1. Härtetest für die US-Demokratie
Dan Sullivan, Mary Peltola: Der Republikaner und die Demokratin kämpfen um den Senatssitz von Alaska
Foto: [M] DER SPIEGEL; Fotos: PaulMaguire / iStockphoto / Getty Images; Kerry Tasker / REUTERSKann Donald Trump den Rest seiner Amtszeit durchregieren? Oder können die Demokraten ihm das Präsidentenleben zumindest etwas schwerer machen? Die Entscheidung fällt in den kommenden Stunden bei den sogenannten Midterms, den Zwischenwahlen. Auf SPIEGEL.de informieren wir Sie laufend über alle Entwicklungen und die neuesten Ergebnisse (alles Wichtige live zu den Midterms finden Sie hier ).
Die Umfragen sprechen eigentlich eine deutliche Sprache: Im Repräsentantenhaus dürften Trumps Republikaner ihre Mehrheit mit ziemlicher Sicherheit verlieren. Und auch im Senat könnten die Verhältnisse kippen, von Rot zu Blau, von den Republikanern zu den Demokraten (mehr dazu hier ).
Aber mit den Umfragen in den USA ist das so eine Sache. In der Vergangenheit lagen die Meinungsforscher schon häufiger daneben, wenn es Trump ging. Oft wurde die Stärke seines Wählerlagers unterschätzt. Dass die Demokraten wirklich die Kontrolle über beide Kammern des Kongresses gewinnen, ist daher keineswegs ausgemacht.
Und selbst wenn. Eine Niederlage würde Trump wohl auch diesmal kaum akzeptieren und womöglich einmal mehr die Rechtmäßigkeit der Wahlen anzweifeln. Mein Kollege Claus Hecking weist darauf hin, dass der Präsident inzwischen viele Schlüsselpositionen im Staats- und Justizapparat mit Getreuen besetzt hat. Es sei gut möglich, berichtet Claus, dass die Wahlen zum Härtetest für die amerikanische Demokratie werden.
2. Am diplomatischen Katzentisch
Besucher Selenskyj, Gastgeber Merz vor dem Kanzleramt in Berlin
Foto: Sebastian Gollnow / dpaWer heute im Berliner Regierungsviertel unterwegs war, der kam nicht weit. An vielen Stellen blockierten Absperrgitter der Polizei den Weg, Einsatzkräfte stoppten Autofahrer, Radler und Passanten. Wenn Wolodymyr Selenskyj in der Hauptstadt ist, dann herrscht die höchste Sicherheitsstufe, alle Orte, an denen sich der ukrainische Präsident aufhält, sind weiträumig abgeriegelt.
Nach Trumps Abkehr ist Deutschland inzwischen der wichtigste Unterstützer und Verbündete der Ukraine in ihrem Verteidigungskampf gegen die russischen Aggressoren. Und so begrüßte Friedrich Merz Selenskyj heute als Freund im Kanzleramt und sicherte ihm weitere Hilfen auch für den bevorstehenden harten Winter zu.
Gleichzeitig aber muss die Bundesregierung gemeinsam mit den Europäern darum ringen, nicht am diplomatischen Katzentisch zu sitzen, wenn es darum geht, nach Wegen für eine Beendigung des Krieges zu suchen. Mitte November sollen Vertreter der USA, Russlands und der Ukraine in Abu Dhabi wieder miteinander verhandeln. Merz und Selenskyj pochten heute zwar darauf, dass Europa an den Gesprächen beteiligt wird. Der Kanzler betonte: »Zentrale Elemente einer Friedenslösung, sei es zu Sanktionen oder zur Sicherheitsarchitektur, können nur mit uns Europäern gelöst werden.«
Dass sich der amerikanische Präsident, der Wladimir Putin sogar zum G20-Gipfel nach Miami eingeladen hat, davon beeindrucken lässt, ist allerdings nicht zu erwarten. Den Europäern bleibt vorerst wohl nur eine Beobachterrolle. Und die Sorge, dass Trump sich zu einem Pseudo-Friedensdeal zulasten der Ukraine hinreißen lassen könnte, ist sicher nicht unbegründet.
Lesen Sie mehr dazu hier: Merz empfängt Selenskyj im Kanzleramt
3. Halloween-Horror
Nadel in Kaubonbon, gefunden in Bad Salzuflen
Foto: Polizei Lippe / dpaEigentlich soll Halloween ein großer Gruselspaß sein, vor allem für Kinder und Jugendliche. Doch in diesem Jahr ist daraus mancherorts ein ganz realer Horror geworden: Unbekannte haben Süßigkeiten, die Kinder an Haus- und Wohnungstüren gesammelt haben, mit Nadeln, Nägel, Schrauben oder anderen scharfkantigen Gegenständen präpariert. Auch heute wurden neue Fälle bekannt (mehr hier): Eine Familie in Brandenburg entdeckte eine Nadel in einem Schokoriegel. In der Südpfalz steckte eine Tackernadel in einem Kaubonbon.
Inzwischen gibt es Berichte über gefährlich präparierte Süßigkeiten aus vielen Regionen Deutschlands. Auch aus Österreich, Irland, Dänemark und Norwegen werden solche Funde gemeldet. Einige Kinder verletzten sich, als sie in Bonbons, Schokolade oder Weingummi bissen. Glücklicherweise ging es, soweit bekannt, bisher überall glimpflich aus.
Fassungslos stellt man sich die Frage: Wer tut so was? Wem bereitet es Freude, Kinder in Lebensgefahr zu bringen? Und warum?
Die Polizei scheint bisher ratlos, wer hinter den hinterhältigen Manipulationen steckt. Ermittler prüfen, ob es Zusammenhänge zwischen den weit verstreuten Fällen gibt. Ob Aufrufe oder Netzwerke in sozialen Medien etwas damit zu tun haben könnten. Einstweilen bleibt nur der Rat an Kindern und Eltern, die Halloween-Ausbeute genau zu kontrollieren. Und die Hoffnung, dass niemand ernsthaft verletzt wird.
Lesen Sie mehr Hintergründe hier: Nadeln in Kaubonbons – darum sollten Eltern gesammelte Halloween-Süßigkeiten überprüfen
Was heute sonst noch wichtig ist
Schaeffler baut Tausende Stellen ab und schließt vier deutsche Werke: Der bayerische Autozulieferer Schaeffler steckt tief in der Krise. Nun kündigt der Konzern weitere Sparmaßnahmen an: Zahlreiche Beschäftigte verlieren ihren Arbeitsplatz, andere müssen auf Gehalt verzichten.
Neues SPD-Verfahren gegen Schröder beantragt: Ex-Kanzler Schröder ist für seine Freundschaft zu Kremlchef Putin bekannt. Nach Beginn des Ukrainekriegs drängten daher mehrere SPD-Genossen auf ein Parteiverfahren – erfolglos. Nun gibt es einen neuen Anlass.
KI-Chatbots können Urheberrecht von Presseverlagen verletzen: Werden Presseartikel vervielfältigt oder öffentlich zugänglich gemacht von KI? Unter Umständen schon, heißt es im Schlussantrag zu einem Verfahren am EuGH. Die »berichtete Tatsache« sei jedoch nicht geschützt.
Was wir heute bei SPIEGEL+ empfehlen
Verunglückter Ave-Zug der spanischen Staatsbahn Renfe am Donnerstag
Foto:Manu Fernandez / AP / dpa
Was das Zugunglück von Toledo mit Stuttgart 21 verbindet: Deutsche Technik spielte bei dem tödlichen Bahnunglück in Spanien eine Rolle – und gerät in die Kritik. Sie sollte längst ersetzt werden, doch der Umbau hakt an derselben Stelle wie das Megaprojekt Stuttgart 21 .
Was heute weniger wichtig ist
Verständnis für Voldemort: Mit der Rolle des Bösewichts hat Daniel Brühl, 48, Erfahrung. Der Schauspieler mimte bereits den Marvel-Schurken Zemo und einen Nazi-Kriegshelden in »Inglourious Basterds«. Nun leiht er in der bald startenden deutschen »Harry Potter«-Hörbuchreihe, in der die Werke mit verteilten Rollen gelesen werden, Lord Voldemort seine Stimme. Aber selbst zum »ultimativen Antagonisten« glaubt Brühl einen menschlichen Anknüpfungspunkt gefunden zu haben: die Angst vor dem Tod. Dem Internetportal web.de sagte Brühl: »Dieses Nicht-Akzeptieren-Wollen, sterben zu müssen, verbindet einen bei aller Dunkelheit und Bösartigkeit mit Lord Voldemort.«
Mini-Hohlspiegel
Hinweis im Schaufenster eines Juweliergeschäfts in Marl (NRW)
Darüber diskutieren SPIEGEL-Leserinnen und -Leser heute
Befürworten Sie den bundesweiten Einsatz von Handyblitzern?
Und heute Abend?
Autor Ishiguro: »Ich möchte so sein wie Homer!«
Foto:Joel C Ryan / Invision / AP
Könnten Sie sich im Kino den neuen Film »Klara und die Sonne« ansehen – oder mit der Lektüre der gleichnamigen Romanvorlage beginnen. So gut wie alle reden ja gerade über künstliche Intelligenz. Als der britische Literaturnobelpreisträger Kazuo Ishiguro, 71, vor einigen Jahren sein Buch über einen humanoiden Erziehungsroboter veröffentlichte, waren die Debatten über KI und die Folgen dagegen noch eine »Spezialisten-Angelegenheit«, wie der Autor selbst im Gespräch mit meinem Kollegen Tobias Rapp sagt (das ganze Interview finden Sie hier ).
Hauptfigur der postapokalyptischen Zukunftsgeschichte ist das Robotermädchen Klara, das die Teenagerin Josie vor der Einsamkeit bewahren soll. Klara ist einem Menschen sehr ähnlich, hat Ticks und Gefühle, sucht Freunde und glaubt an übersinnliche Kräfte. »Klara und die Sonne« läuft seit vergangener Woche in den Kinos. Und Schöpfer Ishiguro ist mit der Verfilmung seines Romans durch den neuseeländischen Regisseur Taika Waititi, 51, »überglücklich«.
Einen schönen Abend. Herzlich
Ihr Philipp Wittrock, Autor im SPIEGEL-Hauptstadtbüro
Source: Der Spiegel · Philipp Wittrock
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