Um neue KI-Rechenzentren so schnell wie möglich in Betrieb nehmen zu können und den zeitaufwendigen Anschluss ans Stromnetz zu überbrücken, greifen US-Unternehmen inzwischen auch vermehrt auf Triebwerke von ausrangierten Flugzeugen zurück. Das berichtet die New York Times und ergänzt, dass die KI-Tochter von Elon Musks Raumfahrtkonzern SpaceX acht umgebaute Triebwerke in Mississippi installiert habe, um das Rechenzentrum Colossus 2 im benachbarten Memphis (Tennessee) mit Strom zu versorgen. Das habe man anhand von offiziellen Dokumenten und Satellitenaufnahmen bestätigt. Ferner hat die US-Zeitung einen Flugzeugfriedhof in Arizona besucht, wo die neuen Interessenten die Nachfrage nach alten Flugzeugkomponenten stark gesteigert hätten.

Strom dringend gesucht

Die kreativen Wege, mit denen die großen Tech-Konzerne beim rapiden Ausbau der KI-Infrastruktur damit umgehen, dass die Stromerzeugung dem enormen Bedarf nicht gerecht wird, sind schon seit einer Weile ein Thema. Zuletzt hieß es vor allem, dass die neuen Rechenzentren verstärkt von Kraftwerken versorgt werden, die nicht ans Stromnetz angeschlossen sind. Dabei ging es beispielsweise um Gasturbinen, aber auch da ist die Nachfrage zu groß für die Hersteller. Triebwerke ausrangierter Flugzeuge könnten diese Lücke nun teilweise schließen, auch wenn sie noch ineffizienter und damit umweltschädlicher sind, legt der Zeitungsbericht nahe.

Die New York Times verweist jetzt auf den Bericht der US-Energieagentur EIA aus dem Januar, in dem es hieß, dass die Triebwerke von ausrangierten Militärflugzeugen auf der Davis-Monthan Air Force Base in Arizona insgesamt bis zu 40.000 Megawatt erzeugen könnten. Das wäre mehr als alle Kraftwerke in dem US-Bundesstaat zusammen. Unter Berufung auf das Unternehmen ProEnergy, das sich auf die Umwidmung solcher Triebwerke spezialisiert hat, schreibt die Zeitung, dass jede einzelne Turbine einer Boeing 747 etwa 50 Megawatt liefern könne. Dafür müssen die zwar umgebaut werden, aber im Vergleich zu den Alternativen sei das trotzdem deutlich schneller. Dass die weniger effizient und teurer sind als normale Gasturbinen, sei nicht relevant. Das dürfte sich aber ändern, heißt es noch.

Die Entwicklung verdeutlicht einmal mehr, was für unvorhergesehene Konsequenzen der KI-Boom in den USA schon hat. Trotz des wachsenden Widerstands werden dort massiv Rechenzentren aus dem Boden gestampft. Bei den Zwischenwahlen am Dienstag konnten Gegnerinnen und Gegner nun aber in Dutzenden Kommunen ihr Missfallen ausdrücken und das haben sie getan: Bei allen 37 bereits ausgezählten von insgesamt 41 Abstimmungen haben die Stimmen für Moratorien, Verbote oder höhere Hürden die der Gegenseite klar hinter sich gelassen. In diesem Jahr gab es damit im ganzen Land bislang keine einzige Abstimmung, die für die Betreiber solcher Rechenzentren positiv ausgegangen ist.

(mho)

Source: Heise · Martin Holland

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