Neue Berechnungen des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung zeigen: Die Lebenserwartung steigt. Doch es gibt Unterschiede zwischen den Bundesländern und den Geschlechtern.

04.11.2026, 11.16 Uhr

Paar beim Spaziergang: Tabakkonsum als mögliche Erklärung Paar beim Spaziergang: Tabakkonsum als mögliche Erklärung

Paar beim Spaziergang: Tabakkonsum als mögliche Erklärung

Foto: Jens Büttner / dpa

Wer in Baden-Württemberg lebt, wird statistisch gesehen am ältesten. Frauen werden hier durchschnittlich 84,6 Jahre alt, Männer 80,6. Der größte Unterschied zwischen den Geschlechtern findet sich den Berechnungen zufolge im Osten der Republik: Männer leben hier fast überall mehr als fünf Jahre kürzer als Frauen. Die größte Differenz gibt es in Mecklenburg-Vorpommern mit 6,4 Jahren. Im Saarland ist mit 3,7 Jahren der kleinste Abstand zu beobachten.

Laut der Studie, die auf der Todesfallstatistik des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden basiert, nimmt die Lebenserwartung für Männer in ganz Deutschland zu. In Bayern erreichten Männer erstmals die 80-Jahre-Marke. Nach Baden-Württemberg ist die Lebenserwartung für Männer dort nun am höchsten, in Sachsen-Anhalt (76,8 Jahre) und Mecklenburg-Vorpommern (77) am niedrigsten.

Woher die Unterschiede kommen könnten

Am längsten leben Frauen nach Baden-Württemberg in Sachsen und Bayern mit jeweils 84,3 Jahren. In Schleswig-Holstein (-0,1 Jahre), Bremen (-0,1) und Brandenburg (-0,2) sind die Werte im Vergleich zu 2024 für Frauen allerdings rückläufig. In Thüringen wurde ein Minus von einem halben Jahr verzeichnet, der stärkste Rückgang.

Während die Lebenserwartung der Männer erstmals in allen Bundesländern über dem Vor-Corona-Niveau von 2019 liegen, bleiben Frauen in sieben Ländern darunter (Saarland, Bremen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Thüringen und Brandenburg). Im Durchschnitt steigt die Lebenserwartung jedoch auch bei Frauen, wenngleich weniger als bei Männern.

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Eine mögliche Erklärung für die unterschiedlichen Entwicklungen zwischen den Geschlechtern könnte der Tabakkonsum sein. »Unter Männern war starkes Rauchen im 20. Jahrhundert sehr viel weiter verbreitet als unter Frauen«, sagt Pavel Grigoriev, Leiter der Forschungsgruppe Mortalität am BiB. »Der Tabakkonsum ebbte bei Männern aber schon vor mehreren Jahrzehnten ab, sodass die negativen Folgen bereits zurückgehen.« Frauen hingegen hätten erst in den Siebzigerjahren damit angefangen. Die damit verbundenen negativen Folgen nähmen daher bei ihnen noch zu.

Die unterschiedlichen Lebenserwartungen zwischen den Bundesländern sind unter anderem mit den unterschiedlichen Lebensbedingungen zu erklären. Einkommen, Bildung und Arbeitslosigkeit zählen zu den stärksten Faktoren. Menschen mit niedrigem Einkommen und geringer Bildung sterben im Schnitt früher. Auch die Ärztedichte sowie die Entfernung zu Kliniken und Fachärzten spielen eine Rolle.

mlb/dpa

Source: Der Spiegel · DER SPIEGEL

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