Marktbericht
Wall Street bricht ein Aus Wahleuphorie wird Wahlkater
Stand: 06.11.2026 • 07:26 Uhr
Die Furcht vor einer schärferen KI-Regulierung hat die Wall Street auf Talfahrt geschickt, vor allem Tech-Werte brechen ein. Der DAX wird sich dem Abwärtstrend nicht entziehen können.
Der Broker IG Markets taxiert den deutschen Leitindex vor der Eröffnung des Xetra-Handels 0,8 Prozent tiefer auf 26.105 Punkte. Am Donnerstag war der DAX erst auf ein Rekordhoch bei knapp 26.693 Punkte gestiegen, dann ging es rückwärts: Im Sog der Turbulenzen an den US-Börsen ging er schließlich mit einem Minus von 0,4 Prozent auf 26.325 Zählern aus dem Handel.
KI-Sorgen lassen Nasdaq einbrechen
Der DAX dürfte nach den extrem schwachen Vorgaben der Wall Street also ebenfalls zurückfallen. Der Sieg der Demokraten hat die Furcht vor einer strengeren Regulierung von Künstlicher Intelligenz (KI) geschürt und Technologiewerte auf Talfahrt geschickt.
Der Index der Technologiebörse Nasdaq brach um 5,5 Prozent auf 24.315 Punkte ein. Dies war der stärkste prozentuale Tagesverlust seit 19 Monaten. Der breiter gefasste S&P 500 verlor 4,4 Prozent auf 7.354 Punkte. Der US-Leitindex Dow Jones gab 3,4 Prozent auf 51.523 Zähler nach. Die Vortagesgewinne der US-Indizes sind damit verdampft.
In Asien setzt sich der Ausverkauf derzeit fort. Der japanische Nikkei fällt um fast sechs Prozent zurück. Der südkoreanische Kospi sackt um mehr als fünf Prozent ab. Wegen der heftigen Kursverluste setzte die Börse in Seoul den Handel für 20 Minuten aus.
"Politischen Risiken treffen auf schwelende Unsicherheit"
Im Mittelpunkt stünden die Sorgen um die Zukunft des KI-Booms, stellt Marktbeobachter Salah-Eddine Bouhmidi vom Broker IG fest. Anleger würden befürchten, dass nach dem Wahlsieg der Demokraten strengere Auflagen den Ausbau von Rechenzentren bremsen und Projekte verzögern könnten.
"Diese politischen Risiken treffen auf die ohnehin schwelende Unsicherheit, wann sich die milliardenschweren Investitionen in Künstliche Intelligenz ausreichend auszahlen", so Bouhmidi. "Verzögerungen beim Ausbau könnten die Geduld der Investoren zusätzlich strapazieren. Die Börse bewertet damit zunehmend auch die möglichen wirtschaftlichen Nebenwirkungen der neuen politischen Mehrheitsverhältnisse", erklärt der Experte.
"Klumpenrisiko aus Tech-Schwergewichten rächt sich"
Marktanalyst Jochen Stanzl von der Consorsbank weist noch auf einen weiteren Umstand hin: "An der Wall Street ist genau das eingetreten, was Anleger seit Monaten befürchten: dass sich das Klumpenrisiko aus wenigen Tech-Schwergewichten rächt und die großen Indizes mit in die Tiefe reißt, wenn sie einmal stärker fallen sollten", kommentierte er.
Was ist für Anleger jetzt zu tun? "Langfristig orientierte Anleger sollten sich vom gestrigen Rücksetzer nicht verunsichern lassen", rät Ulrich Stephan, Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden bei der Deutschen Bank. Wahlausgänge hätten die Börsen in der Vergangenheit selten nachhaltig geprägt, ergänzt der Fachmann.
Source: Tagesschau · tagesschau.de
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