Die USA und Israel bereiten offenbar Militärschläge gegen Iran vor. Parallel laufen neue diplomatische Initiativen: Katar vermittelt und US-Vizepräsident Vance soll einen Brief geschrieben haben.
29.10.2026, 03.28 Uhr
Briefautor JD Vance: Rahmenbedingungen für Verhandlungen eruieren
Foto: Tierney L. Cross / The New York Times / APIn den festgefahrenen Friedensbemühungen im Irankrieg haben die US-Seite sowie Vermittler Medienberichten zufolge neue Anstrengungen unternommen. Zum einen soll US-Vizepräsident JD Vance einen Brief an Mohsen Rezaee, Generalsekretär des iranischen Sicherheitsrats, geschrieben haben, um Rahmenbedingungen für Verhandlungen zu eruieren.
Zum anderen sollen die Vermittler um Katar Iran dazu drängen, Uno-Inspektoren Zugang zu den bombardierten Atomanlagen zu gewähren. Offizielle Bestätigungen liegen dafür nicht vor.
Wie das »Wall Street Journal« unter Verweis auf ungenannte Quellen berichtete, will Vance mit dem Brief herausfinden, ob sich geplante Militärschläge gegen Iran noch auf diplomatischem Wege abwenden lassen.
Irans Außenminister Araghchi: Enger und ständiger Kontakt mit Vermittlern
Foto: Igor Ivanko / REUTERSZuletzt war immer wieder diskutiert worden, dass die USA möglicherweise mit Israel nach den US-Midterms Iran angreifen könnten . Die Zwischenwahlen finden am Dienstag statt. In dem Brief soll es dem Bericht zufolge um Rahmenbedingungen für Verhandlungen gehen, nicht um einen konkreten Vorschlag für ein Ende des Krieges.
US-Präsident Donald Trump bestritt einen entsprechenden Inhalt des Briefes auf Nachfrage. Bei Vance’ Initiative gehe es vielmehr darum, dass Iran Hilfe bei der Beschaffung von medizinischen Hilfsgütern und anderen Dingen brauche. »Er hat mich gefragt, was ich davon halte, ich habe gesagt: ›Wenn du das machen willst, ist das in Ordnung.‹«
Zugang zu Nuklearanlagen
Unterdessen berichtete das Portal »Axios« unter Berufung auf ungenannte Quellen, regionale Vermittler unter der Führung von Katar arbeiteten daran, neue Verhandlungen zwischen Teheran und Washington zu ermöglichen und so ein Wiederaufflammen des Krieges zu verhindern.
Die Katarer bemühen sich demnach, Iran davon zu überzeugen, Uno-Inspektoren den Zugang zu seinen bombardierten Nuklearanlagen zu gewähren. Im Gegenzug sollen gewisse US-Sanktionen gelockert werden. Ob Teheran auf den Vorschlag eingegangen ist, ist nicht bekannt.
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Irans Außenminister Abbas Araghchi teilte auf X mit, trotz Kampfbereitschaft gebe Iran der Diplomatie weiter eine Chance. »Wir stehen weiterhin in engem und ständigem Kontakt mit Vermittlern, um Vorschläge zu prüfen, die die Umsetzung unseres Sieben-Tage-Plans in weniger als einer Woche gewährleisten können.« Der Plan sieht eine schrittweise Deeskalation vor, wurde von Washington aber bisher abgelehnt.
Warnung vor baldigen Angriffen
US-Beamte haben offenbar mehrere Länder im Nahen Osten und regionale Verbündete aufgefordert, sich auf mögliche erneute Militäraktionen gegen Iran nach den US-Zwischenwahlen in der kommenden Woche vorzubereiten. Ebenso sollten sie sich auf die Möglichkeit vorbereiten, dass Iran versuchen könnte, Vergeltungsmaßnahmen gegen sie zu ergreifen.
Dies berichten laut Nachrichtenagentur AP zwei Diplomaten, die sich unter der Bedingung der Anonymität äußern wollten, da sie nicht befugt waren, sich zu den heiklen Warnungen zu äußern, die von US-Diplomaten und Vertretern des Verteidigungsministeriums übermittelt wurden.
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Präsident Trump habe noch keine endgültige Entscheidung darüber getroffen, ob neue Angriffe gegen Iran durchgeführt werden sollen, betonten die Diplomaten. Er habe jedoch wiederholt erklärt, dass er erwäge, neue Militäraktionen anzuordnen, sobald die entscheidenden Wahlen am 3. November in den USA vorbei seien.
In der Region herrsche große Nervosität, dass Teheran schon vor den Midterms etwas Provokatives unternehmen könnte, sagte Jonathan Schanzer, Geschäftsführer der »Foundation for Defense of Democracies«, ein Thinktank mit dem Fokus auf Sicherheits- und Außenpolitik aus Washington.
Provokationen seien denkbar, wenn man in Iran das Gefühl habe, dass Maßnahmen der USA unmittelbar bevorstünden, so Schanzer. »Warum sollten sie bis nach den Wahlen warten, wenn sie den Konflikt selbst auslösen und möglicherweise die Oberhand gewinnen könnten?«
hda/dpa/AP
Source: Der Spiegel · DER SPIEGEL
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