- Smart Reports: Was Vorgesetzte über die Claude-Nutzung von Mitarbeitern erfahren
Mit „Smart Reports“ hat Anthropic eine neue Funktion angekündigt, mit der Führungskräfte theoretisch die Claude-Nutzung ihrer Mitarbeiter überwachen können. Soweit zumindest die Theorie. In einem Beitrag auf der Hilfeseite weist das Unternehmen nämlich selbst darauf hin, dass die Funktion nicht dafür konzipiert wurde, individuelle Leistungen zu bewerten oder Beschäftigungsentscheidungen zu treffen. Aber wozu dienen die „Smart Reports“ dann?
Unternehmen sind von hohen Kosten überrascht
Laut einer AWS-Studie setzen nur 15 Prozent der deutschen Unternehmen KI so umfassend ein, dass daraus neue Produkte oder Prozesse entstehen. Der Trend ist sogar rückläufig, denn im Vorjahr waren es noch 21 Prozent. Ein Grund ist finanzieller Natur: So gab im Rahmen einer Umfrage des Digitalverbandes Bitkom ein Drittel der Firmen in Deutschland an, dass sie von den hohen Kosten ihres KI-Einsatzes überrascht wurden. Auch Torsten Slok, Chefökonom bei dem US-amerikanischen Vermögensverwalter und Finanzinvestor Apollo Global Management, hat in einer Analyse erklärt, dass Unternehmen außerhalb der Tech-Branche bisher nicht messbar von der Technologie profitieren. Stattdessen würde der Einsatz immer öfter als Kostenfaktor betrachtet, der die Margen belastet.
Um die Kosten im Blick zu behalten, setzen einige jetzt auf das sogenannte Modelmaxxing. Anders als beim Tokenmaxxing-Trend, bei dem es darum geht, den eigenen Verbrauch möglichst in die Höhe zu treiben, zielt das Modelmaxxing auf das genaue Gegenteil ab. Anstatt pauschal die teuersten und leistungsfähigsten Spitzenmodelle zu verwenden, nutzen Unternehmen je nach Aufgabe gezielt unterschiedliche KI-Modelle. Aus diesem Trend sind sogar schon erste „Model Routing“-Startups entstanden. Sie bieten Plattformen, die Aufgaben je nach Komplexität dem Modell zuweisen, das möglichst kosteneffizient arbeitet. Andere haben begonnen, ihren Tokenverbrauch zu tracken. Auch die neue Analysefunktion von Anthropic setzt genau hier an.
„Smart Reports“ soll besseren Überblick bieten
Laut Unternehmensangaben können die neuen, smarten Berichte Einblick in unterschiedliche Bereiche geben. Sie zeigen zum Beispiel, wie ein Team Claude konkret nutzt und welche Aufgaben erledigt werden. Dabei wird auch ersichtlich, welche Kosten zum Listenpreis anfallen, wo es zu Reibungsverlusten kommt und welche wiederkehrenden Muster sich effizienter bündeln lassen. Die Funktion steht Enterprise-Kunden kostenlos zur Verfügung, ist aber standardmäßig deaktiviert. Jedes Unternehmen kann monatlich bis zu zehn Berichte erstellen.
Nur autorisierte Führungskräfte haben Zugriff auf die Funktion. Sie legen fest, was analysiert wird – etwa ein bestimmter Zeitraum oder die Arbeit eines Teams. „Claude liest dann eine Stichprobe der Transkripte in diesem Umfang, gruppiert sie nach Arbeitsabläufen und Ausgabetypen, ordnet jeder Gruppe die entsprechenden Kosten zu und fasst die Ergebnisse zusammen“, heißt es in dem Anthropic-Beitrag. Sitzungen, die Claude als vertraulich einstuft, sollen nur in die aggregierte Analyse einfließen und keine persönlichen Details enthalten. Anthropic weist darauf hin, dass dieser Einblick nicht der individuellen Beurteilung einzelner Mitarbeiter oder Teams dienen soll. Trotzdem lassen die „Smart Reports“ Rückschlüsse auf ihre Effizienz zu.
Welche Rolle spielt der geplante Börsengang?
Laut Futurism könnte die neue Funktion ein Versuch von Anthropic sein, neue Unternehmenskunden zu gewinnen, die bisher Probleme mit der Kostenkontrolle ihres KI-Einsatzes hatten. Medienberichten zufolge sollen diese rund 80 Prozent des Umsatzes des Claude-Anbieters ausmachen. Neue Funktionen, die gezielt die Bedürfnisse dieser Zielgruppe ansprechen, könnten daher im Vorfeld des Börsengangs eine wichtige Rolle spielen.
Dieser Beitrag ist zuerst auf t3n.de erschienen.
(jle)
Source: Heise · Noëlle Bölling
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