Halloween ist für die Polizei in Deutschland noch nicht vorbei: Offenbar tauchen immer mehr Fälle von gefährlichen Fremdkörpern in Süßigkeiten auf, die Kinder an dem Abend gesammelt haben.

Eltern entdeckten etwa in Bayern in einem Kaubonbon und in zwei Schokoriegeln Nadeln, in Baden-Württemberg wurde eine Schraube in einem Kaubonbon gefunden. Auf Usedom steckte eine Büroklammer in einer Süßigkeit und in Thüringen fand sich unter anderem eine Stecknadel im Naschwerk. Auch in den restlichen deutschen Bundesländern gingen zahlreiche Anzeigen zu manipulierten Süßigkeiten ein. Ein paar wenige Kinder wurden von den Metallteilen leicht verletzt, beispielsweise am Mund oder am Finger.

Auffällig ist die Häufung von Halloween-Fällen in diesem Jahr. In Bayern gab es laut einer vorläufigen Auswertung des Vorgangsverwaltungssystems IGVP in den vergangenen drei Jahren lediglich drei von der Polizei erfasste Fälle, in diesem Jahr aber bereits 25, wie das BLKA mitteilte. Diese Zahlen können sich den Angaben zufolge kontinuierlich ändern, zeigen aber zumindest Tendenzen.

Auch über Deutschland hinaus gab es Vorfälle: In Österreich wurden in mehreren Bundesländern einige Fälle von Süßigkeiten mit kleinen Metallobjekten publik, ein Mädchen wurde nach Angaben von Behörden leicht verletzt. Im Bundeskriminalamt in Wien wurde eine Ermittlungseinheit gegründet, die mit Europol und mit Deutschland in Kontakt steht. Berichte zu manipulierten Süßigkeiten kamen unter anderem auch aus Irland, Dänemark und Norwegen.

Ob zwischen den ganzen Fällen in unterschiedlichen Regionen ein Zusammenhang besteht, ist nicht geklärt. Die Herkunft einzelner Süßigkeiten lässt sich nur schwer rekonstruieren. Auch in früheren Jahren gab es ähnliche Funde. Die aktuelle Häufung von Fällen im Bundesgebiet ist aber sehr auffällig. Inwieweit etwa ein Trend in sozialen Medien dahinterstehen könnte, ist unklar.

Schwierige Frage nach dem Motiv

Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass die Täter im Internet, in sozialen Medien oder in Onlineforen vernetzt gewesen seien, sagte der Ermittlungschef des österreichischen Bundeskriminalamtes, Gerald Tatzgern. Das Innenministerium in Mainz erklärte, neben der Aufklärung der einzelnen Sachverhalte werde auch geprüft, ob mögliche Zusammenhänge bestünden. »Bislang liegen keine gesicherten Erkenntnisse vor, die auf eine systematische oder landesweit koordinierte Vorgehensweise schließen lassen.«

Eine Kriminologin des Bayerischen LKA sagte der dpa, es sei schwierig, zu den Hintergründen solcher Taten zu forschen, da kaum Täter ermittelt würden. Daher sei es »natürlich sehr schwierig, irgendwelche Schlussfolgerungen etwa zu Motiven zu ziehen. Das bleibt alles sehr spekulativ.« Generell sei es aber so, dass nicht zwingend Sadismus – also eine gezielte Schädigungsabsicht – hinter den Taten stehen müsse. Denkbar sei auch, dass Täter provozieren wollten, Aufmerksamkeit suchten oder schlicht Taten nachahmten.

Source: Der Spiegel · DER SPIEGEL

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