1. Warten auf Merz
Ilse Aigner
Foto:Peter Kneffel / dpa
Wer wird Bundespräsidentin? Der Chor der Ilse-Aigner-Fans wird immer lauter, selbst in der CDU. Heute ließ Unionsfraktionschef Thorsten Frei via »Bild«-Zeitung wissen, dass er Aigner für eine »ganz hervorragende Personalie« halte. Auch diverse CDU-Landeschefs und Landesminister äußerten sich voll des Lobes über Aigner. Gestern hatten sich schon die Ost-Ministerpräsidenten der CDU für die CSU-Politikerin als Kandidatin ausgesprochen.
Aigner wird es werden. Sie muss es jetzt werden, es ist schlicht nicht vorstellbar, dass Friedrich Merz nun noch eine andere Bewerberin aus dem Hut zaubert. Oder andersherum: Dass sich gerade ein CDU-Promi nach dem anderen hinter Aigner versammelt, ohne sicher davon auszugehen, dass der Parteichef sie zur gemeinsamen Kandidatin der Union ausrufen wird. Merz will wohl nur noch den selbst gesetzten Zeitplan einhalten. Die offizielle Verkündung behält er sich für kommenden Montag vor, wenn alle maßgeblichen Gremien formal involviert sein werden.
Das Auswahlverfahren selbst ist dem Kanzler lange entglitten. Früh hatte CSU-Chef Markus Söder Aigner nach vorne geschoben, seither sammelte sie fleißig Sympathiepunkte über die Parteigrenzen hinweg. Merz dagegen zögerte, er suchte wohl noch nach eigenen Alternativen. Erst kürzlich legte er sich auf eine Frau für das höchste Amt im Staat fest und muss nun einsehen, dass gegen Aigners Favoritenstatus niemand mehr ankommt.
Aigner, derzeit noch Landtagspräsidentin in Bayern, muss sich nur noch ein paar Tage gedulden, bevor sie offen über ihre Ambitionen sprechen kann. In der »Zeit« äußerte sie aber bereits einen Wunsch, aus dem man ihre Bewerbung herauslesen kann: Sie fände es charmant, sagt Aigner da, »wenn man die Grünen mit ins Boot holen könnte«. Gebraucht werden die Grünen in der Bundesversammlung nicht, Union und SPD haben eine eigene Mehrheit. Aber Aigner will offenbar die breite Mitte für sich einnehmen. Wenn der Kanzler sie endlich lässt.
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2. Comeback für Füllkrug
Stürmer Füllkrug in der Nationalmannschaft, 2024
Foto: Beautiful Sports / Wunderl / IMAGODem Anfang wohnte dann doch nicht der erhoffte Zauber inne. Die ersten Auftritte der deutschen Nationalmannschaft unter ihrem neuen Bundestrainer Jürgen Klopp waren, nun ja, durchwachsen: ein Sieg, zwei Unentschieden, eine Niederlage und die auch noch gegen Griechenland. Es ist Luft nach oben, wenn Klopp das Team zu den nächsten Spielen zusammentrommelt. Mitte des Monats geht es in der Nations League wieder gegen Serbien und die Niederlande.
Heute hat Klopp den Kader für die Partien bekannt gegeben. Statt des 44er-Premierenaufgebots beschränkt sich der Coach nun auf 24 Fachkräfte. Ein paar Debütanten vom letzten Mal sind diesmal nicht dabei, auch einige bekannte Namen fehlen, unter ihnen Nick Woltemade, David Raum oder Karim Adeyemi. Einer, dessen Karriere in der Nationalmannschaft schon beendet schien, kann sich dagegen über seine Nominierung freuen: Niclas Füllkrug.
Der Stürmer blüht nach schweren Zeiten im Ausland bei Werder Bremen gerade auf, hat in der Liga schon neun Tore in acht Spielen geschossen. Klopp bereut inzwischen, dass er sich jüngst etwas despektierlich über Füllkrugs 33 Lebensjahre geäußert hatte. Dabei bleibt natürlich richtig: Der offensive Hoffnungsträger für die nächsten großen Turniere ist Füllkrug nicht. »Wenn morgen eine Europameisterschaft wäre, würden wir ihn natürlich mitnehmen«, sagte Klopp heute. Sie ist aber erst in zwei Jahren.
Das Füllkrug-Comeback bedeutet nicht, dass Klopp sich vom Ziel eines größeren Auf- und Umbruchs schon wieder verabschiedet hat. Zum Kader gehört diesmal etwa auch Wael Mohya, der junge Mann von Borussia Mönchengladbach ist erst 17 Jahre alt. Aber Klopp weiß auch, dass er Ergebnisse liefern muss, dass für eine gute Zukunft eine stabile Gegenwart nicht schaden kann. Auf Füllkrug jetzt zu verzichten, wäre einfach schwer zu begründen. Oder wie Klopp es ausdrückt: »Manchmal schlägt Form alles andere.«
Lesen Sie hier mehr: Hat Klopp die Revolution schon wieder abgesagt?
3. Die 20 besten Bücher des Jahres
Norman Konrad / DER SPIEGEL
Zum zweiten Mal verleihen wir in diesem Jahr den SPIEGEL Buchpreis. Heute haben wir die Longlist für den Buchpreis bekannt gegeben, die 20 besten Bücher, die dieses Jahr auf Deutsch oder in deutscher Übersetzung erschienen sind. Sie kommen aus Frankreich, Großbritannien, Irland, Indien, Marokko, Taiwan, den USA und aus Deutschland.
Es würde den Rahmen sprengen, hier auf jedes einzelne Buch einzugehen, sämtliche Rezensionen finden hier . Daher an dieser Stelle nur ein kurzer Überblick: In der Liste finden sich experimentierfreudige, verschlungene Erzählwerke genauso wie solche, die im Ton eher konventionell daherkommen. Es geht um Liebesgeschichten, um Kriege, vergangene und aktuelle, um Politik, die tief ins Private hineinwirkt, und auch um Geister und Naturgötter. Unter den Nominierten sind diesmal auffällig viele jüngere Autorinnen und Autoren, sogar zwei Roman-Debütantinnen sind im Rennen.
Ausgewählt hat die Werke eine sechsköpfige Jury: Mit dabei sind die Wiener Germanistin Eva Horn, die Autorin und frühere Profitennisspielerin Andrea Petković, die Berliner Theaterautorin Lena Brasch und aus dem SPIEGEL-Kulturressort Arno Frank, Enrico Ippolito und Xaver von Cranach. Die sechs haben sich in ihrer letzten Jury-Runde vor ein paar Tagen nach langen Diskussionen auf die Top 5 und ein Siegerbuch festgelegt. Der Titel und seine Autorin oder sein Autor wird am Montag, dem 16. November, bei einer Gala in Hamburg ausgezeichnet.
Lesen Sie hier die ganze Geschichte: Das sind die 20 besten Bücher des Jahres
Was heute sonst noch wichtig ist
Supreme-Court-Richter lehnt schnellen Rücktritt nach Midterms-Pleite der Republikaner ab: Bis Januar bleibt Donald Trump, um Anliegen durch den Kongress zu bekommen. Dann übernehmen die Demokraten sowohl den Senat als auch das Repräsentantenhaus. Schafft es der Präsident womöglich noch, neue Richter zu ernennen?
Kein Hinweis auf Verbrechen bei Aiwangers Tod: Der bayerische Vize-Regierungschef Hubert Aiwanger ist nach dem vorläufigen Ergebnis der Obduktion ohne Fremdverschulden gestorben. Das teilte die Staatsanwaltschaft in Berlin mit.
SPD setzt Wirtschaftsministerin Reiche Frist bei Spritpreisdeckel: Viele Autofahrer hoffen auf eine Obergrenze für Spritpreise, in Deutschland hat Wirtschaftsministerin Reiche dazu aber nur einen halbherzigen Gesetzentwurf vorgelegt. Das empört den Koalitionspartner.
Anti-Mafia-Journalist Saviano fordert Linkenpolitikerin Eralp auf, Namen zu nennen: Die Angst der Berliner Linkenpolitikerin Elif Eralp vor propalästinensischen Aktivisten machte weltweit Schlagzeilen. Ein italienischer Mafiaexperte fordert von ihr einen offensiveren Umgang.
Was wir heute bei SPIEGEL+ empfehlen
Halloween-Süßigkeiten (Symbol)
Foto:Armin Weigel / dpa
Was heute weniger wichtig ist
Ariel Oscar Greith / ZDF
Läster-Brüder: Am 5. Dezember werden die Bill und Tom Kaulitz, 37, erstmals und vielleicht auch einmalig »Wetten, dass…?« moderieren. Ist noch ein Weilchen hin, aber Moderatorenlegende Thomas Gottschalk, 76, hat bereits erklärt, sich die TV-Show nicht antun zu wollen: Man sei an dem Tag nicht zu Hause, sondern mit Freunden unterwegs, ließ seine Frau im Interview mit der »Abendzeitung« wissen. Das sorgt für Spott bei den Kaulitz-Zwillingen. »Muss ja auch jemanden geben, der es nicht guckt«, lästert Tom Kaulitz im Podcast »Kaulitz Hills – Senf aus Hollywood«. Und sein Bruder Bill pflichtet bei: »Absolut, den einen muss es geben.«
Mini-Hohlspiegel
Meldung von bild.de bei Google
Darüber diskutieren SPIEGEL-Leserinnen und -Leser heute
Und heute Abend?
Könnten Sie einfach mal früher ins Bett gehen . Denn das könnte Ihnen dabei helfen, morgen im Job oder an der Uni richtig was wegzuschaffen. Sagen Experten. In Wiesbaden findet gerade die Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin statt, und die beschäftigt sich diesmal damit, welche nicht zu unterschätzende Bedeutung ein gesunder Schlaf für die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und den beruflichen Erfolg hat. »Sie wollen Karriere machen? Dann müssen Sie gut im Bett sein«, sagt der Schlafmediziner Hans-Günter Weeß. Wer nicht ausgeruht zur Arbeit komme, sei weniger leistungsfähig und könne sich schlechter konzentrieren. »Schlaf ist ein unterschätzter Karrierefaktor.«
Ansonsten empfehle ich Ihnen unseren neuen »Firewall«-Podcast. Host Sandra Sperber geht gemeinsam mit SPIEGEL-Reporter Max Hoppenstedt Heinrichs der Frage nach, ob russische Geheimdienste versuchen, über Chatgruppen der gewaltverherrlichenden Com-Szene Teenager zu rekrutieren, die dann im Westen Unruhe stiften sollen (hier geht’s zur Folge). Dass Sie nach dem Hören gut einschlafen können, dafür kann ich allerdings nicht garantieren.
Einen schönen Abend. Herzlich
Ihr Philipp Wittrock, Autor im SPIEGEL-Hauptstadtbüro
Source: Der Spiegel · Philipp Wittrock
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