Nach der Parlamentswahl in Israel am Dienstag steht das finale Ergebnis noch aus. Aber alles deutet auf eine politische Pattsituation hin. Einwohner von Tel Aviv äußerten sich am Mittwochmorgen bestürzt über die aktuelle Situation.
"Ich glaube, die Wahlergebnisse werden verheerende Auswirkungen auf Israel und das jüdische Volk weltweit haben."
"Bis gestern dachten wir – die Gruppe, zu der ich gehöre –, dass wir die Mehrheit der Menschen bilden, die sich einen Wandel in Israel wünschen. Die Zahlen belegen, dass wir uns geirrt haben. Die Mehrheit in Israel will keinen Wandel. Sie möchte den gegenwärtigen Zustand beibehalten. Sie sucht nicht nach Hoffnung. Sie sucht nicht nach einer neuen Situation."
"Es ist eine große Enttäuschung. Wir haben so schwere Dinge durchlebt, und doch gibt es selbst nach all dem keine Veränderung in unserem Land. Ich finde, das ist wirklich das Schlimmste. Wir versuchen zwar, die Hoffnung zu bewahren, aber das ist verdammt schwer – denn wir haben das Schlimmste durchgemacht, was man sich überhaupt vorstellen kann. Und wenn es selbst danach zu keiner Veränderung in unserem Land kommt, dann ist das wirklich enttäuschend. Mir kommen fast die Tränen."
"Ich bin schockiert. Ich bin schockiert darüber, dass Benjamin Netanjahu nach allem, was geschehen ist – insbesondere nach dem 7. Oktober –, so viele Stimmen erhalten hat. Was sich im Westjordanland unter Ben-Gvir und Smotrich abspielt, ist entsetzlich. Es ist schlecht für Israel. Es ist schlecht für amerikanische Juden. Wenn diese Regierung im Amt bleibt, wird das allen schaden. Deshalb hoffe ich, dass es der Opposition gelingt, eine Koalition zu bilden."
Nach Prognosen israelischer Fernsehsender verfehlten sowohl das Lager von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu als auch das Oppositionsbündnis des ehemaligen Generalstabschefs Gadi Eisenkot die für eine Regierungsbildung notwendige Mehrheit von 61 der 120 Sitze in der Knesset. Die Pattsituation könnte es Netanjahu nun allerdings ermöglichen, während der voraussichtlich langwierigen Koalitionsverhandlungen als geschäftsführender Regierungschef im Amt zu bleiben.
Source: Die Zeit
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