Das Weltraumteleskop Swift der NASA ist am Mittwoch um 13:39 Uhr MEZ und damit früher als noch zu Wochenbeginn erwartet abgestürzt und über dem Norden der indonesischen Insel Sumatra verglüht. Das hat die US-Weltraumagentur unter Berufung auf die US Space Force mitgeteilt. Man gehe davon aus, dass das Instrument größtenteils zerstört wurde, einzelne Komponenten könnten die Erdoberfläche aber erreicht haben. Auch einen Tag später gibt es keine Berichte über mögliche Schäden, allerdings sollen Anwohner herabfallende Trümmer gefilmt haben. Mit dem Absturz ist jetzt eine fast 22-jährige Erfolgsgeschichte zu Ende gegangen, die die NASA sogar noch verlängern wollte. Eine ambitionierte Rettungsmission für das unaufhaltsam absinkende Weltraumteleskop ist im Sommer aber gescheitert.
Rettungsmission gescheitert
Das Weltraumteleskop umkreiste die Erde seit 2004 und trug seit 2018 nach dem verstorbenen ersten Forschungsleiter offiziell den Namen Neil Gehrels Swift Observatory. Es untersuchte primär Gammastrahlenblitze und hat über 2000 davon entdeckt, dazu rund 1400 Sternexplosionen. Von großem Wert war es dabei vor allem als Frühwarnsystem, das Observatorien auf der Erde rasch Bescheid geben konnte, damit diese die stärksten Explosionen im Universum ins Visier nehmen können. Vor einem Jahr wurde deutlich, dass das Gerät wegen der erhöhten Sonnenaktivität schneller zur Erde absinkt als erwartet, woraufhin die NASA eine beispiellose Rettungsmission beauftragt hat: Eine robotische Sonde von Katalyst Space Technologies sollte das Observatorium in eine höhere Umlaufbahn schieben.
Die Raumsonde LINK von Katalyst wurde am 3. Juli nach einer beispiellos kurzen Vorbereitungszeit gestartet. Später musste die Firma aber mitteilen, dass sich die Sonde um die eigene Achse drehte und sich nicht stabilisieren ließ. Zwei der drei Reaktionsräder waren ausgefallen. Anfangs gaben sich die Verantwortlichen noch optimistisch, dass die Mission trotzdem gelingen könnte, das wurde aber am 19. August revidiert. Seitdem war klar, dass es keine Rettung mehr gab. Vor wenigen Tagen hieß es noch, dass der Absturz zum Ende dieser Woche erwartet wird, so lange hat es nun nicht gedauert. Die Gefahr für Menschen war aber minimal: Weil die Erde überwiegend von Ozeanen bedeckt ist, stürzen solche Objekte meist ins Wasser – Einschläge auf dem Land sind aber nicht ausgeschlossen.
(mho)
Source: Heise · Martin Holland
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