Wer das Dresdner Heinrich-Schütz-Konservatorium erreichen möchte, muss mitunter die viel befahrene Glacisstraße überqueren. Weil ein sicherer Überweg mehrere Hundert Meter entfernt war, haben Unbekannte im vergangenen Sommer kurzerhand einen Zebrastreifen vor die Musikschule gemalt. Die Stadt sperrte diesen zunächst – nun ist er legalisiert worden.
»Jeder neue Zebrastreifen macht den Alltag vieler Menschen ein Stück sicherer. Wir bauen sie nicht zufällig, sondern dort, wo unsere Fußverkehrsstrategie und die Schulweganalysen den größten Bedarf zeigen«, sagte Baubürgermeister Stephan Kühn (Grüne) dazu am Freitag. Die Stadt Dresden ließ sich den Übergang in der Glacisstraße rund 44.000 Euro kosten und kündigte weitere Übergänge an.
Der Selfmade-Zebrastreifen war im August 2025 aufgetaucht und sah nicht unbedingt authentisch aus. Seinen Zweck erfüllte er offenbar dennoch: »Verrückterweise hat der funktioniert (…). Die Autos haben angehalten, die Schülerinnen und Schüler konnten den Zebrastreifen benutzen«, sagte Stefan Kraft, Vorsitzender des Kreiselternrates Dresden, seinerzeit.
Die Stadt war jedoch wenig begeistert und sperrte die Überquerung kurzerhand mit Warnbarken ab. Anschließend wurde die Farbe entfernt. Es handle sich bei falschen Zebrastreifen nicht nur um eine Sachbeschädigung, sondern auch um einen gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr, hieß es zur Begründung. Ferner stellten eigenmächtig angebrachte Verkehrszeichen eine Ordnungswidrigkeit nach Straßenverkehrsordnung dar.
Für einen sicheren Weg über die Straße mussten Schulkinder, Anwohnerinnen und Anwohner daraufhin wieder weit laufen – zumindest theoretisch. »Niemand läuft 300 Meter nach links oder nach rechts, um die Straße zu überqueren«, so Kraft.
Nun wurde der eigenmächtig installierte Zebrastreifen faktisch rückwirkend legalisiert – und im Rathaus stolz gefeiert: »Dass wir in diesem Jahr sieben neue Fußgängerüberwege fertigstellen und für 2027 bereits neun weitere geplant haben«, sei ein »wichtiger Schritt für einen sicheren Fußverkehr in ganz Dresden«, erklärte Kühn. Im Fall der Glacisstraße sollen zwei zusätzliche Leuchten dafür sorgen, dass Fußgänger am Übergang auch bei Dunkelheit besser zu erkennen sind. Rillen- und Noppenplatten helfen Menschen mit Sehbehinderung, den Überweg zu finden. Auf dem gesamten Straßenabschnitt gilt nun Tempo 30.
Source: Der Spiegel · DER SPIEGEL
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