Wer Vollzeit zum gesetzlichen Mindestlohn arbeitet, hat im Schnitt 623 Euro mehr im Monat zur Verfügung als eine alleinstehende Person in der Grundsicherung. Das geht aus einer neuen Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung hervor. Berücksichtigt sind dabei auch Sozialleistungen wie Wohngeld und Kinderzuschlag.

Für Familien fällt der Vorsprung laut Studie noch größer aus: Eine Alleinerziehende mit einem Kind habe bei Vollzeitbeschäftigung 757 Euro mehr zur Verfügung, eine Paarfamilie mit zwei Kindern und einem Alleinverdiener 749 Euro. Der Lohnabstand sei gestiegen, weil der Mindestlohn erhöht wurde, während die Regelsätze der Grundsicherung unverändert blieben.

In der Politik wird seit Jahren gestritten, ob sich Arbeit gegenüber dem Bezug staatlicher Leistungen ausreichend lohnt.  Die Bundesregierung will im Zuge ihrer Sozialstaatsreform die finanziellen Anreize zur Aufnahme und Ausweitung einer Beschäftigung verbessern. Dazu sollen Grundsicherung, Wohngeld und Kinderzuschlag besser aufeinander abgestimmt und die Anrechnung zusätzlicher Erwerbseinkommen neu geregelt werden. Ein konkretes Konzept wird noch erarbeitet.

Hohe Mieten sind für Einkommenvorsprung großes Problem

»Die Zahlen unserer neuen Studie zeigen erneut, dass Menschen in der Grundsicherung deutlich weniger Geld zur Verfügung haben als Erwerbstätige, die Vollzeit zum Mindestlohn arbeiten«, sagte WSI-Direktorin Bettina Kohlrausch. Ein Problem seien allerdings die hohen Mieten in einigen Regionen. Im Landkreis München fällt der Einkommensvorsprung für Alleinstehende mit 404 Euro bundesweit am geringsten aus, im thüringischen Nordhausen mit 755 Euro am größten.

Kohlrausch kritisierte geplante Einschnitte beim Wohngeld und beim Unterhaltsvorschuss. Diese würden den Einkommensvorsprung insbesondere bei Familien tendenziell verringern.

Auch das Münchner Ifo-Institut hatte einen deutlichen Lohnabstand festgestellt, zugleich aber auf teilweise geringe finanzielle Vorteile zusätzlicher Arbeitsstunden hingewiesen.

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Source: Der Spiegel · DER SPIEGEL

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