mit deutlichen Worten.

  • Vereinigte Staaten sollen Audi zehn Prozent Zoll für Einfuhren angeboten haben: Für Autos aus Europa kassieren die USA 15 Prozent Einfuhrzoll, aus Mexiko sogar 25 Prozent. Audi soll künftig deutlich weniger zahlen – als Gegenleistung für den geplanten Fabrikneubau in Georgia.

Heute bei SPIEGEL Extra: Wie macht man den besten Kartoffelbrei?

[M] DER SPIEGEL; Fotos: Maximilian Probst / DER SPIEGEL, vikif / iStockphoto / Getty Images

Was ist das Geheimnis von Kartoffelpüree? Das wollten Sie von unserem SPIEGEL-Küchenkabinett wissen. Hier erklären unsere drei Profis, wie Sie den perfekten Stampf zubereiten .

Ich wünsche Ihnen einen guten Start in den Tag.

Ihr Stefan Kuzmany, Autor der Chefredaktion

Source: Der Spiegel · Stefan Kuzmany

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