Erneut gelingt dem internationalen Sicherheitsteam Calif.io, zu dem auch der bekannte deutsche Sicherheitsforscher Stefan Esser gehört, ein spektakulärer Angriff auf iOS. Wie die Gruppe in einem Video auf X (siehe unten) demonstriert, ist es ihr erstmals gelungen, Apples eigentlich als sicher geltenden Lockdown-Mode alias Blockierungsmodus zu überwinden. Dieser sperrt diverse Einfallstore, etwa über iMessage-Nachrichten oder E-Mails, um iPhones besser vor Angriffen zu schützen, erschwert allerdings auch die Nutzerbequemlichkeit. Apple hatte zuletzt im Frühjahr 2026 mitgeteilt, dass Geräte, die den Blockierungsmodus aktiv geschaltet haben, „noch nie gehackt“ worden seien. Das gilt nun offensichtlich nicht mehr. Doch dabei bleibt es nicht: Der Exploit bleibt auch über ein Update des Betriebssystems (!) hinaus persistent. Auch das gilt als äußerst ungewöhnlich.

Erst Jailbreak, jetzt Lockdown-Mode

Calif.io machte bislang noch keine genauen Angaben zu den Hintergründen. Aus dem veröffentlichten Video lässt sich allerdings einiges schließen. Der Angriff beginnt mit einem Gerät, auf dem eine iOS-Version vor 27.2 läuft. Die Sicherheitsforscher hatten im Oktober bereits einen spektakulären Jailbreak bis hoch zu iOS 27.0.1 präsentiert, der sogar auf den allerneuesten iPhones wie dem 18 Pro lief. Dieser war „untethered“, das heißt, er überstand auch Neustarts, ohne dass ein Gerät, das das iPhone erneut hackt, angeschlossen bleiben musste. Einer der Einstiege war eine Lücke in der PDF-Anzeige.

Es reichte, eine solche Datei auf dem Gerät zu öffnen. Die „meisten“ der für den Jailbreak verwendeten Fehler wurden laut Calif.io mit iOS 27.2 behoben. Der neue Exploit der Sicherheitsforscher setzt erneut auf ein PDF-Problem: Das Opfer erhält das infizierte Dokument via AirDrop und der Angriff beginnt. Dabei ist der Blockierungsmodus aktiv – er hilft hier augenscheinlich nicht. Warum genau, ist noch unklar. Nach kurzer Zeit ist das Gerät geknackt und zeigt eine von den Sicherheitsexperten entwickelte Animation.

Zugriff auf OpenAI-„Cyber“-Modell

Danach geht es aber noch weiter: Das Opfer versucht, den Exploit loszuwerden, indem es ein iOS-Update einspielt. Doch auch das klappt nicht: Selbst nach dem Einspielen von iOS 27.2 bleibt der Angriff erhalten und macht sich sogar schon bei der Eingabe der Geräte-PIN bemerkbar. Damit durchdringt Calif.io nicht nur erfolgreich den Blockierungsmodus, sondern der Exploit lässt sich auch durch ein Update, das die eigentlichen Angriffsflächen vermutlich gepatcht hatte, nicht abschütteln.

Die Sicherheitsforscher nutzen – neben ihrer eigenen langjährigen Erfahrung – zum Auffinden von Exploits auch KI. Laut einem Vortrag, den Calif.io gehalten hat, haben die Forscher Zugriff auf ein noch unveröffentlichtes „Cyber“-Modell der Astra-Reihe von OpenAI. Zero- bis One-Click-Angriffe sollen sich damit – mit den richtigen Prompts, Skills und Primitives – in wenigen Stunden erstellen lassen. Bei einigen so erstellten Exploits hätten die Sicherheitsexperten nicht geglaubt, dass sie echt seien.

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(bsc)

Source: Heise · Ben Schwan

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