Kinoerfolge, die endlich im Netz zu sehen sind, TV-Klassiker, die eine neue Staffel bekommen: Jeden Monat fassen wir zusammen, welche Serien und Filme neu bei Netflix und Co. sowie in den Mediatheken zu sehen sind. Der Streamingfahrplan.

»Friesenjunkies« in der ARD-Mediathek

Oskar Belton, Martin Brambach, Emil Belton und Shadi Eck in der ARD-Comedyserie »Friesenjunkies«

Oskar Belton, Martin Brambach, Emil Belton und Shadi Eck in der ARD-Comedyserie »Friesenjunkies«

Foto: Tobias Kruse / ARD

Deutsche Serien haben keinen guten Ruf. Die Zwillingsbrüder Emil und Oskar Belton  schon. Mit Anfang 20 drehten sie mit Freund Bruno Alexander »Die Discounter «, ihre Mockumentary über den fiktiven Supermarkt Feinkost Kolinski in Hamburg-Altona. Endlich Frische in der vertrockneten Gemüseauslage der deutschen Comedyserienlandschaft. Es hagelte Lob und »Stromberg«-Vergleiche. Es folgten weitere Staffeln und Serien. Das jüngste Projekt »Friesenjunkies« erscheint nun in der ARD-Mediathek. In der achtteiligen Impro-Dramedy begeben sich prominent besetzte Figuren in die fiktive Entzugsklinik Isebek auf Sylt. Klinikpersonal, Patientinnen und Patienten kämpfen gleichermaßen mit Neurosen, Ängsten und Geheimnissen. Auch Model und Moderatorin Sylvie Meis gibt als medikamentenabhängige Madison ihr Schauspieldebüt. Ob das heilsam oder schmerzhaft wird, zeigt sich ab dem 6. November in der ARD-Mediathek.

The Gilded Age, Staffel 4 ab 2. November auf HBO Max

Black Doves, Staffel 2 ab 5. November auf Netflix

City of God, Staffel 2 ab 8. November auf HBO Max

Die Ringe der Macht, Staffel 3 ab 11. November auf Prime Video

Die Paartherapie, Staffel 4 ab 11. November in der ARD-Mediathek

Die Kaiserin, Staffel 3 ab 12. November auf Netflix

Scrubs, Staffel 2 ab 25. November auf Disney

»Possible Love« bei Netflix

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Kapitalismuskritik aus Südkorea muss nicht immer laut und blutig sein wie in »Parasite« oder »Squid Game«. Für »Possible Love« ließ sich Lee Chang-dong (»Burning«) von den brutalen Ereignissen rund um den Autohersteller SsangYong inspirieren. Der gewaltsame Streik und seine darauffolgende Entlassung liegen weit hinter Ho-seok und seiner Frau Mi-ok, als eine junge Dokumentarfilmerin und ihr reicher Ehemann sich dem Paar annähern, um einen Film über Arbeiterproteste zu drehen. Ihre Leben beginnen, sich zu verknoten. Aber wie viel Klassenunterschied können Beziehungen überwinden, wie viel Schmerz und wie viel Moral? Und wer darf wessen Geschichte erzählen? Meisterhaft spinnt Lee hier unterschiedliche Beziehungen zu einer nuancierten Erzählung über Klasse, Begierde und Solidarität zusammen. Einer der Filme des Jahres.
»Possible Love« lief im Oktober im Kino an und ist ab 6. November bei Netflix zu sehen.

Sul Kyung-gu und Jeon Do-yeon als Ho-seok und Mi-ok in »Possible Love«: Blicken wir alle auf denselben Mond?

Sul Kyung-gu und Jeon Do-yeon als Ho-seok und Mi-ok in »Possible Love«: Blicken wir alle auf denselben Mond?

Foto: Joo Jae-bum / Netflix

»Blade Runner 2099«

Was wäre der Monat ohne ein Remake, Reboot oder Sequel? Letzteres steht im November für die erfolgreiche Sci-Fi-Saga »Blade Runner« an. In der Serie »Blade Runner 2099« ist Michelle Yeoh an der Reihe, die als Replikantin getarnt zusammen mit Hunter Schafer (»Euphoria«) versucht, eine Verschwörung aufzudecken. Die Serie ist 50 Jahre nach dem Film von Denis Villeneuve angesiedelt – in einem Los Angeles, das längst von Replikanten kontrolliert wird. Der Mensch hat die Kontrolle über seine Schöpfung verloren. Klingt ein bisschen nach den großen Fragen unserer Zeit – und könnte deshalb trotz aller Sequel-Müdigkeit interessant werden. »Blade Runner 2099« ist ab 25. November bei Prime Video zu sehen.

»Jenseits von Eden« bei Netflix

Florence Pugh in »Jenseits von Eden« als Cathy Ames: »Das Böse ist nicht immer auf den ersten Blick erkennbar.«

Florence Pugh in »Jenseits von Eden« als Cathy Ames: »Das Böse ist nicht immer auf den ersten Blick erkennbar.«

Foto: Geoffrey Short / NETFLIX

Eigentlich lag alles bereit für einen neuen Netflix-Klassiker. Die Vorlage, John Steinbecks »Jenseits von Eden«, ist einer der berühmtesten US-amerikanischen Romane des 20. Jahrhunderts. Steinbeck erzählt darin die Urgeschichte der Menschheit als Familiensaga im Amerika des 19. Jahrhunderts und verhandelt die große Frage vom Bösen im Menschen. Die Idee, den Stoff, der einst James Dean zum Filmstar machte, neu anzupacken und ihm einen modernen Kniff zu geben, klingt also grundsätzlich vielversprechend. Regisseurin Zoe Kazan pickte sich dafür die Figur der Cathy Ames heraus und macht sie für Netflix zur Hauptfigur der Adaption, hochkarätig besetzt mit Florence Pugh. Das Problem: Cathy Ames, Love-Interest der Brüder Adam und Charles sowie später Mutter der Brüder Aron und Caleb, ist bei Steinbeck einer der eindimensionalsten Charaktere. Sie verkörpert das Böse im Menschen, eine Femme fatale, die ihr Umfeld ins Verderben stürzt und keinerlei Empathie verspürt. Einer solchen Figur Nahbarkeit einzuhauchen wird in der Serie zwar versucht, Cathy auch als Opfer des Systems dargestellt – es bleibt aber letztlich vergebliche Liebesmüh. Der Versuch drängt die Serie »Jenseits von Eden« am Ende leider doch Richtung verkitschtes Familienepos: »Die sieben Folgen entwickeln nie ein künstlerisches Eigenleben und hangeln sich geradezu ängstlich am Plot entlang – nur um das widerspenstige Material am Ende doch in Serienkonventionen zu pressen«, schreibt Oliver Kaever in seiner Rezension.  Schade eigentlich.

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»Small Prophets« bei Apple TV

Lauren Patel und Pearce Quigley in »Small Prophets«: Auf seiner neuen Mission entwickelt sich eine ungewöhnliche Freundschaft zwischen Michael und seiner jungen Kollegin Kacey

Lauren Patel und Pearce Quigley in »Small Prophets«: Auf seiner neuen Mission entwickelt sich eine ungewöhnliche Freundschaft zwischen Michael und seiner jungen Kollegin Kacey

Foto: Apple TV+

Manchmal braucht es auch gar nicht den ganz großen epischen Wurf. In »Small Prophets« lebt Michael Sleep (Pearce Quigley) seit dem Verschwinden seiner Partnerin Clea einsam in einer britischen Kleinstadtdoppelhaushälfte. Sein Leben steht still, Frisur und Garten verwildern. Einziges Vergnügen: bei seinem Baumarktjob Kunden veräppeln. Bis sein dementer Vater (gespielt von Monty-Python-Legende Michael Palin) ihn eines Tages auf die ungewöhnliche Idee bringt, »Homunculi« zu züchten, winzige wahrsagende Kreaturen in Gläsern – um so vielleicht die Wahrheit über Cleas Verschwinden herauszufinden. Die Serie umtänzelt Klischees und Erwartbares und lässt einen am Ende irgendwo zwischen Lachen und Weinen zurück. »Small Prophets« ist klein und seltsam wie die Homunculi selbst – aber mit Sicherheit auch einer der charmantesten Neustarts des vergangenen Monats.

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»Tony« bei Prime Video

Wie können und sollten wir das Leben realer Personen verfilmen? »Tony« erzählt als retro-getünchtes Coming-of-Age-Drama von den Anfängen des Starkochs und Schriftstellers Anthony Bourdain. Wer Bourdain nicht kennt, sieht einfach eine Geschichte über einen jungen Mann, der versucht, seinen Platz im Leben zu finden: Nachdem er das erhoffte Schreibstipendium nicht bekommt, folgt der 19-jährige Tony 1975 einem Schwarm nach Provincetown, Massachusetts. Unerwartet landet er vor der Tür eines Seafood-Restaurants, dessen Besitzer, gespielt von Antonio Banderas, Tonys Potenzial erkennt. Matt Johnson (»Operation Avalanche«) erzählt Bourdains Anfänge stolpernd und verletzlich. Hier und da blitzen Selbsthass und Zweifel durch, aber der Film versucht es weder mit Tiefe noch mit Realismus. Wenn man Anthony Bourdain kennt und von seinem tragischen Tod 2018 weiß, hofft man am Ende, es handele sich hier wirklich nur um ein herkömmliches Coming-of-Age-Drama.

Das Team der »Enterprise« in »Star Trek: The Next Generation« und Patrick Stewart als Jean-Luc Picard

Das Team der »Enterprise« in »Star Trek: The Next Generation« und Patrick Stewart als Jean-Luc Picard

Foto: Paramount / Everett Collection / picture alliance

Ein britischer Theaterstar mit Glatze, der zum beliebtesten Raumschiffkapitän des Universums wurde. Am 28. Oktober ist der britische Schauspieler Patrick Stewart mit 86 Jahren in Los Angeles gestorben.

Im Hollywood der Achtziger lieferte Stewarts Rolle des Earl-Grey-trinkenden Jean-Luc Picard einen Gegenentwurf zum muskelbepackten Macho-Helden. Aber auch für Stewart selbst war sie eine der prägendsten, wie er 2020 in einem SPIEGEL-Interview erzählte : »Während der Jahre, in denen wir »The Next Generation« gedreht haben, hat Picard mich tatsächlich völlig eingenommen. Patrick Stewart und Jean-Luc Picard wurden zu einer Person. Das ging allerdings auch so weiter in den knapp zwei Jahrzehnten, in denen ich nicht für »Star Trek« vor der Kamera stand. [...] Für mich war er immer da, auch wenn das komisch klingt.«

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Grund genug zu seinen Ehren erneut ins Raumschiff Enterprise zu steigen und sich die alten Folgen anzusehen. »Raumschiff Enterprise – Das nächste Jahrhundert« (1987–1994) ist aktuell bei Prime Video und Paramount+ zu sehen, das Spin-off »Star Trek: Picard« (2020–2023) ist bei Prime Video, Apple TV und Paramount+ abrufbar.

Source: Der Spiegel · Veronika Silberg

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