125 Millionen Jahre nach dem Tod eines jungen Dinosauriers hat ein Forscherteam vom Natural History Museum in London die Überreste des Tiers als neue Art im »Journal of Systematic Palaeontology« beschrieben. Der Name des Pflanzenfressers lautet nun: Paludohadros proudlovii.

Der Gattungsname Paludohadros leitet sich vom lateinischen Wort palus (Sumpf) ab. Er verweist auf die sumpfige Umwelt am Fundort im heutigen Südengland während der frühen Kreidezeit.

Der griechische Wortteil hadros steht für kräftig oder stämmig. Der untersuchte Dino sei geschätzt etwa fünf Meter lang und rund 1,5 bis zwei Tonnen schwer gewesen, sagte Erstautor Ricardo Sacamoto der Nachrichtenagentur dpa. Es handle sich wahrscheinlich noch um ein Jungtier. Als ausgewachsenes Tier hätte es potenziell doppelt so groß werden können. Beim Gehen nutzte der Dinosaurier laut Sacamoto wohl seine zwei Beine und seine zwei kräftigen Arme. Er habe sich aber gelegentlich auch aufgerichtet.

Mit dem Artnamen proudlovii ehrt das Team den mit 35 Jahren gestorbenen William Proudlove. Der frühere Betriebsleiter der Tongrube Smokejacks Pit starb im Jahr 2000, kurz bevor das Fossil dort ausgegraben wurde, und hinterließ eine junge Familie.

Markanter Dorn

Das Fossil wurde 2001 entdeckt und dem Natural History Museum geschenkt. Lange Zeit wurden die in Südengland gefundenen Iguanodontia schlicht nur zwei Arten zugeordnet. Erst seit einigen Jahren werden sie differenzierter betrachtet, was zu etlichen neu benannten Dinos geführt hat.

Typisch für Iguanodontia ist ihr typisch markanter Dorn am Ende des ersten Fingers. Die Daumendornen hatten einen knöchernen Kern. Mit ihnen konnten sie sich nach Ansicht von Forscherinnen und Forschern gegen fleischfressende Saurier verteidigen. Sie nutzten den Daumendorn auch, um Zweige herunterzuziehen.

Mithilfe von Computertomografien fand das Forscherteam nun heraus, dass das Tier aus der Tongrube anders ist als andere Iguanodontia. Zahn- und Knochenmerkmale unterscheiden sich demnach so sehr, dass es sich um eine neue Gattung handelt.

Woran der junge Dino starb, weiß das Forscherteam nicht. Paludohadros proudlovii lebte jedoch mit einem gefährlichen Nachbarn: dem zweibeinigen Fleischfresser Baryonyx walkeri. »Paludohadros wurde nur 100 Meter von Baryonyx entfernt gefunden, dessen Fossilien wir ebenfalls im Natural History Museum aufbewahren», sagte Hauptautorin Susannah Maidment von dem Museum in London. Zu den letzten Mahlzeiten von Baryonyx habe auch ein junger Iguanodontia gehört.

Mehr zum Thema

  • 4 Min

  • 4 Min

  • 4 Min

Dennoch lasse sich aus den Überresten nichts zur Todesursache ableiten, sagte Sacamoto. Mehrere Teile des Skeletts würden fehlen und an den erhaltenen Knochen seien keine erkennbaren Spuren von Fraßschäden oder Krankheiten.

Steinreiche Privatiers und Ölmonarchen treiben die Preise für Dinosaurierskelette in schwindelerregende Höhen. Museen können nicht mehr mithalten, Wissenschaftler müssen hoffen, dass sich die Käufer gnädig zeigen. Mehr über das Skelett des Tyrannosaurus rex »Gus«, das für 43 Millionen Dollar (zuzüglich Gebühren) versteigert wurde, lesen Sie hier .

Source: Der Spiegel · DER SPIEGEL

At a glance

Topic
World
Country
🇩🇪 DE
Publisher language
DE
Added to Allnira