Dieses Audio ist derzeit nicht verfügbar.

1. Harte Ansagen gegen Gewalttäter

Jugendproteste in Hamburg: Viele Krisen in den Knochen

Jugendproteste in Hamburg: Viele Krisen in den Knochen

Foto: Vincent B. / 7aktuell / IMAGO

Null Toleranz – dieses Motto gibt der Kanzler heute nach den Krawallen am Rande der Jugendproteste vom Wochenende aus. »Wer Polizisten und Einsatzkräfte angreift und Geschäfte plündert, greift unsere Freiheit an, verhöhnt die Gesellschaft und die berechtigten Interessen der jungen Leute«, sagte Friedrich Merz und kündigte an: »Die Straftäter werden die Härte des Gesetzes spüren.« (Mehr dazu hier.)

Den Ton hatte zuvor bereits Innenminister Alexander Dobrindt gesetzt, ein Mann, der sich in der Rolle des harten Sheriffs offenbar gefällt. Für die Krawalle machte der CSU-Politiker neben gewaltbereiten linken Gruppen vor allem »Chaoten aus dem migrantischen Milieu« verantwortlich (mehr dazu hier). Auch Dobrindts hessischer CDU-Amtskollege Roman Poseck mahnte in diesem Zusammenhang: »Es darf hier keine falschen Tabus geben.«

Es ist nicht ganz klar, woran Poseck festmacht, dass es hier irgendein falsches Tabu gebe. Zum einen gibt es bisher kein klares, deutschlandweites Bild der verdächtigen Gewalttäter, das räumt auch das Innenministerium ein. Zum anderen hat niemand behauptet, dass nicht darüber gesprochen werden dürfe, sollten die mutmaßlichen Täter überwiegend einen Migrationshintergrund haben. Selbst SPD-Verteidigungsminister Boris Pistorius, der angesichts fehlender Informationen vor einer allzu raschen Festlegung warnte, sagt: »Wenn es so wäre, wäre es sicher richtig, es so zu benennen.«

Dennoch schießt sich Poseck nun auf Pistorius ein: Dieser verschließe die Augen vor der Realität, sagte er dem Sender »Welt TV«. Die Politik dürfe aber nicht verschweigen, womit man es zu tun habe, das helfe nur den Extremen.

Vielleicht hilft es vor allem, erst einmal die Fakten zusammenzutragen und dann Schlüsse daraus zu ziehen. Und bei aller gerechtfertigten Aufregung über Gewaltexzesse nicht zu vergessen, dass Zehntausende Menschen am Wochenende friedlich protestiert haben.

2. Dosierte Wut

CDU-Chef und Bundeskanzler Friedrich Merz

CDU-Chef und Bundeskanzler Friedrich Merz

Foto: Jung Yeon-Je / AFP

Friedrich Merz muss sich heute im eigenen Haus wohl einiges anhören. Die CDU hat die christdemokratischen Kreisvorsitzenden in die Berliner Parteizentrale geladen, um heute und morgen unter anderem mit dem Parteivorsitzenden, der Generalsekretärin und der Kanzleramtschefin über den Zustand der Union und der Regierung zu diskutieren.

Der ist aktuell bekanntermaßen ziemlich bescheiden. Von den Wählerinnen und Wählern wurde die CDU zuletzt gedemütigt, die Umfragewerte sind katastrophal, die Koalition streitet lieber, statt die versprochenen Reformen auf den Weg zu bringen – ihren Frust und Ärger darüber wollen die Gesandten der Basis dem Kanzler deutlich machen.

Die Frage ist nur, wie viel Zeit ihnen die Parteispitze dafür überhaupt gibt. Laut Tagesordnung sind für Merz’ Rede vor den Gästen und die anschließende Aussprache hinter verschlossenen Türen gerade einmal anderthalb Stunden vorgesehen. Anschließend soll es zum gemütlichen Teil übergehen – »Berliner Abend« nennt sich das. Sieht ganz so aus, als wolle man im Konrad-Adenauer-Haus dafür sorgen, dass der Vorsitzende die Wut nur wohldosiert abbekommt.

Da verwundert es kaum, dass sich von den 330 Kreisvorsitzenden, die die CDU im Land hat, nur knapp über 160 überhaupt auf den Weg nach Berlin gemacht haben. Für die meisten ist der Parteijob ein Ehrenamt; zwei Tage Urlaub zu opfern, um sich politische Durchhalteparolen anzuhören, scheint vielen Christdemokraten womöglich zu viel des Guten.

3. Endlich zu Hause – nach 28 Jahren

Wanderer Bushby auf der Straße nach Hull: »Gott – bitte hilf mir«

Wanderer Bushby auf der Straße nach Hull: »Gott – bitte hilf mir«

Foto: Dan Giannopoulos / DER SPIEGEL

Mehr als 50.000 Kilometer ist Karl Bushby gelaufen, von der südlichen Spitze Südamerikas bis in den Nordosten Englands, über vier Kontinente, durch Wüsten, Sümpfe, über das Eis. Es war ein gigantischer Fußmarsch nach Hause (mehr dazu hier ). Dort, in Kingston Upon Hull, ist Bushby heute angekommen. Nach einer Reise von sage und schreibe 28 Jahren, die begann, als es noch keine Smartphones, Facebook oder TikTok gab.

Fernsehteams aus aller Welt waren heute gekommen, Hunderte Menschen feierten seine Rückkehr vor dem Rathaus der Stadt, anschließend ging es weiter zum Haus seiner Mutter, wo er auch seinen Sohn Adam treffen wollte. Der war acht Jahre alt, als Bushby aufbrach, hat inzwischen selbst eine Tochter. Seine zwölfjährige Enkelin wird Bushby zum ersten Mal sehen.

Warum das alles? Mein Kollege Jonathan Stock traf Bushby auf einer seiner letzten Etappen im Oktober, begleitete ihn ein Stück. Er erlebte einen Menschen, der einst losgezogen war, um zu zeigen, was ein Mensch erreichen kann, wenn er nur lange genug an etwas glaubt. Nun aber, so sagt es Bushby, wisse er selbst nicht mehr genau, wer der Mann gewesen sei, der damals aufbrach. Mit der Zeit habe er diesen Mann verloren. Er sei stattdessen zu einer Figur geworden: der Mann, der um die Welt läuft.

Und jetzt? Was will er machen, wenn er wieder zu Hause ist? Ein Autofahrer warf Bushby diese Frage zu, als mein Kollege Jonathan dabei war. Der ewige Wanderer antwortete mit nur einem Wort: »Leben.«

Was heute sonst noch wichtig ist

  • Wirkungsloser Spritpreisdeckel – Autofahrern droht Preisschub zum Jahreswechsel: Ministerin Katherina Reiche hat einen Spritpreisdeckel ausarbeiten lassen, der vermutlich nie greifen wird. Die Vorgaben sind so lax, dass an den Tankstellen weit über dem EU-Durchschnitt abkassiert werden kann .

  • Offenbar erneut Cyberangriffe auf Supermärkte in Europa: Angreifer haben Gefriertruhen aus der Ferne manipuliert, die Temperatur stieg. Nach einem Cyberangriff auf Frankreich trifft es nun Supermärkte in weiteren EU-Ländern.

  • 19-Jähriger aus Onlinesadisten-Szene in Baden-Württemberg gefasst: Er soll Teil der sadistischen Onlineszene gewesen sein, in der sich auch »White Tiger« bewegt haben soll: Ein junger Mann aus dem Landkreis Tuttlingen wurde am Montag verhaftet. Ihm wird zweifacher versuchter Mord vorgeworfen.

Was wir heute bei SPIEGEL+ empfehlen

Ex-Profi Becker: »Tough Love«

Ex-Profi Becker: »Tough Love«

Foto: Paolo Prendin / DER SPIEGEL

»Man muss diesen jungen Leuten auch mal sagen, was sie nicht gern hören«: Alexander Zverev ist die neue deutsche Nummer eins – und Tennislegende Boris Becker begleitet ihn seit Jahren. Hier spricht der Ex-Profi über ihre nicht konfliktfreie Beziehung und Dickköpfigkeit .

Was heute weniger wichtig ist

Pattinson, Waterhouse im September bei den Filmfestspielen von Venedig

Pattinson, Waterhouse im September bei den Filmfestspielen von Venedig

Foto: Alessandra Tarantino / Invision / AP / dpa

Verliebt, verlobt, aber lieber noch nicht verheiratet: Vor fast zehn Jahren trafen sich Suki Waterhouse, 34, und Robert Pattinson, 40, zum ersten Mal auf einer Party, vor drei Jahren verlobten sich die beiden. Doch die Hochzeitspläne liegen vorerst auf Eis. Waterhouse tourt derzeit als Sängerin um die Welt, Schauspieler Pattinson hat in den vergangenen Jahren zahlreiche Filme abgedreht. Mit anderen Worten: Das Paar ist viel getrennt voneinander unterwegs. Im kommenden Jahr wollen die beiden entscheiden, wo sie sich mit ihrer zweijährigen Tochter als Familie niederlassen, kündigte Waterhouse im »Style Magazine« von »The Sunday Times« an. Dann, so klingt es, sei auch eine Hochzeit denkbar. »Wenn wir es machen«, sagt Waterhouse, »dann werden wir eine riesige Party haben.«

Mini-Hohlspiegel

Hinweis in einem Restaurant in Bad Sooden-Allendorf (Hessen):

Hinweis in einem Restaurant in Bad Sooden-Allendorf (Hessen):

Darüber diskutieren SPIEGEL-Leserinnen und -Leser heute

Haben die geleakten AfD-Mails Ihren Blick auf die Partei verändert?

Und heute Abend?

Bärbel Bas

Foto: Britta Pedersen / dpa

Könnten Sie sich in der ARD das Doku-Porträt über Bärbel Bas anschauen. Für das Format »Konfrontation«  hat mein Kollege Markus Feldenkirchen die SPD-Politikerin ein Jahr lang begleitet – natürlich ohne zu ahnen, dass diese im Oktober dieses Jahres von ihrem Amt als Arbeitsministerin zurücktreten würde.

Teil des Films ist nun ein sehr bewegendes und ehrliches Gespräch über die persönliche Krise, in die Bas nach dem Tod ihrer Stieftochter stürzte. Es ist das erste Mal, dass die Sozialdemokratin öffentlich über ihre Trauer, Angriffe aus der Union und fehlende Unterstützung der eigenen Partei spricht (mehr dazu hier).

Die einstündige Sendung ist heute ab 17 Uhr in der ARD-Mediathek zu finden, im linearen Fernsehen läuft das Porträt in einer kürzeren Version um 21.45 Uhr im Ersten.


Einen schönen Abend. Herzlich

Ihr Philipp Wittrock, Autor im SPIEGEL-Hauptstadtbüro

Source: Der Spiegel · Philipp Wittrock

At a glance

Topic
World
Country
🇩🇪 DE
Publisher language
DE
Added to Allnira