In der Stadt Lopburi, rund zwei Autostunden von Bangkok entfernt, hangeln sich Affen an Stromleitungen entlang, andere klettern eine Hausmauer hoch. Ein Junges krallt sich am Bauch seiner Mutter fest, die im Vorbeigehen mit den Zähnen fletscht. Die Langschwanz-Makaken sind eine Attraktion für Touristinnen und Touristen, für viele Einheimische jedoch eine Plage.

Legende: In der thailändischen «Stadt der Affen» Lopburi sind die Makaken allgegenwärtig. SRF/Martin Aldrovandi

Manad Vimuktipune, Leiter der Lopburi Monkey Foundation, zählt sieben Tiere allein in einer Seitengasse. Seit fünfzehn Jahren vermittelt er bei Konflikten, etwa wenn die Affen Geschäfte überfallen. Doch es gibt ein düstereres Problem als genervte Anwohner: Wilderer.

Wilderei vor der eigenen Haustür

Manad erzählt von einem Vorfall direkt vor seiner Haustür: Ein junger Affe wurde mit Obst auf die Ladefläche eines Pick-up-Trucks gelockt. Sobald das Tier zugriff, schloss sich eine Klappe und das Fahrzeug raste davon. Solche Fälle häufen sich.

Legende: Tierschützer Manad Vimuktipune setzt sich für den Lebensraum der Makaken in der Stadt ein. SRF/Martin Aldrovandi

«Die Wilderer schmuggeln die Affen ins Ausland. Dort werden sie weiterverkauft. Es gibt einen lukrativen Schwarzmarkt», erklärt der Tierschützer. Etwa im Nachbarland Kambodscha. Immer wieder tauchen in den Medien grausame Bilder von Affen auf, die in Säcke gestopft gefunden wurden.

Die Tierärztin Juthamas Supanam in Lopburi behandelt regelmässig Makaken.

Legende: Tierärztin Juthamas Supanam setzt sich für den Schutz der Makaken ein. SRF/Martin Aldrovandi

Während sie ein Affenbaby mit deformierten Beinen namens «Mermaid» im Arm hält, berichtet auch sie von der gezielten Jagd. Einmal verfolgte sie selbst ein Auto mit geraubten Affen, verlor es aber aus den Augen. «Danach habe ich bei der Polizei Anzeige erstattet.» Die Polizei habe schliesslich einen Käfig gefunden sowie Betäubungspfeile und Beruhigungsmittel.

Unersetzlich für die medizinische Forschung

Der Grund für die hohe Nachfrage nach den Affen: ihre genetische Nähe zum Menschen. Das macht die Makaken für die medizinische Forschung unersetzlich. Sie teilen über 90 Prozent des Erbguts mit uns und werden etwa bei der Entwicklung von Impfstoffen eingesetzt. Die weltweite Nachfrage ist seit der Covid-19-Pandemie und einem Exportverbot aus China stark gestiegen.

Legende: Suchinda Malaivijitnond, Direktorin des Nationalen Primaten-Forschungszentrums: «Langschwanz-Makaken sind für die Forschung unverzichtbar.» SRF/Martin Aldrovandi

Suchinda Malaivijitnond, Direktorin des thailändischen Nationalen Primaten-Forschungszentrums, sieht keine Gefahr für die Makaken-Population. Im Gegenteil: Es gebe so viele Makaken, dass sie eine Plage darstellten. Die Affen in ihrem Zentrum seien legal mit Genehmigung der Behörden gefangen worden, um eine Zucht aufzubauen.

Für und Wider von Tierversuchen mit Makaken

«Ich möchte, wenn möglich, keine Affen ins Ausland verkaufen», so Suchinda. «Mir ist es lieber, wenn die Forscher hierherkommen und die Versuche in Thailand durchführen.»

Legende: In Thailand werden die Makaken von vielen als Plage empfunden. SRF/Martin Aldrovandi

Für Tierärztin Juthamas sind die Affen jedoch keine Testobjekte, sondern fühlende Wesen. «Seit ich mich um sie kümmere, habe ich gesehen, welche Liebe Affen innerhalb ihrer Gruppe empfinden.» Persönlich ist sie gegen Tierversuche an Makaken.

Tierschützer Manad ist gespaltener Meinung. Er ist nicht grundsätzlich gegen Tierversuche, solange die Tiere nicht illegal gewildert werden. «Es besteht nun mal eine weltweite Nachfrage», sagt er. «Wir Menschen müssten diesen Affen dankbar sein.»

Source: SRF · Martin Aldrovandi

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