Mercedes-Benz stutzt seine Gewinnpläne für das laufende Jahr. Neben einem zunehmend herausfordernden Umfeld in China erwarte der Konzern auch höhere Kosten im vierten Quartal, unter anderem für Material, wie der Traditionshersteller überraschend am Dienstag in Stuttgart mitteilte. Die Aktie verlor in einer ersten Reaktion vier Prozent.

So dürfte im Pkw-Geschäft die viel beachtete um Sondereffekte bereinigte Gewinnmarge 2026 nun nur noch 2 bis 3 Prozent erreichen statt den bisher angepeilten 3 bis 5 Prozent. Der Grund: In der aktuellen Branchensituation mit erhöhten US-Einfuhrzöllen und angesichts der Schwäche in China muss Mercedes höhere Rabatte gewähren, um Fahrzeuge abzusetzen. Der durchschnittliche Verkaufspreis der Autos sank zuletzt deutlich.

Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern im Konzern dürfte demnach nur noch auf dem Niveau des Vorjahres liegen statt deutlich darüber. Eigentlich sollte es deutlich steigen, weil Mercedes im vergangenen Jahr hohe Kosten für einen Stellenabbau hatte. Auch beim freien Finanzmittelzufluss haben sich die Aussichten 2026 eingetrübt.

Auszahlungen für Aufhebungsverträge belasten zudem den freien Mittelzufluss im Industriegeschäft – also ohne Finanzdienstleistungen gerechnet. Dieser dürfte erneut leicht sinken, nachdem die Kennzahl bereits im vergangenen Jahr deutlich von 9,2 auf 5,4 Milliarden Euro zurückgegangen war. Finanzchef Harald Wilhelm stellt jedoch einen Zufluss von mehr als 4 Milliarden Euro in Aussicht. Außerdem will Mercedes bis April 2027 eine Milliarde Euro in Aktienrückkäufe stecken.

China bleibe das bestimmende Problem bei Mercedes, schrieb Analyst Tom Narayan von der kanadischen Bank RBC. Der Konzern drohe im dritten Quartal bei der operativen Pkw-Marge unter die Jahresprognose-Bandbreite zu fallen. Dies sehe der Markt im Stimmungsbild allerdings ohnehin voraus. Zusätzlichen Druck auf den Aktienkurs erwartet der Experte daher nur begrenzt.

Analysten nicht überrascht

Zuletzt seien auch die profitablen Top-Modelle der Schwaben schlecht gelaufen. Im vierten Quartal sieht Narayan da aber dank neuer Versionen vom SUV GLS und der S-Klasse wieder Auftrieb.

Die von Bloomberg befragten Fachleute erwarten den Quartalsumsatz um 30,8 Milliarden Euro; das wären rund 4 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Die vom Finanzmarkt viel beachtete bereinigte operative Gewinnmarge (Ebit) im Pkw-Geschäft wird voraussichtlich von 4,8 auf 2,7 Prozent gefallen sein.

Source: Der Spiegel · DER SPIEGEL

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