1. Kameramarkt wächst, Canon und Nikon updaten – Fotonews der Woche 45/2026

Die Fotoindustrie hat Grund zur Freude: Nach Jahren des Schrumpfens zeigen die neuesten Zahlen der CIPA (Camera & Imaging Products Association) endlich wieder nach oben. Die Statistiken für September 2026 [PDF] dokumentieren die Entwicklung des globalen Kameramarktes, während die Hersteller parallel ihre Quartalszahlen veröffentlichen. Spiegellose Systemkameras entwickeln sich zum dominierenden Segment, DSLRs dagegen verlieren weiter an Bedeutung. Trotz der allgegenwärtigen Smartphone-Kameras besteht offenbar weiterhin Bedarf an Fotokameras – vielleicht hat die Generation Instagram doch gemerkt, dass ein echter Sensor und Wechselobjektive mehr können als „computational photography“ allein.

Das Titelbild der Ausgabe 06 2026 des Foto-Magazins c't Fotografie

Die c't Fotografie, Ausgabe 06 2026

(Bild: 

heise

)

Die Quartalszahlen im Detail

Nikon hat seine Ergebnisse für das zweite Quartal des Geschäftsjahres vorgelegt. Die Dokumente umfassen detaillierte Finanzberichte [PDF], Präsentationen und Erläuterungen zur Geschäftsentwicklung im Imaging-Bereich. Wer sich durch japanische Geschäftsberichte wühlen möchte, findet auf der Investor-Relations-Website alle Details – aufgeteilt in diverse PDFs, die vermutlich nur Finanzanalysten und hartgesottene Nikon-Fans wirklich komplett durchlesen.

Sony präsentiert seine Zahlen für das zweite Quartal des Geschäftsjahres in gewohnter Gründlichkeit. Präsentation [PDF], Management-Rede [PDF] und vollständiger Finanzbericht [PDF] geben Einblick in die verschiedenen Geschäftsbereiche, darunter die Imaging & Sensing Solutions-Sparte, die für Kameras und Sensoren verantwortlich ist. An Sensoren verdient Sony bekanntlich prächtig – in eigenen Kameras wie in denen der Konkurrenz. Eine komfortable Position.

Die branchenweiten CIPA-Statistiken ergänzen diese Unternehmensdaten mit Verkaufszahlen für verschiedene Kameratypen und Regionen. Trocken, aber aufschlussreich.

Canon: Firmware-Updates für professionelle Anwender

Canon hat Firmware-Updates für seine Cinema EOS Kameras angekündigt. Das Unternehmen folgt damit seiner Strategie, bestehende Kameras durch Software-Updates kontinuierlich zu verbessern, statt ausschließlich auf neue Hardware zu setzen.

Professionelle Anwender schätzen diese Produktpflege, weil sie die Investition in hochwertige Kameragehäuse über längere Zeiträume absichert. Wer mehrere tausend Euro für einen Body ausgibt, freut sich verständlicherweise, wenn dieser nicht nach zwei Jahren zum Software-Fossil wird. Canon scheint das verstanden zu haben.

Nikon ZR: Großes Firmware-Update verbessert Videofunktionen

Das Update für die Nikon ZR bringt Version 2.0 der Firmware und konzentriert sich auf deutliche Verbesserungen im Videobereich. Das Update soll die Videoqualität verbessern und zusätzliche Kontrollmöglichkeiten hinzufügen.

Es handelt sich um das erste große Firmware-Update für die Nikon ZR – ein Signal, dass Nikon die Videofähigkeiten seiner spiegellosen Kameras ernst nimmt. Die Verbesserungen richten sich an Hybrid-Shooter, die ihre Kamera für Fotografie und professionelle Videoproduktionen gleichermaßen einsetzen. In Zeiten, in denen YouTube-Creator und Filmemacher oft dasselbe Equipment nutzen, ist das ein kluger Schachzug.

Dass Nikon hier nachbessert, dürfte auch eine Reaktion auf die Konkurrenz sein. Sony und Canon haben im Videobereich bereits starke Positionen, Panasonic war lange der Platzhirsch für Hybrid-Kameras. Nikon holt auf und das ist gut für alle, die nicht drei verschiedene Kameras für drei verschiedene Anwendungen kaufen wollen.

c't Fotografie Zoom In abonnieren

c't Fotografie Zoom In abonnieren

Ihr Newsletter mit exklusiven Foto-Tipps, spannenden News, Profi-Einblicken und Inspirationen – jeden Samstag neu.

E-Mail-Adresse

Ausführliche Informationen zum Versandverfahren und zu Ihren Widerrufsmöglichkeiten erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Eine fotografische Legende wird geehrt

Die Sony World Photography Awards haben James Barnor mit dem „Outstanding Contribution to Photography Award 2027“ ausgezeichnet. Eine Anerkennung, die mehr als verdient ist.

James Barnor, geboren 1929 in Ghana, gilt als Ghanas erster Fotojournalist. Die World Photography Organisation würdigt ihn mit zehn wissenswerten Fakten über sein Leben und Werk – eine Lektüre, die sich lohnt, denn Barnors Geschichte ist faszinierend. PetaPixel bezeichnet ihn als Pionier und betont die Bedeutung seiner Arbeit für die Fotografiegeschichte.

Der „Outstanding Contribution to Photography Award“ gehört zu den prestigeträchtigsten Auszeichnungen im Rahmen der Sony World Photography Awards. Er wird an Fotografen verliehen, die einen außergewöhnlichen und nachhaltigen Beitrag zur Fotografie geleistet haben. Barnors Werk dokumentiert über Jahrzehnte hinweg das Leben in Ghana und in der ghanaischen Diaspora, insbesondere in London, wo er zeitweise lebte und arbeitete.

Seine Fotografien sind historische Dokumente, die die postkoloniale Entwicklung Ghanas und die Erfahrungen afrikanischer Migranten in Europa festhalten. Was seine Bilder so besonders macht: Sie zeigen ein selbstbewusstes, modernes Afrika jenseits kolonialer Klischees. Farbenfrohe Porträts, Straßenszenen voller Leben, Mode und Alltag. Barnors Kamera fing ein, was die westliche Bildberichterstattung jahrzehntelang ignorierte. Dass er erst in den letzten Jahren die internationale Anerkennung erhält, die ihm gebührt, sagt einiges über die Sehgewohnheiten und blinden Flecken der westlichen Kunstwelt aus. Umso wichtiger, dass die Sony World Photography Awards mit dieser Ehrung ein Zeichen setzen.

Kodak und „Once Upon a Time in Harlem“

Kodak wirbt auf seinem Motion Picture Blog für den Film „Once Upon a Time in Harlem“, der auf Kodak-Filmmaterial gedreht wurde. Eine eigene Website liefert Hintergrundinformationen zum Projekt, und das Film Lincoln Center in New York führt ihn in seinem Programm – ein Hinweis auf eine ernstzunehmende Produktion.

Der Film beschäftigt sich thematisch mit Harlem und dessen kultureller Bedeutung. Kodak nutzt solche Produktionen geschickt, um die anhaltende Relevanz von analogem Filmmaterial in der Kinematografie zu demonstrieren. Cleveres Marketing: Während digitale Kinokameras längst Standard sind, schwören einige Regisseure nach wie vor auf den Look von echtem Film. Christopher Nolan dreht auf Film, Quentin Tarantino ebenso – solange solche Namen dabei bleiben, hat Kodak auch eine Nische.

Durch die Unterstützung solcher Projekte positioniert sich Kodak als Bewahrer der analogen Filmtradition in einer zunehmend digitalen Produktionslandschaft. Für Fotografen ist die Botschaft klar: Auch für Standbilder gibt es noch Zelluloid. Wer allerdings glaubt, analoge Fotografie werde zum Massenphänomen, dürfte sich täuschen. Als Kunstform und für besondere Projekte aber hat sie ihren Platz. Und wer einmal im Rotlicht der Dunkelkammer gestanden und zugesehen hat, wie ein Bild im Entwickler langsam erscheint, versteht die Faszination.

Was bleibt von dieser Woche?

In der ersten Novemberwoche 2026 zeigt sich die Fotowelt von ihrer vielseitigen Seite. Marktdaten belegen, dass Kameras noch lange nicht tot sind. Firmware-Updates halten bestehende Geräte aktuell – ein Ansatz, den man sich von anderen Branchen wünschen würde, statt alle zwei Jahre neues Equipment kaufen zu müssen. Und Ehrungen wie die für James Barnor erinnern daran, dass Fotografie mehr ist als Technik: Sie ist Zeugnis, Kunst und kulturelles Gedächtnis.

James Barnor hat mit seiner Kamera Geschichte geschrieben – ganz ohne Firmware-Update, ohne Autofokus, ohne 8K-Video. Nur mit Licht, Film und einem unbestechlichen Blick für das, was zählt.

(tho)

Source: Heise · Thomas Hoffmann

At a glance

Topic
Technology
Country
🇩🇪 DE
Publisher language
DE
Added to Allnira