Junge Texaner jubeln in Austin über den Wahlsieg der Demokraten.

Analyse

Stand: 04.11.2026 • 09:16 Uhr

Der Sieg der Demokraten ist mehr als deutlich. Sie gewinnen vor allem bei jungen Wählern, Schwarzen und Latinos hinzu. Einige Ergebnisse sind für die Republikaner regelrecht demütigend. Das hat viel mit Präsident Trump zu tun.

Jörg Schönenborn

Für die Demokraten zeichnet sich ein Erdrutschsieg ab, der die Erwartungen deutlich übertrifft. Die Mehrheit im Senat dürfte über die jetzt schon sicheren 54 Mandate hinausgehen, auch im Repräsentantenhaus haben sie nun eine sichere Mehrheit von mehr als 218 Sitzen und können im Endergebnis sogar mit mehr als 250 Sitzen rechnen.

"Trump-Koalition" von 2024 aufgebrochen

Die Nachwahlbefragungen zeigen, dass die Demokraten die sogenannte Trump-Koalition von der Präsidentschaftswahl 2024 aufgebrochen haben. Trump hatte damals zwischen den klassisch republikanischen Gruppen auch jüngere Wähler, vor allem Männer mit niedrigem Einkommen und einfacher Bildung gewinnen können. Und er hatte bei Latinos und Schwarzen besser abgeschnitten als für die Republikaner üblich.

Bei den 18- bis 29-Jährigen gewinnen die Demokraten nach der Erhebung der US-amerikanischen Nachrichtenagentur AP bei der Wahl zum Repräsentantenhaus mehr als 70 Prozent aller Stimmen, 25 Prozent gehen hier an die Republikaner. Das sind im Vergleich zu 2024 rund 20 Punkte Zugewinn für die Demokraten und Verlust für die Republikaner.

Bei den schwarzen Wählerinnen und Wählern gewinnen die Demokraten voraussichtlich sechs Punkte hinzu und erzielen fast 90 Prozent der Stimmen, bei den Latinos kommen sie mit sieben Punkten Zugewinn bundesweit auf mehr als 60 Prozent. Sie bauen ihre Mehrheit in diesen Wählergruppen damit wieder auf früheres Niveau aus.

Wichtigstes Thema: Wirtschaft

Wie schon in den Vorwahlumfragen nennen auch am Wahltag die meisten Befragten Wirtschaft als wichtigstes Thema. 39 Prozent geben das an, 32 Prozent hat bei ihrer Entscheidung der Zustand der Demokratie am meisten beschäftigt. Das Thema Einwanderung war nur noch für 14 Prozent das wichtigste, deutlich weniger als vor zwei Jahren.

Ein großer Teil der Amerikaner leidet unter den drastischen Preissteigerungen seit der Pandemie. Durch den Krieg der USA gegen Iran sind die Benzin- und Dieselpreise zusätzlich gestiegen. Ein Fünftel der Wählerinnen und Wähler gibt an, durch die Inflation in großen finanziellen Schwierigkeiten zu sein, weitere 58 Prozent spüren dadurch zumindest einige Probleme im Alltag.

Verantwortlich: Donald Trump

Dafür verantwortlich gemacht wird Präsident Donald Trump. 65 Prozent sind der Ansicht, dass sich durch seine Politik die wirtschaftliche Lage verschlechtert habe. Insgesamt sind 62 Prozent der Befragten mit der Arbeit von Trump unzufrieden. Nur gut jeder Dritte ist der Ansicht, dass er die richtigen Prioritäten setze, ebenso viele haben den Eindruck, er "kämpft für Leute wie mich". 2024 war es noch seine große Stärke, dass ihm Menschen in einfachen Verhältnissen und mit wirtschaftlichen Problemen Vertrauen schenkten.

Historische Demokraten-Siege in Kansas und Texas

Einige Ergebnisse sind für die Republikaner regelrecht demütigend. In Kansas war zuletzt 1932 ein demokratischer Senator gewählt worden, in Texas 1988. Dort hatte Trump bei der Präsidentschaftswahl noch 16 bzw. 14 Punkte Vorsprung gehabt. Bei der aktuellen Senatswahl hat sich das in Texas fast umgedreht. Der Sieger, der Demokrat James Talarico, hat bei einem Auszählungsstand von 86 Prozent einen Vorsprung von zwölf Punkten.

Das ist auch eine persönliche Niederlage für Trump, denn Texas ist einer der Staaten, in denen der Präsident einen hoch umstrittenen parteiinternen Kandidaten massiv unterstützt hatte. Ken Paxton hatte als Generalstaatsanwalt seit Jahren mit Vorwürfen wegen Korruption und Amtsmissbrauch zu tun.

Was Talarico in Texas geschafft hat

Der demokratische Sieger Talarico ist tief eingedrungen in die Gruppen, die Trump noch vor zwei Jahren zu seiner zweiten Präsidentschaft verholfen hatten. Bei den 18- bis 29-Jährigen holte er beeindruckende 79 Prozent der Stimmen. Und auch unter Latinos, den Wählerinnen und Wähler mit lateinamerikanischen Wurzeln, kann er zwei Drittel der Stimmen verzeichnen. In Texas ist das mit knappem Vorsprung vor den Weißen mittlerweile die größte Bevölkerungsgruppe, knapp 40 Prozent zählen dazu.

Source: Tagesschau · Jörg Schönenborn

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