Hape Kerkeling wäre nicht Hape Kerkeling, wenn er nicht auch im Moment der Niederlage Größe zeigen würde. Offiziell verkündet ist es zwar noch nicht, doch für das Amt des Bundespräsidenten hat sich die Union nach SPIEGEL-Informationen auf CSU-Frau Ilse Aigner als Kandidatin geeinigt. Noch bevor diesen Sonntagabend das CDU-Präsidium über die Personalie berät, hat sich Kerkeling aber schon aus dem Kandidaten-Rennen verabschiedet.
»Ich wünsche Ilse Aigner von Herzen nur das Beste für diese wundervolle Aufgabe«, sagte der Entertainer in einem kurzen Instagram-Clip. Der Weg ins Schloss Bellevue, den Amtssitz des Staatsoberhaupts, führe über den politischen Betrieb. »Das ist der demokratische Prozess und den respektiere ich vollkommen«, sagte Kerkeling.
»Ihr wünscht euch jemanden, der kein Berufspolitiker ist«
In den vergangenen Wochen war der 61-Jährige öffentlich verstärkt mit politischen Botschaften aufgefallen. Bei einer Debatte am Tag der Deutschen Einheit im Thüringer Landtag erneuerte er seine Forderung nach einem Verbot der rechtsextremen AfD – und sah sich daraufhin heftigen Anfeindungen von Rechts ausgesetzt. Sein anhaltender Aufruf zur Verteidigung von Freiheit und Demokratie kam jedoch auch bei vielen gut an. Zuletzt verlangten rund 170.000 Anhänger in einer Onlinepetition , Kerkeling Anfang 2027 in der Bundesversammlung zum Bundespräsidenten zu wählen, als Nachfolger von Frank-Walter Steinmeier.
Kerkeling selbst hielt das angesichts des andauernden Zuspruchs von vielen Seiten irgendwann offenbar auch für möglich. Zumindest hatte er im Sommer nach einer Preisverleihung in eine TV-Kamera gesagt: »Nach all dem, was in der Welt geschieht und wenn ich mir anschaue, wer an der Spitze von Nationen steht, ich schließe nichts mehr aus.«
Kurz vor der erwarteten Kür Ilse Aigners bedankte sich Kerkeling nun bei seinen Anhängern. »Ich lese Eure Kommentare und das macht mich demütig«, sagte er. »Danke für jeden einzelnen Klick.«
Zugleich gab er zu erkennen, dass er auch weiterhin für Freiheit und Demokratie kämpfen wolle. »Das Vertrauen in unsere Demokratie wackelt derzeit gewaltig«, sagte er. »Aber Eure Unterstützung zeigt mir: Ich bin nicht allein, wir sind nicht allein. Ihr wollt eine Gesellschaft, die einander wieder zuhört, Zusammenhalt und Zuversicht. Genau das braucht unser Land jetzt.«
Gerichtet an seine Anhängerinnen und Anhänger, sagte Kerkeling: »Ihr wünscht euch jemanden von außen, der kein Berufspolitiker ist, sondern Klartext spricht, ohne dabei laut zu werden.« Auch wenn er jetzt nicht Bundespräsident werde: »Hört bitte niemals auf, Euch einzumischen«, sagte Kerkeling. »Wichtig ist, dass wir laut bleiben für unsere Werte.«
Source: Der Spiegel · DER SPIEGEL
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