Die Regierung in Paris will irreguläre afghanische Migranten in ihre Heimat zurückschicken. Dafür laufen Gespräche mit den Taliban. In den USA wiederum gibt es Pläne für eine Abschiebung auf Umwegen.

03.11.2026, 00.50 Uhr

Einheiten der Taliban (in der Provinz Kandahar am 19. August) Einheiten der Taliban (in der Provinz Kandahar am 19. August)

Einheiten der Taliban (in der Provinz Kandahar am 19. August)

Foto: Sanaullah Seiam / AFP

Frankreich führt Gespräche mit den Behörden der radikalislamischen Taliban über die Rückführung irregulärer afghanischer Migranten. »Wir versuchen, die Möglichkeit zu schaffen, eine bestimmte Anzahl von Afghanen ohne Aufenthaltsgenehmigung zurückzuführen. Das sind technische Gespräche«, sagte Frankreichs Innenminister Laurent Nuñez am Montag vor dem französischen Parlament. »Andere Länder tun das, Deutschland tut das.«

Wie Frankreich erkennt Deutschland die Taliban-Regierung nicht offiziell an, führt aber hochrangige Gespräche mit ihr. Außerdem ermöglichte die Bundesregierung den Taliban die weitgehende Übernahme der diplomatischen Vertretungen Afghanistans in Deutschland – anders als etwa in Österreich und zahlreichen anderen Staaten. Treibende Kraft ist dabei Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU), ausgewiesenes Ziel sind mehr Abschiebungen.

Im Juni flog eine Taliban-Delegation nach Brüssel, um mit Vertretern der EU und 15 Mitgliedstaaten über die Rücknahme abgelehnter Asylsuchender zu verhandeln. Damals hatte es heftige Kritik von Menschenrechtsorganisationen und linken Gruppen gegeben. Auch die EU erkennt die Taliban-Regierung nicht offiziell an.

Ebenfalls am Montag hatte sich die Taliban-Regierung besorgt über mutmaßliche Pläne der USA geäußert, afghanische Migranten über Pakistan abzuschieben. Außenministeriumssprecher Abdul Kahar Balchi forderte Washington am Montag auf, einen »verantwortungsvollen und maßvollen Ansatz« zu wählen. Sämtliche Entscheidungen müssten »die Rechte und legitimen Forderungen« der Betroffenen berücksichtigen. Weiter betonte er Kabuls Bereitschaft, in dieser Angelegenheit auf Basis gegenseitigen Verständnisses praktisch zusammenzuarbeiten. Den Taliban selbst werden immer wieder massive Verletzungen der Grundrechte vieler Menschen angelastet. Vor allem die Situation der Frauen und Mädchen hat sich seit der Machtübernahme drastisch verschlechtert.

Im Heimatland drohen Verfolgung und Gewalt

Die »New York Times« hatte unter Berufung auf drei US-Regierungsmitarbeiter über Pläne berichtet , mehr als 150 Afghanen über Pakistan auszuweisen. Eine direkte Abschiebung nach Afghanistan ist der US-Regierung nicht möglich. Den Betroffenen drohen in ihrem Heimatland Verfolgung und Gewalt. Laut der Menschenrechtsgruppe AfghanEvac betrifft dies auch Menschen, die bis zum Abzug 2021 das US-Militär vor Ort unterstützt haben.

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Zwar hatten die Taliban nach ihrer Machtübernahme eine Generalamnestie für ehemalige Mitarbeiter westlicher Streitkräfte und Regierungen verkündet, um ihnen eine sichere Rückkehr zu garantieren. Uno-Berichten zufolge kommt es jedoch immer wieder zu außergerichtlichen Tötungen, Willkürjustiz und Misshandlungen.

Das Verhältnis zwischen Pakistan und Afghanistan ist aufgrund wiederholter Zusammenstöße an der gemeinsamen Grenze angespannt. Pakistan wirft den Taliban vor, Kämpfern Schutz zu gewähren, die für Anschläge in Pakistan verantwortlich seien, was Kabul bestreitet. Vor diesem Hintergrund wies die pakistanische Regierung ihre Sicherheitsbehörden an, afghanische Staatsbürger ohne gültiges Visum festzunehmen.

jok/AFP

Source: Der Spiegel · DER SPIEGEL

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